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04:27 17 Oktober 2019
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    Schlachtschiff Marat (Archivbild)

    Leningrad-Blockade: Ein Schiff, das die Nazis böse überraschte

    © Sputnik / Mikhail Oserskij
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    Der Durchbruch der deutschen Leningrad-Blockade im Zweiten Weltkrieg jährt sich am Donnerstag zum 75. Mal. Während dieser Blockade setzten die sowjetischen Truppen alles daran, die Stadt zu retten. So wurde ein betagtes Schlachtschiff zu einem Albtraum für angreifende Heereseinheiten der Wehrmacht.

    Wie der russische TV-Sender Swesda berichtet, musste bei der Verteidigung Leningrads auch auf unkonventionelle Methoden gesetzt werden. Dazu zählte auch der Kampfeinsatz des Schlachtschiffs „Marat“, das noch im Ersten Weltkrieg operiert hatte. Nun konnte das Schiff mehrere Vorstöße der Hitler-Truppen vereiteln.

    Die „Marat“ verfügte über zwölf 305-mm-Geschütze, aber auch über 120-mm-Kanonen. Noch längst vor dem Nazi-Angriff auf die Sowjetunion hatte die Besatzung mit Schüssen aus großer Distanz viel geübt – auch bei Nacht und bei schlechtem Wetter. Am 9. September 1941 wurden diese Geschütze dann erstmals gegen die Wehrmacht-Truppen eingesetzt, die direkt an den Stadtrand von Leningrad vorrückten.

    Aus einer Distanz von 35 bis 40 Kilometern erreichten knapp 400 Kilogramm schwere Geschosse, so der Bericht, die an Land angreifenden Deutschen. Der russische Militärhistoriker Sergej Iwanow sagte dem Sender:

    „Eine volle Salve reichte jeweils aus, um mehrere deutsche Offensiv-Wellen zu verzögern oder sogar zu stoppen und den Gegner um einen wesentlichen Teil seiner Militärtechnik zu bringen.“ 

    Deswegen wurde das Schiff, das sich in der Newabucht befand, sofort ein vorrangiges Ziel für deutsche Flieger – mindestens 30 Flugzeuge wurden auf Mission geschickt. Innerhalb einer Woche verkraftete die „Marat“ drei Einschläge schwerer Flugzeugbomben sowie mindestens 15 Artillerie-Treffer.

    So sah ein Angriff der Luftwaffe-Sturzkampfflugzeuge Ju-87 gegen Schlachtschiffe aus (Archivaufnahme) 

    Das beschädigte Schiff brauchte eine Reparatur – diese begann am 18. September in Kronstadt. Die Arbeiten verliefen aber keineswegs ruhig. Ein deutsches Aufklärungsflugzeug sichtete die „Marat“, und es hagelte wieder Bomben.

    Es gelang den Deutschen zunächst nicht, das Schiff zu versenken. Mehrere Tage später bekamen die Flieger dann spezielle Flugzeugbomben – jede rund eine Tonne schwer. Schließlich wurde die „Marat“ durch einen solchen Treffer so schwer beschädigt, dass sie allmählich vor der Kaimauer unterging.

    Damit war der Einsatz des Schiffes aber noch nicht vorbei – einen Monat später wurde es vom Grund gehoben und das Wasser abgepumpt. Die 305-mm-Geschütze wurden zum Teil wieder in Ordnung gebracht – insgesamt neun davon kamen während der Blockade noch zum Einsatz.

    Bis zum Ende der sowjetischen Operation Iskra, die am 18. Januar 1943 auf einen Durchbruch der Leningrad-Blockade hinauslief, nahm die „Marat“ die Deutschen weiter unter Beschuss. Jener Dauereinsatz von Schiffsgeschützen gegen Heerestruppen ging, wie der Sender betont, in die Lehrbücher ein – als beeindruckendes Beispiel einer praktischen Anwendung der Militärwissenschaft.

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    Tags:
    Nazi-Deutschland, Blockade, Kriegsschiffe, Artillerie, Verteidigung, Der Zweite Weltkrieg, Wehrmacht, Leningrad, Sowjetunion, UdSSR