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22:17 22 Juli 2019
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    Der sowjetische überschallschnelle Passagierjet Tu-144 (Archivbild)

    Ziviler Überschall ist wieder ein Thema: „Russland braucht längst einen solchen Jet“

    © Sputnik / Lew Polikaschin
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    Russland baut nicht nur Kampfjets auf Weltniveau, sondern wäre auch in der Lage, ein ziviles Überschall-Projekt zu meistern, wie ein Experte prognostiziert. Einst hatte die Sowjetunion überschallschnelle Passagierjets gebaut und eingesetzt, wenn auch nur kurzzeitig. Nun plädiert Präsident Wladimir Putin für ein neues Programm in diesem Bereich.

    Der russische Militärexperte Viktor Baranez sagte gegenüber Sputnik: „Russland braucht längst einen solchen Jet. Ich würde ihn sogar bildhaft als gegenwärtigen russischen Luftfahrt-Traum bezeichnen. Denn der gigantische Luftraum, den unsere Mitbürger überqueren müssen, erfordert natürlich eine besondere Geschwindigkeit. In der gegenwärtigen dynamischen Welt sind solche Maschinen notwendig – und es wird sie unbedingt geben.“

    „Nun hat Putin faktisch grünes Licht für diese Idee gegeben“, so Baranez. Der russische Präsident hatte in der vergangenen Woche den Schauflug eines modernisierten überschallschnellen Tu-160-Bombers beobachtet und vorgeschlagen, auch an einem zivilen Überschall-Jet zu tüfteln.

    Baranez kommentierte nun weiter: „Geld werden wir finden, denke ich, und Köpfchen hatten wir immer. Trotz aller dramatischen Kapitel in unserem Flugzeugbau und trotz der Tatsache, dass wir in den 1990er Jahren viele Positionen verloren haben, steigt Russland ausgerechnet jetzt auf. Wir stellen derzeit den T-50-Kampfjet her, der im Westen als weltbester akzeptiert wird. Wir hatten auch Passagierjets gebaut, die mit den westlichen Pendants rivalisierten, nicht wahr?“

    Tatsächlich hatte die Sowjetunion einst als Erste einen Überschall-Passagierjet zustande gebracht. Dessen Erstflug fand am 31. Dezember 1968 stand. Für die sowjetische Flugzeugindustrie war die Maschine äußerst innovativ, wie die Zeitung „Iswestija“ in ihrer Onlineausgabe betont.

    Die Zeitung weist darauf hin, dass die Sowjetunion jenen Jet des Typs Tu-144 exportieren wollte. Exporte blieben jedoch aus – zumal eine Maschine im Juni 1973 bei einem Schauflug nahe Paris abstürzte.

    „Es blieb nichts anderes übrig, als eine Nische in der UdSSR für den Jet zu suchen. Laut Anforderungsliste hätte er für Nonstopflüge von Moskau nach Chabarowsk geeignet sein sollen – doch selbst mit neuen Triebwerken (in der Version Tu-144D) konnte die Maschine nur mit einer minimalen Auslastung einen solchen Flug meistern“, so der Bericht.

    Schließlich kursierte die überschallschnelle Tu-144 eine Zeitlang zwischen Moskau und Alma-Ata (heute Almaty). Das Ticket war dabei um ein Drittel teurer im Vergleich zu dem für einen herkömmlichen Passagierflug. Der Betrieb dauerte von November 1977 bis Mai 1978. „Die Fluggesellschaft Aeroflot versuchte mit aller Kraft, den teuren und launischen Jet loszuwerden, der ihren Anforderungen nicht völlig entsprach“, stellt die Zeitung fest. Im Jahr 1983 wurde das Tu-144-Programm endgültig eingestellt.

    Jene Probleme berücksichtigt Putin auch. Er sagte: „Die Tu-144-Produktion wurde gestoppt, denn das Ticket musste damals dem Durchschnittslohn im Land irgendwie entsprechen. Nun ist die Situation anders. Mittlerweile gibt es große Gesellschaften, die einen solchen Jet nutzen könnten.“

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    Tags:
    Zivilluftfahrt, Überschallflugzeug, Tu-144, Tu-160, Viktor Baranez, Wladimir Putin, Sowjetunion, Russland