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20:14 23 Juli 2019
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    Taucher (Symbolbild)

    „Der Organismus wehrt sich“: Russlands Sci-Fi-Projekt und seine Schwierigkeiten

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    Die bei einem Tierversuch in Moskau demonstrierte Flüssigkeitsatmung könnte tatsächlich bei Untersee-Missionen helfen, hat aber auch ihre Schwierigkeiten, wie ein Branchenexperte erläutert. Er hält eine breitere Anwendung in medizinischen Einrichtungen für möglich.

    Die russische Onlinezeitung vz.ru schreibt: „Die Flüssigkeitsatmung wurde längst zu einer fixen Idee bei Forschern aus aller Welt. Das Gerät des ‚Amphibienmenschen‘ wäre fähig, Taucher und U-Boots-Leute zu retten und künftig auch bei langen Weltraumflügen Anwendung zu finden. In den 1970er und 1980er Jahren hatte es Forschungsprojekte in der Sowjetunion und in den USA gegeben. Tierversuche wurden angestellt. Es gelang jedoch nicht, große Erfolge zu erzielen.“

    Professor Tengis Borissow, einst Chef des für besondere Untersee-Arbeiten zuständigen Komitees bei der russischen Regierung, erläuterte für vz.ru: „Wenn diese Flüssigkeit in die Lungen eines Menschen eingeflößt wird, springt der Selbsterhaltungstrieb automatisch an. Die Spasmen drosseln den Hals ab, der Organismus wehrt sich mit aller Kraft. Gewöhnlich wird dies unter ärztlicher Beobachtung getan. Es gab meistens Tier- und nur einzelne Menschenversuche.“

    „In der Regel wird eine spezielle Röhre in die Kehle eingeführt. Damit werden die Lungen mit dieser Flüssigkeit langsam gefüllt. Dabei wehrt sich der Organismus auf jede Art und Weise – nötig sind Medikamente, die die Spasmen blockieren, sowie Anästhetika. Bei weitem nicht alles ist so einfach, wie soeben vorgestellt wurde. Der arme Hund“, sagte Borissow im Hinblick auf die jüngste Demonstration in einem russischen Labor.

    Am Dienstag war ein Projekt des staatlichen Fonds für zukunftsorientierte Forschungen vorgestellt worden. Im Laufe des Versuchs wurde ein Hund in einen Behälter mit spezieller Flüssigkeit gebracht – und konnte dort atmen. Laut Projektleiter Fjodor Arsenjew soll die Entwicklung unter anderem dabei helfen, Besatzungen havarierter U-Boote zu retten.

    Borissow kommentierte nun weiter: „Wenn jemand aus dem U-Boot damit an die Oberfläche steigt, wird er zwar die Dekompressionskrankheit tatsächlich vermeiden. Die U-Boots-Leute werden aber jedenfalls nicht in der Lage sein, sich selbständig zu retten. Erstens braucht man äußerst fachkundige Menschen im U-Boot. Zweitens soll ein, grob gesprochen, Reanimationsteam oben warten, um diese Flüssigkeit aus dem Geretteten abzupumpen und ihn auf gewöhnliche Weise atmen zu lassen.“ 

    „Ich denke, in Sachen Medizin wäre es viel leichter, diese Technologie zu implementieren und beim stationären Aufenthalt einzusetzen, wo Fachleute und viele erforderliche Ausrüstungen zur Verfügung stehen“, so Borissow.

    Wie ein Sprecher des Fonds für zukunftsorientierte Forschungen zuvor gegenüber Sputnik mitgeteilt hatte, sollen die Forschungsergebnisse breite Anwendung im Medizinbereich finden – insbesondere bei der Behandlung verschiedener Luftkrankheiten und Lungenschäden, darunter bei Neugeborenen.

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    Experiment, Innovationen, Crew, Rettung, U-Boot, Roskosmos, Russland