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    240-mm-Selbstfahr-Minenwerfer 2S4 Tjulpan

    Russlands Militär baut wieder Atomkanonen

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    Technik
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    Einen gefestigten Bunker mit einer 130 Kilogramm schweren Sprengmine zerstören bzw. die Stellungen des Gegners mit einem nuklearen Sprengkopf angreifen – für den Granatenwerfer 2S4 Tjulpan ist das kein Problem.

    Wie eine Quelle im russischen Verteidigungsministerium berichtete, wird das Werk Uraltransmasch bis 2020 im Auftrag des russischen Verteidigungsministeriums alle sich in Reserve befindlichen Tjulpan-Granatenwerfer reparieren.

    In dieser Woche ging die Reparatur einer Partie aus 16 Minenwerfern zu Ende. Darüber hinaus werden auch andere starke „Kanonen“ wiederhergestellt – 203-mm-Selbstfahrlafetten 2S7 Pion. Über diese Waffen berichtet Andrej Stanawow.

    240-mm-Selbstfahr-Minenwerfer 2S4 Tjulpan beim internationalen militärtechnischen Forum Armija-2017 auf dem Gelände Alabino. 23. August 2017
    © Sputnik / Grigorij Sysoew
    240-mm-Selbstfahr-Minenwerfer 2S4 Tjulpan beim internationalen militärtechnischen Forum Armija-2017 auf dem Gelände Alabino. 23. August 2017

    Alte Schule

    Der sowjetische 240-mm-Selbstfahr-Granatenwerfer Tjulpan ist ein wahrer Veteran. Er wurde bereits in den 1960er Jahren auf Basis eines schleppbaren Minenwerfers aus dem Jahr 1945 entwickelt. Auffallend ist, dass das erste Versuchsmodell nur zwei Schüsse aushielt und wegen einer riesengroßen dynamischen Welle zusammenbrach. Allerdings wurde der riesige Minenwerfer nach Nachbesserungen in Dienst gestellt und nur eine kleine Serienproduktion aufgenommen, weil er sehr kostspielig war. Ein Tjulpan kostete etwa viermal mehr als die 152-mm-Selbstfahrlafette 2S3 Akazija. Jetzt gibt es noch rund 500 Tjulpan.

    „Bei der Wiederherstellung demontieren Spezialisten von Uraltransmasch (gehört zur Rostec) jeden Minenwerfer, überprüfen alles, schmieren und bauen aufs Neue zusammen“, sagte ein Vertreter der Rüstungsbranche. „Diese Systeme sind zwar gelinde gesagt nicht neu, doch nach der Feuerstärke gibt es keine Gleichen in der Welt. Die Modernisierung wird eine bedeutende Erhöhung der Möglichkeiten der Tjulpan-Minenwerfer ermöglichen – sie werden mit neuesten Visieranlagen, Funkstationen und Navigationsanlagen ausgestattet.“

    240-mm-Selbstfahr-Minenwerfer 2S4 Tjulpan
    © Sputnik / Michail Woskresenkij
    240-mm-Selbstfahr-Minenwerfer 2S4 Tjulpan

    Der Minenwerfer 2S4 Tjulpan hat vom Kaliber her keine Analoga in der Welt. Eine abgefeuerte Mine bricht im freien Fall Stahlbeton-Platten eines zwölfgeschossigen Hauses bzw. das Dach eines befestigten Flugzeughangars. Die Schussreichweite beläuft sich auf bis zu neun Kilometer. Die Palette der Munition für die Tjulpan-Minenwerfer ist sehr umfangreich – Sprengminen zum Treffen von Objekten und lebendiger Kraft, Wurfraketen mit einer Reichweite bis zu 20 Kilometern, einmalige korrigierbare Munitionseinheiten Smeltschak mit externer Zielanweisung.

    Der Tjulpan-Minenwerfer ist zwar eine universelle Waffe, sein Einsatz gegen Infanterie ist aber wie das Schießen aus einer Kanone auf Sperlinge. Der Minenwerfer eignet sich besser für die Vernichtung von gefestigten Artillerie- und Raketen-Batterien, Bunkern, tiefen Kommandostellen und anderen Stahlbeton-Objekten des Gegners, die für einfache Artillerie anfällig sind. Vom Wurffeuer der Minenwerfer kann man sich weder in Hochhäusern noch in Gräben verstecken.

    Darüber hinaus können sie mit Kassetten-Antiinfanterie-Minen, Brandwurfgranaten Sajda, Neutronengeschossen Fata und Smola sowie Wurfgranaten 3B11 mit einem nuklearen Gefechtskopf mit einer Stärke von bis zu zwei Kilotonnen TNT schießen. Damit kann der alte sowjetische Minenwerfer als schreckliche taktische Atomwaffe bezeichnet werden – ein Atomschuss kann eine Brigade vernichten.

    Atomkanone

    Das gleichaltrige Langrohr zu Tjulpan ist die 203-mm-Selbstfahrlafette 2S7 Pion, die zwar ein kleineres Kaliber, jedoch eine fünfmal größere Reichweite hat. Das ist kein Minenwerfer, sondern eine wahre Kanone. Die Reichweite einfacher 133-kg-Splitterspreng- bzw. Atomgeschosse beträgt bis zu 35 Kilometer. Wurfgranaten fliegen bis zu 47 Kilometer weit. Mit dem Wiederaufbau der Pion befassen sich Spezialisten des Wolgograder Maschinenbauunternehmens Barrikady.

    203-mm-Selbstfahrlafette 2S7 Pion
    203-mm-Selbstfahrlafette 2S7 Pion

    Selbstfahrlafette Pion

    „Diese Kanonen sind derzeit in der Wartung“, so ein Vertreter der Rüstungsbranche. Es werden alte Bestandteile ersetzt, die innere Rohr-Oberfläche wiederhergestellt u.a. Nach diesen Arbeiten werden die Pion-Selbstfahrlafetten wie neu sein.

    Die nach einem turmlosen Schema gebauten Pion-Selbstfahrlafetten wurden zum Beschuss des Hinterlandes des Gegners, dem massiven Beschuss von besonders wichtigen Objekten und nuklearen Angriffsmitteln im taktischen Hinterland entwickelt. Damit das Gewehr bei starken Schüssen nicht zurückgestoßen wird, wurde vorne eine spezielle Platte montiert. Die Kanone wird vom Boden bzw. LKW geladen. Die Schussgeschwindigkeit einer modernisierten Version beträgt bis zu 2,5 Schüsse pro Minute. Auf den ersten Blick ist das nicht viel, doch für ein solches Kaliber reicht das absolut aus.

    203-mm-Selbstfahrlafette 2S7 Pion (L) und 240-mm-Selbstfahr-Minenwerfer 2S4 Tjulpan (R)
    © Sputnik / Kirill Kallinikow
    203-mm-Selbstfahrlafette 2S7 Pion (L) und 240-mm-Selbstfahr-Minenwerfer 2S4 Tjulpan (R)

    Auffallend ist, dass die sowjetische Armee kein einziges Mal Pion-Selbstfahrlafetten unter Kampfbedingungen einsetzte. Nach der Unterzeichnung des KSE-Vertrags wurden alle Lafetten dieses Typs in den Militärbezirk Ost verlegt.

    Militärs vor der Selbstfahrlafette 2S7M Malka beim Internationalen militärtechnischen Forum Armija-2017
    © Sputnik / Michail Wiskreneskij
    Militärs vor der Selbstfahrlafette 2S7M Malka beim Internationalen militärtechnischen Forum Armija-2017

    Neben den Systemen Tjulpan und Pion stehen im Dienst der russischen Armee mehrere Artilleriesysteme mit unterschiedlichem Kaliber, von 82-mm-Bataillon-Minenwerfern bis 152-mm-Haubitzen 2S19M2 Msta-S. Bis 2020 sollen erste Lieferungen der neuen Selbstfahrlafetten Koalizija-SW beginnen, die Geschosse mit GLONASS-System tragen kann.

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    Rüstungsindustrie, Kanone, Modernisierung, Atomwaffen, Russland