12:47 25 April 2018
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    Japanischer Bomber D3A Val aus den Zeiten des Zweiten Weltkriegs bei einer Airschow (Archivbild)

    Kein Kinderspiel: Die schwersten in Kriegen eingesetzten Fliegerbomben – Überblick

    © Foto: U.S. Air Force/ Staff Sgt. Jodi Martinez
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    Tallboy, Grand Slam, Daisy Cutter – das ist keineswegs die vollständige Liste überschwerer Fliegerbomben, die in Kriegen zum Einsatz kamen. Selbst meterdicke unterirdische Bunker, Eisenbetondächer von Rüstungsbetrieben und Panzerdecks waren gegen sie schutzlos. Sputnik zeigt die schwersten Fliegerbomben aller Zeiten und Völker in einem Überblick.

    UdSSR – 9400 Kilogramm

    In den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges (1941-1945) war die fünf Tonnen wiegende FAB-5000NG die mächtigste sowjetische Fliegerbombe. Sie war mit 3.200 Kilogramm besonders sprengkraftstarkem Sprengstoff gefüllt, bestehend aus Trinitrotoluol (TNT), Hexogen und Aluminiumpulver.

    Ursprünglich sollte diese Bomben mittels eines unbemannten und per Funk gesteuerten Kamikaze-Flugapparats, erbaut auf der Basis des Bombers TB-3, zum Zielort gebracht werden. Später verwarf man dieses Konzept. Das einzige Flugzeug, das diese Bombe an Bord nehmen konnte, war der Bomber Petljakow Pe-8. Aber auch nur in dem Fall, wenn die Maschine mit offener Luke startete, da die große Bombe nicht in die Bombenluke passte.

    Es ist bekannt, dass diese Riesenbombe von der sowjetischen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg auf Königsberg und Helsinki abgeworfen wurde. Während der Schlacht am Kursker Bogen kam sie bei Schlägen gegen Verkehrsknotenpunkte und Truppenansammlungen der deutschen Wehrmacht zum Einsatz.

    Fliegerbombe FAB-9000 M54 im Museum für Kampfflugzeuge auf den Flugplatz „Djagilewo“
    © Sputnik / Alexey Kudenko
    Fliegerbombe FAB-9000 M54 im Museum für Kampfflugzeuge auf den Flugplatz „Djagilewo“

    Die schwerste jemals auf einen Gegner abgeworfene sowjetische Bombe ist die FAB-9000 M54 gewesen. Ihre Masse betrug 9407 Kilogramm. Diese Bomben kamen während des Afghanistan-Krieges zum Einsatz, allein in drei Monaten des Jahres 1988 hatten strategische Fernbomber Tupolew Tu-16 insgesamt 289 solche Bomben auf Stellungen der Modschaheddin abgeworfen. Unter Gebirgsbedingungen erwies sich ihr Einsatz jedoch als nicht sehr effektiv. Dickwandige Bomben kleineren Kalibers fügten dem Gegner einen größeren Schaden zu als die monströsen FAB-9000-Bomben.

    USA — 9500 Kilogramm

    Die amerikanische Luftwaffe hat während des Vietnam-Krieges aktiv superschwere Bomben eingesetzt. Die schwerste darunter wurde die BLU-82 Daisy Cutter (engl. „Gänseblümchenschneider) mit einer Masse von 6800 Kilogramm.  Ihr ungewöhnlicher Name widerspiegelt ihren Zweck: Ursprünglich sollten damit im Dschungel Landezonen für Hubschraubern geschaffen werden. Später wurde die BLU-82 auch zur Vernichtung von gegnerischen Truppenansammlungen eingesetzt. Diese Bombe wurde allerdings nicht von einem Bomber abgeworfen, sondern von einem Transportflugzeug C-130 Herkules, das für den Abwurf seiner todbringenden Last die untere Heckluke nutzte.

    BLU-82 Daisy Cutter
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    BLU-82 Daisy Cutter

    Der zweite Krieg für die „Gänseblümchenschneider“ wurde die „Operation Wüstensturm“ im Jahr 1991 zu Befreiung des Öl-Emirats Kuwait von irakischer Besatzung. Amerikanische Piloten warfen damals elf BLU-82B-Bomben auf die irakischen Truppen ab. Mit dem Einsatz der BLU-82B im Nahen Osten ist ein kurioser Vorfall verbunden. Kämpfer der britischen Spezialeinheit SAS, die die nächtliche Bombardierung beobachteten, nahmen die Detonation einer BLU-82B als einen Atomschlag wahr, was sie sofort ihrem Stab meldeten. Der letzte Kampfeinsatz einer solchen Bombe wurde die Operation in Afghanistan. Die BLU-82 wurde vor allen zur Zerstörung von unterirdischen und Höhlen-Befestigungen der Taliban eingesetzt. Ihre Detonation besaß laut den Amerikanern auch eine starke demoralisierende Wirkung.

    Fliegerlenkbombe GBU-43/B
    Fliegerlenkbombe GBU-43/B

    Im April 2017 hatten die USA in Afghanistan die 9,5 Tonnen schwere Bombe GBU-43/B eingesetzt, die die Amerikaner „Mutter aller Bomben“ tauften, da sie die sprengkraftstärkste Fliegerbombe im Arsenal der Streitkräfte des Landes ist. Laut dem Pentagon hat diese Bombe einen Tunnelkomplex der Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS, auch Daesh) in der Provinz Nangarhar zerstört, wobei 90 Kämpfer unter den Trümmern begraben wurden.

    Atombombe Fat Man auf einem Transportwagen kurz vor dem Beladen des Bombers (Archivbild)
    Atombombe Fat Man auf einem Transportwagen kurz vor dem Beladen des Bombers (Archivbild)

    Die sprengkraftstärksten der in einem Krieg eingesetzten amerikanischen Bomben wurden die 1945 auf Japan abgeworfenen beiden Atombomben Little Boy (engl. für „kleiner Junge“) und Fat Man („dicker Mann“). Ihrem Gewicht nach waren sie nicht die größten – die „Fat Man“ wog 4.600 Kilogramm, die „Little Boy“ – 4000 Kilogramm.

    Großbritannien – 9980 Kilogramm

    Im Zweiten Weltkrieg waren die Briten zweifellos die „Gurus“ im Bau superschwerer Bomben. Sie schufen mehrere Typen so genannter seismischer Bomben. Ihr „Vater“ war der britische Wissenschaftler und Erfinder Barnes Wallace. Eine solche schwere Bombe wurde aus großer Höhe abgeworfen, wobei sie an der Erdoberfläche bereits Überschallgeschwindigkeit erreichte und deshalb tief in die Erde eindringen konnte. Bei ihrer Detonation entstand eine Druckwelle, die unterirdische Objekte und die dort befindlichen Kräfte des Gegners vernichtete.

    Bombe Tallboy
    Bombe Tallboy

    Die in größter Zahl hergestellte seismische Bombe wurde die 5443 Kilogramm schwere Tallboy (engl. für „großer Junge“). In den Jahren 1944 und 1945 wurden 800 Bomben dieses Typs gebaut, doch nicht alle wurden als seismische Bomben eingesetzt. Auf ihr Konto kommen die Zerstörung des Flaggschiffs von Hitlers Kriegsmarine „Tirpitz“, erfolgreiche Angriffe auf die nazistischen Betriebe zur Herstellung der ballistischen Raketen „V-2“ sowie die Zerstörung des Eisenbahntunnels im französischen Saumur.

    Bombe Grand Slam auf Flugplatz der Royal Air Force
    © AP Photo /
    Bombe Grand Slam auf Flugplatz der Royal Air Force

    Die schwerste Fliegerbombe, die jemals in Kriegen zum Einsatz kam, ist die britische Grand Slam (engl. für „großer Schlag“). Bei einer Länge von 7,7 Metern wog sie 9980 Kilogramm. Die Briten haben insgesamt 40 Stück hergestellt. Bei den Bombentests bildete sich ein neun Meter tiefer und 38 Meter breiter Trichter. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs wurden mithilfe von Grand Slam der deutsche U-Boot-Stützpunkt in Farge (an der Weser), Eisenbahnviadukte und mehrere Befehlsstellen der Wehrmacht zerstört.

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    Tags:
    Vergleich, Liste, Fliegerbombe, Nazi-Deutschland, GBU-43, Der Zweite Weltkrieg, Terrormiliz Daesh, Drittes Reich, Afghanistan, Sowjetunion, Großbritannien, USA
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