00:47 21 November 2018
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    Russische Korvette Bojkij mit einem Seehubschrauber Ka-27

    Zwei Konzepte zur Auswahl: Hubschrauberträger für Russland

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    Russland entscheidet, welches Konzept als Vorlage dienen soll, um eigene Hubschrauberträger zu bauen. Über die möglichen Optionen sowie über die Vorgeschichte berichtet die Zeitung „Iswestija“.

    Wie die Zeitung in ihrer Onlineausgabe schreibt, war die sowjetische Marineführung noch in den 1980er Jahren zum Schluss gelangt, dass Landungsschiffe mit Hubschraubern notwendig wären, um bei Bedarf Missionen in abgelegenen Gebieten durchzuführen. Ein solches Schiff wurde im Rahmen des Projekts 11780 konzipiert. Es wurde scherzhaft als „Iwan Tarawa“ bezeichnet – wegen seiner Ähnlichkeit mit der Tarawa-Klasse der US-Navy. Die Parameter des Projekts 11780 ermöglichten auch den Einsatz als Kommandoschiff sowie zur U-Boot-Jagd.

    US-Hubschrauberträger der Tarnawa-Klasse mit Wandelflugzeugen MV-22 Osprey
    US-Hubschrauberträger der Tarnawa-Klasse mit Wandelflugzeugen MV-22 Osprey

    Das Projekt platzte jedoch dem Bericht zufolge wegen des Zerfalls der Sowjetunion: „Die russische Kriegsflotte musste für eine lange Zeit auf ihre Präsenz in abgelegenen Meeresgebieten verzichten.“

    Erst gegen Mitte der 2000er Jahre begann sich die Situation zu ändern – dank des russischen Wirtschaftswachstums. Ein internationaler Wettbewerb wurde ausgeschrieben. Die russische Führung nahm unter anderem das südkoreanische Schiffsprojekt Dokdo und die niederländische Rotterdam-Klasse ins Visier. „Doch die politische Konjunktur sicherte dem französischen Projekt Mistral den Sieg“, stellt die Zeitung fest.

    „Das Schicksal jenes Deals ist bekannt. Die Ukraine-Krise 2014 hatte zur Folge, dass Frankreich auf die Umsetzung des Vertrags verzichtete. Die Schiffe gingen an Ägypten, das in Russland auch Ausrüstungen und Hubschrauber dafür kaufte. Rund 1,2 Milliarden Euro kamen unterdessen als Entschädigung in den russischen Haushalt zurück“, so der Bericht. 

    „Der missglückte Mistral-Kauf konnte das Interesse der russischen Militärführung an solchen Schiffen nicht reduzieren. Als klar wurde, dass Frankreich den Vertrag nicht erfüllen wird, wurde sofort die Entwicklung eigener Hubschrauberträger ins Gespräch gebracht“, schreibt die Zeitung.

    Derzeit werden in Russland nach Angaben der „Iswestija“ zwei Hubschrauberträger-Konzepte in Erwägung gezogen. Das erste sieht den Bau von Docklandungsschiffen nach dem Rotterdam-Vorbild vor. Jedes Schiff soll dabei bis zu sechs Hubschrauber sowie bis zu vier Landungsboote mitführen. Es soll in der Lage sein, eine Seelandung von mehr als 500 Marineinfanteristen samt Militärgerät zu sichern.

    Französischer Hubschrauberträger der Mistral-Klasse
    © Sputnik / Alexei Danitschev
    Französischer Hubschrauberträger der Mistral-Klasse

     

    Das zweite Konzept, so der Bericht weiter, beinhaltet den Bau größerer Schiffe mit je rund 20 Hubschraubern. Ein solches Schiff könnte eine mehr als 900 Mann starke Seelandung ermöglichen. Diese soll sowohl mit Hubschraubern als auch mit Landungsbooten erfolgen.

    Die beiden Konzepte sollen ermöglichen, die Hubschrauberträger bei Bedarf auch als Kommando- und U-Jagdschiffe einzusetzen, aber auch als schwimmende Basen für humanitäre und Rettungsmissionen. Wie die Zeitung unter Berufung auf Quellen im russischen Verteidigungsministerium berichtet, wird der Bedarf der Kriegsmarine auf mindestens vier solche Schiffe geschätzt, während die optimale Zahl sechs bis acht betragen würde. Zunächst sollen aber nur zwei Schiffe gebaut werden.

    Je nachdem, welches Konzept letztendlich umgesetzt wird, beziffert die Zeitung die Kosten des Typschiffs auf umgerechnet 440 bis 740 Millionen Euro. Der Bau soll 2020 beginnen. Im Jahr 2024 soll das Typschiff an die Marine geliefert werden, heißt es im Bericht.

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    Tags:
    Hubschrauberträger, Konzept, Entwicklung, Bau, Mistral, Niederlande, Südkorea, USA, Frankreich, Russland