23:04 20 November 2018
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    Kriegsschiffe der russischen Marine

    „Todesbiss“ für Flugzeugträger: Warum Russlands Karakurt-Korvetten so gefährlich sind

    © Foto: Verteidigungsministerum Russlands
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    Die Geschwindigkeit eines Zerstörers, die Größe einer Korvette, die Feuerkraft eines Kreuzers und die Unsichtbarkeit eines U-Boots: Am Freitag ist in St. Petersburg feierlich die neuste russische Raketenkorvette „Taifun“ des Projektes 22800 „Karakurt“ vom Stapel gelaufen. Sputnik erklärt, warum der Schlag einer „Karakurt“ so tödlich sein kann.

    Die neuen Korvetten der russischen Marine „Uragan“ und „Taifun“ der „Karakurt“-Klasse sind Nachfolgemodelle der kleinen Raketenschiffe des Projektes 21631 „Bujan M“, die seit längerer Zeit in der Ostsee und im Kaspischen Meer im Einsatz sind.

    Die offiziell gestellte Aufgabe für diese leichten Korvetten ist der Schutz der Küstenlinie sowie der nahen Seehoheitszone. Allerdings haben die Schiffe der „Bujan“-Klasse bereits mehrfach bewiesen, dass sie zu deutlich mehr fähig sind.

    Die neuste leichte Korvette Taifun der Karakurt-Klasse läuft in St. Petersburg vom Stapel
    © RIA Novosti . Alexandr Galperin
    Die neuste leichte Korvette "Taifun" der "Karakurt"-Klasse läuft in St. Petersburg vom Stapel

    So waren es beispielsweise gerade drei „Bujan“-Kriegskorvetten, die direkt aus dem Kaspischen Meer Positionen der IS-Terrormiliz in Syrien mit Kalibr-Marschflugkörpern beschossen haben.

    Dieses „Debüt“ der Schiffe außerhalb der eigenen Gewässer blieb nicht unbemerkt. Die Nato musste zugeben: Die Flotte der kleinen russischen Korvetten könnte zu einer Gefahr selbst für die größten Kriegsschiffe des Westens werden.

    Dennoch, auch einige Schwächen der „Bujan“-Klasse konnten aufgedeckt werden.

    So sind die Schiffe zwar ideal dazu geeignet, in der Nähe der eigenen Küste unter dem Schutzschild einer landbasierten Luftabwehreinheit zu operieren, aber die eigene Raketenabwehr der Korvetten ist relativ schwach. Damit werden weitreichendere Operationen schwierig.

    Weiterhin sind die Schiffe etwas zu klein, um bei jedem Wetter auf hoher See zu agieren.

    Bei stärkeren Stürmen wäre ihr Einsatzpotential eingeschränkt.

    Schließlich sind sie relativ schwach für einen dauerhaften autonomen Einsatz gerüstet.

    Ohne Versorgungsschiffe könnten sie etwa zehn Tage unterwegs sein.

    Die neuen Kriegskorvetten der „Kurakurt“-Klasse lösen all die Probleme.

    Bei noch kleineren Abmessungen können die Schiffe nun 15 Tage auch auf hoher See problemlos operieren.

    Durch die neuen Stealth-Technologien in ihrem Rumpfbau, kombiniert mit den kleinen Abmessungen, werden die tödlichen Korvetten nahezu unsichtbar für gegnerische Radare und verwandeln sich in extrem schwierige Ziele selbst für hochentwickelte westliche Anti-Schiffsraketen.

    Gleichzeitig wurde der eigene Luftabwehrschild der Korvetten deutlich gestärkt. Sie sind mit verschiedenen Raketenabwehrsystemen ausgerüstet, unter anderem dem „Panzir-M“, das im Prinzip die Seevariante des bekannten landbasierten „Panzir-S1“-Systems ist.

    Mit diesem System können die Schiffe eigenständig mit Flak-Geschossen und Raketen mehrere anfliegende Ziele gleichzeitig in einer Entfernung von 20 Kilometern bekämpfen.

    Angriffspotential

    Der größte Vorteil der neuen Korvetten sind aber ihre Angriffssysteme.

    Jede Korvette besitzt acht Startschächte für Anti-Schiffsraketen „Onix“ oder universale Marschflugkörper „Kalibr“ gegen Landziele.

    Damit kann sich kein feindliches Schiff in einem Radius von 500 Kilometern um die „Karakurt“ sicher fühlen – egal ob es sich um eine gegnerische Korvette oder gleich einen ganzen Flugzeugträger handelt.

    Ein landbasiertes Ziel kann das neue leichte Raketenschiff gar in einer Entfernung von 2500 Kilometern erreichen.

    Zwar wäre die Korvette direkt nach dem Abschuss seiner Raketen für den Gegner sichtbar, doch dank ihrer Wendigkeit und Geschwindigkeit von 30 Knoten könnte sie auch in kürzester Zeit das Abschussgebiet wieder verlassen.

    „Hit and Run“

    Und genau diese Eigenschaft könnte die neuen Korvetten zu einer gefürchteten Waffe auf See machen. Ein kleinerer „Schwarm“ der „Karakurt“-Schiffe könnte durch seine Schnelligkeit und Unsichtbarkeit schnell in Schussweite kommen, salvenartig die Marschflugkörper oder Anti-Schiffsraketen abschießen und gleich wieder das Kampfgebiet verlassen.

    Der Westen hat dieser Strategie die Bezeichnung „Hit and Run“ verliehen: Also „Schlag zu und Renne“. Der Schlag wäre dabei extrem spürbar für jeden Gegner. Eine Gruppe von nur drei Korvetten steht einem schweren Kriegsschiff mit seiner gesamten Feuerkraft in nichts nach.

    Zum Vergleich: Ein amerikanischer Kreuzer der Ticonderoga-Klasse (Tonnage: 9800 Tonnen) trägt 26 Tomahawk-Marschflugkörper und kann Ziele in einer Entfernung von bis zu 2.500 Kilometern angreifen. Drei russische Korvetten der Klasse „Karakurt“ (Tonnage: je 800 Tonnen) tragen zusammen 24 Kalibr-Marschflugkörper und können Ziele in einer ähnlichen Entfernung attackieren. Damit ist die Feuerkraft in etwa identisch.

    Allerdings: Der Bau einer US-Ticonderoga kostet eine Milliarde Dollar. Für das gleiche Geld können gleich 30 „Karakurt“-Korvetten gebaut werden.

    Ein solcher „Schwarm“ könnte bei günstiger Lage einen ganzen Flugzeugträgerverband „zerlegen“.

    Nun erwartet das russische Verteidigungsministerium, dass die neuen kleinen „Killer-Korvetten“ im nächsten Jahr zunächst in der Ostsee ihren Dienst aufnehmen werden. Innerhalb weniger Jahre sollen danach 18 „Karakurt“-Schiffe an die russische Marine ausgeliefert werden.

    Einen eigenen kleineren „Schwarm“ wird dann jeder der russischen Flottenverbände bekommen – und damit Moskaus Präsenz auf den Weltmeeren weiter ausbauen.

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    Tags:
    Kalibr-Rakete, Russische Marine, Russland