10:36 22 April 2018
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    Flugzeugantrieb-Produktion (Archiv)

    Was steht Hyperschall-Waffen im Weg? Konstrukteur klärt auf

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    Was bremst die Entwicklung von Hyperschallwaffen? Soll man mit hyperschallschnellen Passagierjets rechnen? Gerbert Jefremow, einst Generalkonstrukteur und Geschäftsführer des russischen Raketenherstellers NPO Mash, klärt auf.

    In einem Interview mit der Zeitung „Iswestija“ erläuterte Jefremow: „Bei Flügen in der Atmosphäre hatten Kampfjets noch vor 30 bis 40 Jahren Geschwindigkeiten von zwei bis drei Mach erzielt. Seitdem verlangsamte sich die Zunahme dieses Parameters deutlich.“

    Das nächste Ziel besteht laut Jefremow darin, Fluggeräte zu bauen, die eine Geschwindigkeit von vier bis fünf Mach erreichen könnten, und zwar bei einem atmosphärischen Dauerflug mit Marschtriebwerken. In den bereits erprobten Triebwerken gelang es, wie der Experte sagte, noch nicht, auch bei Hyperschallflügen eine beständige Verbrennung in der Brennkammer zu sichern. Deshalb sind die gegenwärtigen russischen und US-amerikanischen Hyperschall-Triebwerke experimental.

    Auf die Frage, ob eine massive Produktion von Hyperschallwaffen zu erwarten wäre, antwortete Jefremow: „Bei der Entwicklung solcher Waffen steht bevor, nicht nur einen atmosphärischen Flug in verschiedenen Höhen (also ein dauerhaftes stabiles Funktionieren von Triebwerken und einen Wärmeschutz) zu gewährleisten, sondern auch eine Vielzahl weiterer technischer Probleme zu lösen.“

    Es gehe etwa darum, das Fluggerät zu lenken, eine Funkverbindung trotz Störungen durch Plasma zu sichern, eine Ortung durch gegnerische Radare zu erschweren und eine gewisse Manöverfähigkeit zu erzielen: „Für die Waffen sind all diese Fragen äußerst wichtig. An ihrer Lösung arbeiten Fachleute in vielen Ländern.“

    „Doch eine massenhafte Entstehung hyperschallschneller (besonders strategischer) Waffen ist aus meiner Sicht kaum zu erwarten. Operativ-taktische Hyperschallwaffen könnten zwar in einiger Zeit zustande kommen, aber effiziente Raketenabwehr-Mittel zu ihrer Bekämpfung könnten ebenso gut entstehen“, so Jefremow.

    In Bezug auf eine mögliche Anwendung im Zivilbereich sagte er: „Bei der Entwicklung und beim Betrieb von Passagierjets der Typen Concorde und Tu-144 wurden einige Erfahrungen gesammelt. Diese Typen-Linien bekamen keine Fortsetzung – auch aus wirtschaftlichen Gründen. Meiner Meinung nach wäre eine andere Richtung interessant.“

    Jefremow konkretisierte:

    „Ein europäisches Projekt wurde vor einigen Jahren bei einer Ausstellung in Le Bourget präsentiert. Es handelte sich um ein Flugzeug, das mit herkömmlichen Turbinen-Strahltriebwerken startete und landete, in der Höhe aber Staustrahltriebwerke benutzte, um auf Überschallgeschwindigkeit zu beschleunigen. Die Maschine hat also kein einheitliches kombiniertes Triebwerk, sondern Vorrichtungen von zwei Typen. Sie erreicht eine Höhe von 30 bis 35 Kilometern und fliegt dort mit einer Geschwindigkeit von rund vier Mach.“

    „Um solche Flugzeuge und Triebwerke zu bauen, braucht man natürlich moderne Werkstoffe, insbesondere carbonfaserverstärkte Kunststoffe. Nötig wäre ein entsprechender Wärmeschutz, aber auch eine sichere Treibstoff-Zuführung ins Triebwerk in einer großen Höhe. Lösungen für diese Probleme werden schon vorbereitet“, sagte der Interviewte.

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    Tags:
    Hyperschallwaffen, Experte, Störung, Produktion, Flugzeug, USA, Russland
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