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12:35 19 September 2019
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    Il-78 russischer Luftwaffe imitiert Luftbetankung (Archivbild)

    „Virtuelles Crewmitglied“ soll Luftbetankung russischer Kampfjets vereinfachen

    CC BY-SA 2.0 / Aleksander Markin / "Refueling in air"
    Technik
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    Einem Zeitungsbericht zufolge soll ein in Russland entwickeltes Steuerungssystem die Luftbetankung deutlich einfacher gestalten. Ein 3D-Modell soll den Piloten während des Vorgangs helfen – und die Nerven schonen.

    Wie die Tageszeitung „Iswestija“ am Donnerstag unter Berufung auf das Luftwaffenkommando berichtet, hat das neue System zur Steuerung der Luftbetankung bereits alle Phasen der Bodenerprobung bestanden. Die nun geplanten Tests in der Luft übernimmt voraussichtlich das Tankflugzeug Il-78 in seiner neuen Version, die kürzlich ihren Erstflug absolviert hat.

    Das neue Steuerungssystem soll nach Angaben der Zeitung mehrere Dutzend Parameter kontrollieren, darunter die Ausrichtung des Tankflugzeugs und der zu betankenden Maschine, die Windgeschwindigkeit und weitere meteorologische Daten. Aufgrund dieser Informationen wird ein 3D-Modell erstellt, das die gegenseitige Annäherung der beiden Flugzeuge veranschaulicht und auf Bildschirmen im Cockpit gezeigt wird. Dabei korrigiert das System die Ausrichtung der Maschinen.

    Die Luftbetankung ist ein komplizierter und nicht ungefährlicher Vorgang, der eine hohe Qualifikation der Piloten voraussetzt. Bei einer Geschwindigkeit von 440 bis 600 km/h müssen sich die beiden Maschinen einander nähern, sodass die Distanz zwischen ihnen 26 bis 28 Meter beträgt.

    Die russische Luftwaffe bevorzugt die Methode, bei der das Tankflugzeug während der Luftbetankung einen sogenannten Fangtrichter an einem Schlauch hinter sich schleppt. Das Empfängerflugzeug muss von seinem Piloten so gesteuert werden, dass eine Sonde in diesen Trichter gelangt. Man muss aufpassen, dass die Maschinen während des Vorgangs konstant fliegen, damit der Schlauch nicht zerreißt und der Treibstoff kein Feuer fängt.

    All dies ist äußerst nervenzehrend – der Pilot kann dabei, schreibt die Zeitung, vier bis fünf Kilogramm seines Körpergewichts verlieren. Ein völlig gesunder Flieger kann manchmal einen drastisch erhöhten Puls von bis zu 220 Schlägen pro Minute bekommen.

    Der russische Flugzeug-Experte Wladimir Popow sagte dem Blatt, falls das neue Steuerungssystem Anwendung finde, werde sich die Luftbetankung einfacher gestalten: „Der Computer wird Flugdaten vom Tank- und vom Empfängerflugzeug zeitgleich erhalten, um sie dann zu vergleichen und ein Bild zu erstellen, das die Piloten bequem wahrnehmen können. (…) Man kann sagen, dass ein virtuelles Crewmitglied hinzukommt. Eine gute Automatisierung soll die Flüge sicher gestalten.“

    In der vergangenen Woche hatte das neue Tankflugzeug Il-78M-90A seinen Erstflug absolviert. Die Modifikation hat effizientere Triebwerke – und damit eine größere Reichweite und Nutzlastkapazität im Vergleich zu ihren Vorläufern.

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    Tags:
    Modernisierung, Entwicklung, Luftbetankung, Il-78M-90A, Russland