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16:48 19 Oktober 2019
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    Raketenkomplex Iskander-M bei Militärübungen (Archivbild)

    Reizfaktor mit Vorgeschichte: Iskander-Raketen und US-Vorwürfe gegen Moskau

    © Sputnik / Sergej Orlow
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    Das russische Kurzstrecken-Raketensystem Iskander irritiert die USA wegen seiner Effizienz nicht weniger als einst das sowjetische System Oka. Obwohl keine der beiden Waffen gegen den INF-Vertrag verstößt, werden immer wieder Vorwürfe gegen Moskau erhoben. So kommentiert der russische TV-Sender Swesda die Situation.

    Zur Vorgeschichte berichtet der Sender auf seiner Webseite, im Jahr 1980 habe die sowjetische Armee Kurzstrecken-Raketensysteme des Typs Oka bekommen (Nato-Codename: SS-23 Spider): „Mit ihrer Tarnkappentechnik galten sie zu jenem Zeitpunkt als weltbeste ihrer Klasse.“

    Die Reichweite jener Systeme habe 400 Kilometer betragen und damit keineswegs gegen den später geschlossenen INF-Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme verstoßen: „Doch ihre hohe Präzision missfiel den Amerikanern schrecklich – und sie taten alles, um die Oka-Systeme in den Vertrag zur Vernichtung mit einzubeziehen.“

    Letztendlich seien jene Raketen komplett entsorgt worden, stellt der Sender fest und kommentiert:

    „Der INF-Vertrag wurde unterzeichnet, als es zwei Militärblöcke gab, also den Warschauer Pakt und die Nato. Seitdem sind 30 Jahre vergangen und die Situation des strategischen Gleichgewichts weltweit hat sich grundsätzlich geändert. Der Warschauer Pakt zerfiel, die Nato besteht dagegen weiter – und schiebt mit jedem Jahr ihre Basen sowie Anlagen der globalen US-Raketenabwehr immer näher an die russische Grenze. Damit bekommt die Nato als Russlands potenzieller Gegner einen Vorteil bei konventionellen Waffen in Europa.“

    Dabei zeige sich die Nato besorgt über russische Raketensysteme des Typs Iskander im Gebiet Kaliningrad. „Iskander ist faktisch das verbesserte und gründlich modernisierte Oka-System, das die Amerikaner vor 30 Jahren so gefürchtet hatten“, erläutert der Sender.

    Das Iskander-Raketensystem verstoße ebenfalls gegen keine internationalen Verträge, irritiere aber trotzdem die Amerikaner, und zwar wegen seiner Effizienz. Die Flugbahn der Rakete sei für den Gegner absolut unkalkulierbar: „Während des Flugs manövriert die Rakete selbständig in Sachen Höhe und Richtung. Auf ihr Ziel stürzt sie von oben streng senkrecht, was das Abfangen immens erschwert.“

    „Verständlicherweise ist die Rakete mit solchen Präzisions-Parametern ein äußerst starker Reizfaktor für den Gegner, vor allem für die Amerikaner, die ihre Raketenabwehr-Komponenten in Europa stationieren. Es ist kein Wunder, dass Iskander ständig Vorwürfe veranlasst, wonach Russland gegen den INF-Vertrag verstoße“, so der Kommentar.

    Wie der Sender erläutert, übertrifft die Iskander-Reichweite nach Ansicht der USA 500 Kilometer und ist damit angeblich größer als Russland offiziell angibt. „Wenn unsere Diplomaten jedoch darum bitten, Beweise zu liefern (lieber mit objektiven Kontrolldaten), erwidern die USA gewöhnlich, dass solche Daten zwar vorhanden, aber geheim seien – und deshalb nicht vorzulegen“, so der Sender ironisch.

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    Tags:
    Raketenkomplex, US-Raketenabwehr, INF-Vertrag, Iskander-M, USA, Russland