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22:18 16 Juli 2019
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    US-amerikanische Drohne MQ-1 Predator (Archiv)

    Summender Todbringer: Wie und womit man Drohnen abschießen kann

    © Foto: U.S. Air Force photo/Lt Col Leslie Pratt
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    Die Menschheit macht sich erst seit kurzem Gedanken über die Schaffung effektiver Mittel zur Bekämpfung der von Drohnen ausgehenden Bedrohung. In diesem Artikel von Wadim Saranow erfahren Sie mehr darüber, welche Systeme zur Drohnen-Bekämpfung bereits entwickelt wurden und welche in Zukunft eine Rolle spielen könnten.

    Abfangdrohnen, Laser, Mikrowellenkanonen, funkelektronische Gewehre – Konstrukteure auf der ganzen Welt haben aktiv mit der Entwicklung von Mitteln zur Bekämpfung von Drohnen begonnen. Wie die jüngsten Ereignisse in Syrien zeigten, können Drohnen demnächst als Hauptwaffe der Terroristen dienen.

    Funkelektronische Bekämpfungsmittel: billig und effektiv

    Der amerikanische Drohnen-Experte Samuel Bendett rief in einem Interview mit der Zeitung „The National Interest“ Washington dazu auf, die russischen Erfahrungen zu nutzen. Dem Experten zufolge sind funkelektronische Bekämpfungsmittel, die Russland bei der Verteidigung seiner Militärobjekte in Syrien nutzt, eine effektive und billige Methode zum Schutz vor Drohnen von Terroristen.

    Das russische Verteidigungsministerium legt keine Informationen offen, welche funkelektronischen Bekämpfungsmittel in Syrien genau eingesetzt wurden. Allerdings ist bekannt, dass eine Drohne mit einer ganzen Palette von funkelektronischen Bekämpfungsmitteln neutralisiert werden kann. Es geht unter anderem um die Störung der GPS-Signale, nach denen Drohnen in Syrien auf ihre Ziele gelenkt wurden. Anlagen dafür werden in Russland seit mehr als zehn Jahren hergestellt.

    Zu den auffallendsten Bekämpfungsmitteln dieses Typs gehört der Komplex Schipownik-Aero. Neben der Störung von Satellitennavigationssignalen kann dieses auf KAMAZ-Fahrwerken verbaute Gerät Signale zur Steuerung von Drohnen unterdrücken und bei Bedarf sogar die Steuerungsbefehle korrigieren. 2016 wurde mitgeteilt, dass das System auf Übungsplätzen des Verteidigungsministeriums getestet wird.

    Einer der Drohnen, der beim Angriff in Syrien genutzt wurde (Archiv)
    © AP Photo / Pavel Golovkin
    Einer der Drohnen, der beim Angriff in Syrien genutzt wurde (Archiv)

    Zu den radikalsten Methoden der funkelektronischen Bekämpfung der Drohnen gehört die Unterdrückung der elektronischen Bordanlagen mit leistungsstarker Mikrowellenstrahlung, die elektronische Platten buchstäblich ausbrennt. Die Staatskorporation Rostec berichtete 2015 über erfolgreiche Tests von Anlagen für Flugabwehrsysteme dieses Typs mit einer Reichweite von mehr als zehn Kilometern. Es ist nicht ausgeschlossen, dass solche Mikrowellenkanonen auch in Syrien eingesetzt wurden, wo dieser Tage Dutzende neue Waffen geprüft werden.

    „Eine neue Tendenz auf dem Markt ist das Auftauchen mobiler Systeme der funkelektronischen Bekämpfung, der sogenannten Anti-Drohnen-Gewehre“, sagte der Drohnenexperte Denis Fedutinow. „Die Arbeiten in dieser Richtung erfolgen in verschiedenen Ländern der Welt, auch in Russland. Auf der Armeemesse 2017 wurden drei solche russische Systeme präsentiert – ‚Saslon‘ vom Konstruktionsbüro ‚Aerostat‘, ‚Stupor‘ von der Firma ‚Lokazionnaja Masterskaja‘ und REX 1 von der Firma ZALA des Kalaschnikow-Konzerns“, sagte der Experte.

    Das Gewehr REX 1 kann den Entwicklern zufolge neben der Aufstellung von Störungen auch Signale der Satellitennavigation unterdrücken. Allerdings würden solche kleinen Mittel kaum bei einem massiven Angriff von Kampfdrohnen helfen. Der Wirkungsbereich solcher Gewehre ist auf die direkte Sichtweite des Ziels beschränkt. Ein weiterer Nachteil ist die geringe Geschwindigkeit. Die Bekämpfung einer Drohne auf diesem Wege kann einige Minuten in Anspruch nehmen. Allerdings erörterte das Pentagon 2016 die mögliche Bewaffnung seiner Soldaten im Irak mit Gewehren des Typs „Drone Defender“ von Battelle aus US-Produktion.

    Anti-Drohnen-Waffe des Kalaschnikow-Konzerns (Archiv)
    © Sputnik / Michail Woskresenski
    Anti-Drohnen-Waffe des Kalaschnikow-Konzerns (Archiv)

    „Ein ernsthaftes System dieses Typs, das ebenfalls in Russland entwickelt wurde, ist ‚Kupol‘“, sagte Fedutinow. Dieses System gewährleistet Entwicklern zufolge Tag und Nacht und unter jeglichen Wetterverhältnissen die Ortung, Klassifikation und radioelektronische Bekämpfung der Verbindungskanäle von Drohnen.

    Laser und Abfang-Falken

    Weltweit werden aktiv Mittel entwickelt, die Drohnen mit kinetischer Wirkung vernichten können. So schlägt der Rüstungskonzern Almas-Antej vor, Drohnen mit Mehrlade-Lotbüchsen und Drohnen-Jägern abzuschießen. Wie es im Konzern hieß, wurden solche Waffen 2017 erfolgreich getestet.

    In den USA werden für den Kampf gegen Drohnen Spitzentechnologien genutzt. Im September 2017 wurden auf dem Gelände White Sands im Bundesstaat New Mexico von einer Laseranlage ATHENA fünf Drohnen abgeschossen. Die Kapazität der Laseranlage machte nur 30 Kilowatt aus. Solche kleinen Laseranlagen werden auch in China getestet.

    Unter den Anti-Drohnen-Waffen sind auch exotische Modelle zu finden. So wurden bereits Systeme ausprobiert, die kleine Drohnen mit Netzen abfangen. Die Fallen schleppen entweder die Drohnen, oder es werden Netze aus speziellen Anlagen abgefeuert. Die wohl ungewöhnlichste Methode wurde vor kurzem in den Niederlanden getestet: Dort beteiligten sich Vögel an der Drohnenbekämpfung – Falken fingen erfolgreich Quadrocopter ab und brachten sie dann zum Stützpunkt.

    „Zusammen mit der Vervollkommnung der Drohnen und ihrer Verwendungstaktik werden auch die Mittel zu ihrer Bekämpfung vervollkommnet“, meint Fedutinow. „Anscheinend werden zunächst die bereits vorhandenen Mittel genutzt, deren Möglichkeiten von russischen Militärs bereits erfolgreich bei der Abwehr des Drohnenangriffs auf den Stützpunkt Hmeimim genutzt wurden. Doch allmählich werden neue Systeme entstehen, die integrierte Ortungsanlagen, die im sichtbaren und Wärmebereich arbeiten, passive und aktive Radaranlagen und sogar akustische Sensoren umfassen.“

    Kurzstrecken-Luftabwehrkomplex Tor-M2DT in arktischer Ausführung (Archiv)
    © Foto : Pressedienst des Verteidigungsministeriums Russlands
    Maßnahmen zur Bekämpfung von Drohnen werden nicht nur auf der technologischen, sondern auch auf der Gesetzesebene getroffen. In den USA müssen seit kurzem alle Drohnen mit dem Gewicht von 0.55 bis 55 Pfund registriert werden. Ähnliche Normen gibt es auch in Russland – seit Juli 2017 müssen alle Geräte mit einem Gewicht von mehr als 0,25 kg registriert werden. Allerdings ist dieses Verfahren noch nicht festgeschrieben. Experten zufolge würden allein Einschränkungsmaßnahmen die Terrorgefahr kaum minimieren.

    „In der Welt entwickeln sich zahlreiche Technologien, die sowohl für gute, als auch für böse Ziele angewendet werden können“, sagte der Generaldirektor der Assoziation für Betreiber und Entwickler von Drohnen, Gleb Babinzew. Deswegen sei es absolut falsch, vom Verbot oder der strikten Einschränkung des Drohneneinsatzes als von einer effektiven Methode zum Schutz vor dieser Bedrohung zu sprechen.

    Jede Blockierung werde dazu führen, dass der ohnehin zurückbleibende russische Drohnenmarkt einfriert, Kinder aus Workshops aussteigen und Ingenieure verloren gehen. Die Terroristen aber werden auf die Implementierung neuer Technologien nicht verzichten. Jetzt sei es wichtig, sich auf den Schutz der Objekte zu konzentrieren, Technologien aufmerksam zu verfolgen und sich über eine effektive Bekämpfung Gedanken zu machen.

    Experten sind sich darin einig, dass jede Strategie zur Bekämpfung des Drohnenterrors nicht einseitig, sondern umfassend sein und alle Aspekte dieses Problems berücksichtigen soll. Andernfalls gingen die dafür ausgegebenen Finanzmittel einfach verloren.

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    Tags:
    Technologien, Strategie, Bekämpfung, Drohnen, Fla-Raketensysteme, Waffen, Hmeimim, Syrien, USA, Russland