10:29 24 November 2017
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    Raketentriebwerke vom Typ RD-180

    Moskau hat noch Zeit bis US-Konkurrenten russische Triebwerke ablösen – Experte

    © AP Photo/ Maxim Marmur
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    Der Export russischer Raketentriebwerke RD-180 in die USA ist eine einzigartige wirtschafts-technologische Vereinbarung zwischen Moskau und Washington. Seit Jahren kündigen die USA an, die RD-180 durch eigene Triebwerke ersetzen zu wollen. Der russische Experte für Raumfahrtpolitik Ivan Moiseev erklärt, was dies für beide Seiten bedeuten könnte.

    Die Lieferungen russischer Raketentriebwerke RD-180 an die Vereinigten Staaten sind gleich aus mehreren Gründen einzigartig.

    Zum einen sind die RD-180 gezielt nicht unter die amerikanischen Sanktionen gestellt worden, zum anderen sind sie praktisch das einzige Beispiel für offiziell anerkannte Importe russischer Hi-Tech-Produkte seitens amerikanischer staatlicher Strukturen.

    Nun versuchen die USA, sich vom Import russischer Triebwerke zu lösen und entwickeln eigene Alternativen.

    So führte das US-Unternehmen Blue Origin die ersten Tests des neuen Raketentriebwerks BE-4 durch, das mit einem Treibstoffgemisch aus Flüssigsauerstoff und Flüssigmethan betrieben werden soll.

    Dieses Triebwerk könnte durchaus die Chance haben, zum stärksten Raketenantrieb der USA für die nächsten Jahrzehnte zu werden und soll vor allem bei der neuen schweren Rakete New Glenn Anwendung finden.

    Die neuen Triebwerke könnten aber auch vom Unternehmen United Lounch Alliance genutzt werden, welches zusammen von Boeing und Lockheed Martin ins Leben gerufen wurde und unter anderem die Raketen Atlas V zusammenbaut.

    Genau diese Raketen nutzen aber im Moment die russischen RD-180.

    Um dies zu ändern, will United Lounch Allince ihrerseits auch eine neue Rakete herausbringen – die Vulcan – und die Atlas dadurch ersetzen. Daher könnte die Entwicklung der neuen US-Antriebe BE-4 im Zusammenspiel mit der in Entwicklung stehenden Vulcan in der Tat den Liefervertrag für russische RD-180 an Washington gefährden.

    Dennoch, der Leiter des russischen Instituts für Weltraumpolitik Ivan Moiseev hebt im Gespräch mit dem Nachrichtenportal rueconomics.ru hervor, dass dieses Szenario für Russland keine unerwartete Wendung bedeuten würde.

    „Atlas V ist keine Rakete für die Ewigkeit, daher müsste sie früher oder später ersetzt werden. Dementsprechend sind all diese Vorgänge in den USA für uns keine Überraschung, sondern sind in der Praxis durchaus erwartet worden“, erklärt Moiseev.

    Der Umstieg der Amerikaner auf eigene Triebwerke könnte theoretisch schon in den nächsten Jahren erfolgen.

    „Im Moment planen die USA die Inbetriebnahme der Rakete Vulcan für das Jahr 2018, und dieses Datum könnte der erste Punkt zur Eingrenzung des RD-180-Liefervertrages werden. Auf der anderen Seite werden die Amerikaner kaum schon im nächsten Jahr alles fertig haben“, merkt der Experte an.

    Der Zeitpunkt für die endgültige Einführung der Vulcan und damit für das Ersetzen der alten Atlas-Rakete hänge nicht nur von der rein technischen Bereitschaft der neuen Rakete ab, sondern auch von festen Verträgen zu ihrer realen Nutzung.

    Hierfür müssten aber diese Raketen noch eine ganze Serie von langwierigen Tests durchlaufen.

    „So oder so, im Moment läuft noch der amerikanische Vertrag zum Kauf russischer Antriebe, und sie haben auch eine gewisse Zahl auf Vorrat. Dennoch sollten wir begreifen, dass dies nicht ewig halten kann und früher oder später dieser Liefervertrag auslaufen wird“, betont Moiseev.

    Der russisch-amerikanische Vertrag zur Lieferung der RD-180 bringe jährlich etwa 300 Millionen Dollar in die russische Kasse ein, was einem ganzen Raketenproduzenten – nämlich dem „Energomasch“ – einen problemlosen Betrieb ermögliche.

    Genau dies berge die größte Herausforderung in sich. Einen Ersatzkunden für die RD-180 zu finden, werde sehr schwierig sein, obwohl die notwendigen Konsultationen hierzu dauerhaft geführt würden, so der Experte.

    Der bestehende Liefervertrag sei schließlich ungewöhnlich für die Amerikaner und gar unikal für Russland.

    „Es war das erste Beispiel solch einer Kooperation Russlands auf dem Weltmarkt“, betont Moiseev abschließend.

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    Tags:
    Raketentriebwerk, Atlas V, Lockheed Martin, USA, Russland
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