12:58 19 Dezember 2018
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    Leopard-Panzer auf einem Militärübungsplatz (Archivbild)

    „Kampfkatze aus Pappe“: Warum alte Sowjetraketen deutsche Leos in Stücke reißen

    CC BY 2.0 / 7th Army Training Command / U.S. Army/ Spc. Javon Spence
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    Dass eine Lenkrakete ein Panzerfahrzeug schon mal lahmlegen kann, sollte niemanden überraschen. Wenn aber eine alte Sowjetrakete einen türkischen Leopard 2A4 dem Erdboden gleichmacht, sollte man nachdenken, schreibt der russische Fachjournalist Andrej Koz.

    Ein kurdischer Kämpfer nimmt einen Leopard-Panzer der türkischen Armee ins Visier. Der Stahlkoloss lauert am Rande einer kleinen Siedlung im syrischen Afrin. Ein lauter Knall, eine Rakete zischt auf den Kampfpanzer los. Einschlag und der Leo löst sich buchstäblich in Rauch auf. Das ist auf einem Video zu sehen, das die kurdischen Kämpfer am vergangenen Wochenende veröffentlicht haben.

    Einzelfall? Mitnichten. Die Türkei soll in Syrien seit 2016 bereits ein Dutzend deutscher Leos verloren haben, hauptsächlich durch ältere Panzerabwehrwaffen sowjetischer Bauart, schreibt der Fachjournalist.

    Und das ist schon eine Überraschung, singen doch renommierte Fachblätter unentwegt ein Loblied auf den Leopard-2: kampfstark, agil und unverwundbar sei er. Reale Einsätze dieser Wunderwaffe des deutschen Herstellers Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) zeigen aber ein anderes Bild, so der Analyst.

    Die Bundeswehr beschafft seit kurzem die neueste Leo-Version 2A7+. Exportiert wird größtenteils die ältere Variante 2A4. Im Panzer-Rating des US-amerikanischen Fachblatts „Military Ordnance“ nimmt der Leopard-2 laut dem Journalisten traditionell den ersten Platz ein. Die leistungsstarke Kanone, das bequeme Feuerleitsystem, das kräftige Tempo von bis zu 72 Stundenkilometern und eben das hohe Schutzniveau seien seine größten Trümpfe.

    Soweit so gut. Nur haben solche Ratings eine Schwachstelle: Deren Grundlage bilden allein die technischen Angaben des Herstellers, schreibt der Autor. Daher sei diese Bewertung im Grunde reine Theorie.

    „An echten Kampfeinsätzen – von Friedensmissionen auf dem Balkan und dem Wachdienst an Nato-Stützpunkten in Afghanistan einmal abgesehen – war der Leopard-2 bis vor kurzem nicht beteiligt“, so der Fachjournalist. „Seine Feuertaufe erlebte dieser Kampfpanzer im Dezember 2016 bei der türkischen Offensive in der syrischen Provinz Aleppo. Dort machten die Leos erstmals die Bekanntschaft mit alt-sowjetischen Panzerabwehrraketen Fagot, die der IS bei der syrischen Armee erbeutet hatte, und mit den TOWs, die die US-Amerikaner an die ‚gemäßigte Opposition‘ geliefert hatten.“

    Was diese Feuertaufe ergeben hat, beschreiben Fachleute in einem Blogg: „Wiedermal ist eindrücklich gezeigt worden, dass die hochgepriesenen Leopard-2-Panzer einen fatalen Konstruktionsfehler aufweisen. Denn das Munitionsmagazin ist bei diesem Kampfpanzer im vorderen linken Teil untergebracht, wo die Seitenpanzerung recht schwach ist“, schreiben Spezialisten vom russischen Zentrum für Strategie- und Technikanalyse, die der Journalist zitiert.

    Wenn eine Lenkwaffe in diesen Teil einschlage, sei eine Explosion des Munitionsmagazins unausweichlich und der Panzer nicht mehr zu retten. Ein vernichtendes Urteil über den Leopard-2 fällt auch „Die Welt“: „IS-Kämpfer zerstören den deutschen Panzer-Mythos“ titelte die Zeitung unlängst.

    Fragwürdige Ratings

    Die Fachleute sind sich laut dem Journalisten einig, dass der türkische Leopard in Afrin von einer Fagot-Lenkrakete getroffen wurde. Entwickelt wurde diese Panzerabwehrwaffe noch in der UdSSR, in den Siebziger Jahren – Jahre vor der Indienststellung des Leos.

    Auf diese Waffe verzichten will das russische Verteidigungsministerium dennoch nicht, schreibt der Fachjournalist. Die Praxis habe gezeigt, dass damit auch die modernsten Kampfpanzer wirkungsvoll bekämpft werden können.

    „Derzeit kann kein einziger Panzer dem Seiteneinschlag einer Lenkrakete standhalten“, sagt der Militärexperte Viktor Murachowski, Chefredakteur einer russischen Waffenzeitschrift. „Außer beim russischen T-14 Armata ist das Problem mit dem Besatzungsschutz durch die Explosion des Munitionsmagazins bei keinem Panzer zufriedenstellend gelöst.“

    Von diesem Problem betroffen sind nicht nur die Crews in den deutschen Leopard-2-Panzern. Auch die US-amerikanischen Abrams sind, wie der Fachjournalist schreibt, vor den russischen Fagots nicht sicher: Seit dem Sommer 2015 sind im Internet Videos zu sehen, wie die Huthi-Rebellen im Jemen die Abrams der Saudis damit in die Luft jagen.

    Eine Notiz am Rande: In den Ratings westlicher Fachblätter nehmen die US-Kampfpanzer stabil den zweiten Platz ein, gleich nach dem deutschen Leo, schreibt der Beobachter.

    „Solche Ratings sind überaus fragwürdig“, sagt der Militäranalyst Murachowski weiter. „Was ein Panzer an Kampfeigenschaften mitbringt, wird nicht allein durch technische Parameter deutlich. Die Kampfkraft erkennt man letztlich im Kampfeinsatz. Mediale Ratings berücksichtigen das aber nicht – und können das auch nicht berücksichtigen.“

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    Schwäche, Panzerabwehrraketen, Panzerabwehrlenkwaffen, Gefahr, Terroristen, Panzer, Vernichtung, Leopard, Panzer T-14 Armata, Kampfpanzer Leopard 2 A7, kurdische Selbstverteidigungskräfte YPG, Terrormiliz Daesh, Afrin, Türkei, Syrien, Deutschland