06:02 19 Dezember 2018
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    Der sowjetische Aufklärungsschiff Ural (Archivbild)

    Nuklearer Gigant für Aufklärungseinsätze: Höhepunkt der Sowjet-Rüstungsindustrie

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    Dieses atomgetriebene Aufklärungsschiff voller High-Tech-Ausrüstungen war eine Riesenleistung der sowjetischen Forschungs- und Rüstungsbranche. Es wurde gebaut und stellte seine Effizienz sofort unter Beweis, doch der Zerfall der UdSSR durchkreuzte alle Einsatzpläne, wie der russische TV-Sender Swesda berichtet.

    Im Jahr 1975 nahm die sowjetische Rüstungsindustrie dem Bericht zufolge die Arbeit an der Aufklärungsstation Korall auf. Als Trägersystem wurde ein einzigartiges atomgetriebenes Schiff konzipiert. Dieses erhielt den Namen „Ural“ und war selbst für sowjetische Verhältnisse gigantisch. Die Schiffsbauer und die Militärs rangen während der Entwicklungsarbeiten buchstäblich um jedes Quadratmeter.

    Letztendlich wurde eine Länge von 265 Metern vereinbart – bei einer Besatzung von nahezu 1.000 Mann. Zu jenem Zeitpunkt verfügte die sowjetische Pazifikflotte, die das Schiff bekommen sollte, nicht einmal über einen passenden Anlegeplatz.

    Der russische Marineexperte Georgi Tschernenko sagte dem Sender: „Solche Projekte kommen nur einmal in 50 oder gar in 100 Jahren. Es gibt Autos, die per Hand zusammengeschraubt werden, und es gibt Schiffe von dieser Art. Trotz der riesigen Abmessungen was das eigentlich eine Einzelanfertigung: Kein zweites Schiff wurde im Rahmen jenes Projekts gebaut.“  

    Die „Ural“ bekam ein modernes Phased-Array-Radar. Eine weitere Pointe war die optisch-elektronische Anlage Lebed – dazu gehörte ein einzigartiger Fotoapparat mit einem anderthalb Meter großen Spiegel. Damit konnten Parameter startender ballistischer Raketen registriert werden – aus einer Entfernung von mehreren Hundert Kilometer. 

    Darüber hinaus erhielt das Schiff Waffen. Vorne und hinten wurden 76-mm-Geschütze montiert. Es gab auch mehrere 30-mm-Maschinenkanonen, um Überwasser- und Luftziele bei Bedarf ins Visier zu nehmen.

    Noch während ihrer Fahrt zum geplanten Standort im russischen Fernen Osten konnte die „Ural“, so der Bericht weiter, ihre Effizienz unter Beweis stellen: Aus einer Distanz von nahezu 1.500 Kilometern hat sie die Parameter der startenden US-Raumfähre „Columbia“ aufgezeichnet und analysiert.

    Strahlenphysiker Leonid Babitschew erzählt: „Während der Fahrt wurden außerdem Frequenz-Parameter aller landgestützten Radaranlagen des angenommenen Gegners registriert – ebenso wie Funktions-Modi von Radaren und Kommunikationssystemen, mit denen Flugzeuge (darunter auch Aufklärungsmaschinen) ausgestattet waren. Jene Signale wurden aufgezeichnet, analysiert und in einer speziellen Datenbank gesammelt, auf die dann alle Truppengattungen Zugriff bekamen – von den strategischen Raketentruppen bis hin zu den Einheiten der elektronischen Kampfführung.“  

    Die Wirtschaftsmisere wegen des Zerfalls der Sowjetunion erwies sich jedoch für das Schiff als fatal. Im Jahr 1992 wurden seine Reaktoren wegen Unterfinanzierung heruntergefahren. Die „Ural“ erreichte nie ihr geplantes Einsatzgebiet nahe dem pazifischen Atoll Kwajalein, wo die US-Amerikaner ihre Raketen testen.

    Der Sender kommentiert: „Solche Schiffe wurden von keinem anderen Staat gebaut. Die ‚Ural‘ war und bleibt ein einzig dastehender Höhepunkt der sowjetischen Wissenschaft und Rüstungsindustrie.“

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    Tags:
    Radaranlage, Flotte, Kriegsschiffe, Aufklärung, Sowjetunion, Russland