04:10 14 Dezember 2019
SNA Radio
    Stetschkins Produktion im Einsatz

    Mit dem Zigarettenetui töten: Die besten und ungewöhnlichsten Waffen Stetschkins

    © Sputnik / Ewgeniy Biyatow
    Technik
    Zum Kurzlink
    0 793
    Abonnieren

    Der Name dieses sowjetischen und russischen Waffenentwicklers ist seit langem eine Marke, die nicht weniger bekannt ist als Kalaschnikow, Dragunow bzw. Makarow. Sein Haupterbe ist eine einzigartige automatische Pistole, die in vielerlei Hinsicht ihrer Zeit voraus war. Mitglieder von russischen Spezialeinheiten nehmen sie bis heute mit zur Arbeit.

    Am Mittwoch wäre der hervorragende Waffenkonstrukteur Igor Stetschkin 95 Jahre alt geworden. Dieser Mann widmete sein ganzes Leben der Entwicklung einer perfekten Schusswaffe. Obwohl die Stetschkin APS seine bekannteste Entwicklung ist, erfand er auch viele andere einzigartige Waffen. In diesem Artikel stellen wir Ihnen die interessantesten Waffen Stetschkins vor.

    Pistole mit Anschlag

    Die erste Entwicklung des jungen Spezialisten Igor Stetschkin, der 1948 im Konstruktionsbüro ZKB-14 angestellt wurde, wurde die wichtigste Privatwaffe der Offiziere, Soldaten und Sergeanten der Spezialeinheiten sowie Besatzungsmitglieder der Panzertechnik, die keine automatischen Gewehre bzw. Karabiner tragen dürfen. Ein Versuchsmodell der Pistole APS wurde bereits nach einem Jahr fertiggestellt. Nach den Tests wurde sie in Dienst genommen.

    Die Stetschkin APS für 20 Patronen hat eine unglaubliche Kadenz für diesen Waffentyp – 700 bis 750 Schüsse pro Minute. Solche Ergebnisse wurden dank den Konstruktionsbesonderheiten erreicht, die ein Reihenfeuer ermöglichen. Die Waffe ist ein unverriegelter Rückstoßlader mit Spannabzug. Für eine höhere Trefferdichte wurde die Pistole zusammen mit einem Halfter aus Holz geliefert, der nach einigen Einstellungsveränderungen als Anschlag genutzt werden konnte. Später wurde dieses Stück aus Plastik hergestellt.

    Die Stetschkin APS schießt mit Standard-Patronen im Kaliber 9x18 Millimeter. Ein erfahrener Schütze kann mit dem Einsatz des Anschlags das Ziel aus einer Entfernung von 150 Metern mit Einzelschüssen und aus einer Entfernung von 100 Metern mit Reihenfeuer treffen. Dabei ist die APS eine sehr präzise Waffe, was auch ihrem geringen Rückstoß zu verdanken ist. Zudem ist die Pistole sehr zuverlässig – einige Modelle hatten 40.000 Schüsse ohne einen einzigen Ausfall.

    Im Schatten von Makarow. Weniger bekannte Pistolen der russischen Spezialeinheiten

    Allerdings wurden im Betrieb auch Mängel der Stetschkin APS festgestellt. Die Pistole ist ziemlich schwer – zusammen mit dem Anschlag ca. 1,7 Kilogramm. Viele Offiziere beanstandeten zudem ihre Größe – die Pistole ist rund 22,5 Zentimeter lang. Auch die Patronen wurden von den Militärs kritisiert, deren Kapazität für ein effektives Treffen eines Ziels in Panzerweste nicht ausreichte.

    Im Ergebnis wurde die Produktion der APS 1958 eingestellt. Als persönliche Selbstverteidigungswaffe für Besatzungsmitglieder der Panzertechnik wurde das kürzere Kalaschnikow-Gewehr gewählt – AKS-74U. Allerdings wurde die Stetschkin APS von der Führung des Landes hoch geschätzt, 1952 wurde der Konstrukteur mit dem Stalin-Preis zweiter Klasse ausgezeichnet. Die APS wurde keine Massenwaffe, sondern ein „chirurgisches Instrument“ für Profis. Die vor 66 Jahren entwickelte Pistole wird bis heute von FSB, FSO, dem Innenministerium sowie Spezialeinheiten der Nationalgarde genutzt.

    „Auf Schießplätzen und am Schießplatz schießen wir mit verschiedenen Pistolen, darunter den modernsten“, sagte ein Offizier der Spezialeinheit der Nationalgarde. „Doch neue Waffen entsprechen nicht immer den Anforderungen an die Zuverlässigkeit. Deswegen nehme ich zur Arbeit immer die APS mit. Sie eignet sich perfekt für einen Kampf in Gebäuden, in der Stadt – wegen der guten Feuerstärke“, so der Offizier.

    Schießendes Zigarettenetui

    Neben der APS entwickelte Stetschkin auch einige interessante Modelle von geräuschlosen Waffen. Im Einzelnen zu erwähnen sind die TKB-506 und TKB-506A – Schussapparate mit einem Kaliber von 7,62 Millimetern, getarnt als Zigarettenetui. Der Konstrukteur befasste sich mit der Entwicklung dieser Waffe im Auftrag des KGB, 1954 wurde ein funktionierender Prototyp vorgestellt.

    „Das schießende Zigarettenetui TKB-506
    „Das schießende Zigarettenetui" TKB-506

    „Das schießende Zigarettenetui“ (108x74 Millimeter) passte in die Brusttasche und blieb unauffällig. Im Inneren befand sich eine einfache Abzugseinrichtung und drei kurze „Röhren“ für Patronen SP-2. Dank der besonderen Konstruktion dieser Patronen blieb das Pulvergas im Inneren der Hülse, weshalb das Schießen fast völlig geräuschlos vonstatten ging. Die Waffe war ziemlich leistungsstark – eine 6,2 Gramm schwere Kugel durchbrach aus einer Entfernung von fünf Metern eine Platte aus drei Kieferbrettern. Über den Kampfeinsatz der TKB-506 gibt es keine offen zugänglichen Informationen. Nach einigen Angaben wurden sie von der Ersten Hauptverwaltung des KGB genutzt, die sich mit Auslandsaufklärung befasste.

    Im Schatten der Kalaschnikow. Fünf weniger bekannte automatische Gewehre der russischen Armee

    Ende der 1950er Jahre entwickelte Stetschkin Luft-Luft-Raketen und später die lenkbaren Raketenabwehrsysteme Owod, Fagot und Goboi. 1971 wechselte der Waffenentwickler zum Zentralen Konstruktions- und Forschungsbüro für Sport- und Jagdwaffen. Zu den bedeutendsten Projekten gehört das Gewehr TKB-0146, das im August 1984 zur Teilnahme am Wettbewerb „Abakan“ präsentiert wurde. Diese Waffe für 5,45x39-Millimeter-Patronen, zusammengebaut nach dem Bullpup-Prinzip, hatte eine Besonderheit – einen verzögerten Rückstoß-Impuls.

    Dieses Prinzip wurde dank der zweistufigen Patronenzuführung erreicht. Der Schütze schafft es also, zwei Schüsse vor einem Rückstoß zu machen. Im Ergebnis treffen die ersten zwei Kugeln nahezu ein und dieselbe Stelle, was die Trefferdichte deutlich erhöht. Allerdings wurde die TKB-0146 im Wettbewerb als zu kompliziert bezeichnet und hatte gegenüber der AN-94 das Nachsehen.

    Begrenzte Auflage

    Zu Beginn der 1990er Jahre befasste sich Stetschkin erneut mit der Entwicklung von kurzläufigen Waffen. In dieser Zeit entwickelte er die automatische Pistole OZ-23 Drotik, die aber wegen einer unzureichend starken 5,45x18-Millimeter-Patrone nicht in die Serienproduktion aufgenommen wurde. Bekannter ist die OZ-27 Berdysch. Die Besonderheit dieser Pistole ist, dass sie mit unterschiedlich großen Patronen schießen kann. Sie kann mit Patronen 9x18, 9x19 (Parabellum) und 7,62x25 Millimeter (TT) schießen. Dafür muss man nur das Rohr und das Magazin wechseln. Die Pistole war sehr gut geeignet für die Rechtsschutzorgane, wo viel Munition gebraucht wurde.  Die OZ-27 wird von Betriebsschutzeinheiten sowie Staatsanwälten und Ermittlern der Staatsanwaltschaft als Selbstverteidigungswaffe genutzt. Seit Dezember 2005 gilt die OZ-27 auch als Auszeichnungswaffe.

    1996 begann die Produktion der automatischen Pistole OZ-33 Pernatsch auf Grundlage der Konstruktion OZ-23 Drotik. Allerdings erbte die neue Waffe für 9x18-Millimeter-Patronen auch mehrere Besonderheiten der APS. Die Pistole hat ein großes Magazin für 18 und 28 Patronen, einen abnehmbaren einklappbaren Anschlag und eine hohe Kadenz (800-900 Schüsse pro Minute). Die OZ-33 wird auch heute in kleineren Partien hergestellt und von Spezialeinheiten des Innenministeriums Russlands verwendet.

    Die letzte Entwicklung Stetschkins war der Spezialrevolver OZ-38, der Ende der 1990er Jahre entwickelt wurde. Die größte Besonderheit dieser geräuschlosen Waffe ist die Patrone SP-4 (7,62x41,5 Millimeter) – eine Weiterentwicklung der SP-2. Die Serienproduktion der OZ-38 wurde 2002 aufgenommen, ein Jahr nach dem Tod des Konstrukteurs. Wie die meisten seiner Entwicklungen erwies sich der Revolver als zuverlässig und äußerst effektiv in den Händen von Profis. Die OZ-38 steht heute im Dienst der Spezialeinheiten des FSB und des Innenministeriums.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Russischer Atom-Kreuzer setzt einzigartige Waffe ein - VIDEO
    Duterte dankt Putin: Philippinen wollen mehr russische Waffen
    Ukraine beendet Vertrag mit Russland über Waffenlieferungen
    So viele Waffen sind in der russischen Armee modern – Schoigus Zwischenbilanz
    Tags:
    Pistole, Waffen, Kalaschnikow, Stetschkin, Russland