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15:32 19 August 2019
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    Vorbereitung auf Raketenstart (Archiv)

    Sarmat: Wie die russische Atomrakete der Zukunft getestet wird

    © Sputnik / Sergej Kazak
    Technik
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    Diese schwere Rakete ist der bisherige Höhepunkt der Errungenschaften der russischen Konstrukteure und die Zukunft des Atomschildes des Landes. Ihr Startgewicht beträgt 110 Tonnen, ihre Reichweite – mehr als 11 000 Kilometer, die Kampflast – 10 bis 15 Gefechtsköpfe mit individueller Lenkung mit einer Sprengkraft von bis zu jeweils 750 Kilotonnen.

    Westliche Experten und Medien bezeichneten sie bereits als Satan-2. 

    Der stellvertretende Verteidigungsminister Russlands, Juri Borissow, berichtete, dass die Starttests der ballistischen Interkontinentalrakete Sarmat bis Ende 2017 beginnen sollen. Der strategische silogestützte Angriffskomplex wird damit seine erste Prüfung bestehen. Sarmat-Raketen sollen zum Jahr 2020 in die Bewaffnung aufgenommen werden. In der verbliebenen Zeit soll die Rakete alle Test-Etappen absolvieren.

    Prüfung beim Start

    Den Geländetests jeder ballistischer Rakete geht eine lange Etappe von Versuchs- und Konstrukteur-Arbeiten voraus. Diese Arbeiten begannen beim Sarmat-Projekt bereits 2011. Auf dieser Etappe geht es um ein Brainstorming der Spezialisten verschiedener Konstruktionsbüros. Man muss alles berechnen – projizieren, herstellen und alle Komponenten testen.

    Raketenstart
    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands
    Dazu gehören u.a. die Triebwerke, das Brennstoffsystem, die Technik zum Abtrennen der Stufen, das Steuerungssystem, das Gefechtsteil, das Gehäuse und das Startsystem. Für moderne und zukunftsweisende Raketen werden noch einzelne Komplexe zum Durchbruch der Raketenabwehr, Mittel der radioelektronischen Bekämpfung, Aufsteller von Scheinzielen und andere High-Tech-Elemente entwickelt.

    Nach Medienangaben gingen die Brenntests der Flüssigkeits-Triebwerke der ersten Stufe der Sarmat-Rakete 2016 erfolgreich zu Ende. Auf dieser Etappe wird ihr Einsatz unter realen Bedingungen simuliert – es wird die Arbeit der Verbrennungsräume, Turbinenpumpenanlagen, Gasgeneratoren und anderer Elemente geprüft. Falls alle einwandfrei funktionieren, werden die Tests als erfolgreich bezeichnet. Die nächste Etappe sind die Starttests.

    „Bei den Tests werden der Start der Rakete aus dem Silo und die erste Etappe des Funktionierens des Triebwerks geprüft“, sagte Generalmajor a.D. Wladimir Dworkin. „Aus der Silo-Startanlage wird ein Modell mit einem realen Triebwerk der ersten Stufe und einem ‚Ersatz‘ des restlichen Raketenteils abgefeuert. Das Modell gleicht dem fertigen Erzeugnis nach Größe und Gewicht. Der Kraftstoffvorrat ist nicht groß – für einige Flugsekunden“.

    Moderne ballistische Raketen starten nach einem Minenwerfer-Schema – sie werden vom Feststoff-Druckspeicher aus dem Silo gestoßen. Diese Technologie wurde bereits in der Sowjetunion und in Russland genutzt. Ähnlich wird auch der Vorgänger der Sarmata-Rakete – die schwere Zwei-Stufen-Wojewoda-Rakete gestartet.

    Reifetest

    Die nächste Etappe sind Flug- und Konstruktionstests. Zu diesem Zeitpunkt sind die einzelnen Bestandteile der Rakete fertig gestellt. Das heißt, dass eine zusammengebaute Rakete getestet werden soll – um keine Änderungen im Projekt vorzunehmen und um sich zu vergewissern, dass die reale Reichweite den technischen Parametern entspricht. Zum Beginn der Flug- und Konstrukteur-Tests soll es im Herstellerwerk bereits eine Versuchsreihe der Raketen geben.

    „Auf dieser Etappe erfolgt der Start einer vollständig ausgerüsteten Rakete in einer bestimmten Flugbahn“, sagte Dworkin. Gewöhnlich wird zum Kura-Gelände auf der Kamtschatka-Halbinsel geschossen. Die Flug- und Konstruktionstests können mit staatlichen Tests kombiniert werden, bei denen die Entscheidung über die Inbetriebnahme getroffen wird.

    Wie die Praxis zeige, müssten dafür 10 bis 15 Raketen erfolgreich gestartet werden. Während der Starts könne es zu Notsituationen kommen. In diesem Fall seien zusätzliche Starts erforderlich, um sicher zu gehen, dass alle Mängel beseitigt worden seien.

    Die Feststoff-Interkontinentalrakete R-30 Bulawa, die für die strategischen Atom-U-Boote Borej entwickelt wurde, konnte lange Zeit nicht die Flug- und Konstruktionstests bestehen. Insgesamt gab es 27 Raketenstarts, von denen zwei teilweise erfolgreich und sieben gescheitert waren. Nach einigen Angaben war der Grund der gescheiterten Starts der Ausfall der Steuerungssysteme der Triebwerke.

    Vizepremier Sergej Iwanow sagte 2009, dass diese Probleme mit unzureichenden Arbeiten an der Rakete auf dem Boden verbunden seien. Der Chefkonstrukteur der U-Boote des Projekts 941 Akula, Sergej Koroljow, erklärte die Mängel mit den fehlenden Bodenprüfständen.

    Bei der Feststoff-Rakete R-39, mit der die Akula-U-Boote ausgerüstet wurden,  ist mehr als die Hälfte der ersten 17 Tests gescheitert. Mit der Zeit wurde sie jedoch vervollkommnet, wie auch die Bulawa-Rakete. Die Raketentechnik ist zu schwer und launisch, als dass alles sofort perfekt verlaufen würde.

    Doch die Sarmat-Rakete hat alle Chancen, schnell in Betrieb genommen zu werden – die Rüstungsbranche hat große Erfahrungen bei der Produktion und dem Betrieb schwerer silogestützter Raketen. Allerdings müssen die Entwickler in den nächsten zwei bis drei Jahren hart und fehlerfrei  arbeiten – ein einziger Fehler kann den Termin der Inbetriebnahme um einige Jahre verschieben. Angesichts der aktuellen geopolitischen Situation wäre das äußerst unerwünscht.

    In Zukunft sollen die Sarmat-Raketen neben den Jars- und Topol-Raketen die Grundlage der Angriffsstärke der russischen strategischen Raketenkräfte bilden. Die neue Rakete soll die Wojewoda-Rakete ersetzen. Laut Quellen aus der Rüstungsindustrie sollen sieben Raketen-Regimenter mit Sarmat-Raketen ausgerüstet werden.

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    Tags:
    Analyse, Interkontinentalrakete, Test, Raketenstart, Interkontinentalrakete RS-28 Sarmat, Russland