06:57 25 September 2018
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    Ungarische T-72-Panzer während Militärübung mit US-Truppen (Archivbild)

    Militärtechnisches Paradox: Sowjet-Panzer in Nato-Ländern

    © AFP 2018 / Attila Kisbenedek
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    Manche Ex-Ostblockstaaten machen trotz ihrer derzeitigen Nato-Mitgliedschaft weiter Gebrauch von sowjetischen Entwicklungen in Sachen Militärtechnik. Ein Beispiel dafür ist der Panzer T-72.

    Der russische TV-Sender Swesda weist darauf hin, dass tausende Kampffahrzeuge aus sowjetischer Produktion nach dem Zerfall des Warschauer Pakts in dessen einstigen Mitgliedsländern geblieben waren. Die meisten davon wurden verschrottet, weil sie sich nicht in die Nato-Systeme integrieren ließen. Es gab aber auch Ausnahmen.

    Einige Panzer des Typs T-72 gelangten dem Bericht zufolge nach Schweden. Sie wurden in Borensberg getestet – und die Tests ergaben, dass die Effizienz dieser Kampffahrzeuge von westlichen Fachleuten unterschätzt wurde. Praktisch ohne Pannen überwanden die Panzer fast ungangbare Geländeabschnitte und wiesen überhaupt eine sehr beeindruckende Kombination technischer Eigenschaften auf.

    Während der Sowjetzeit hatten manche Ostblockstaaten nicht nur fertiggebaute sowjetische Militärtechnik bekommen, sondern auch deren Modifikationen hergestellt. Auf der Grundlage des T-72, so der Bericht weiter, entstanden beispielsweise der ostdeutsche Brückenlegepanzer BLP-72 oder der bereits postsowjetische tschechische Panzer Т-72М4-CZ.

    In Polen kam der PT-17-Panzer zustande. Er hat digitale Steuerungssysteme und moderne Waffen, die den Nato-Standards entsprechen, ist aber ebenfalls auf Basis des sowjetischen T-72 konzipiert.

    Polen verzichtete auch darauf, seine übriggebliebenen T-72-Panzer zu entsorgen: Nach Angaben des Senders wurde eine massive Modernisierung dieser Kampffahrzeuge bevorzugt, denn ein Ankauf deutscher oder französischer Pendants wäre deutlich teurer.

    Der russische Militärexperte Alexej Chlopotow sagte dem Sender:

    „Die polnischen Militärs sind nicht so reich, wie sie aussehen wollen. Wenn es darum geht, massiv Waffensysteme zu kaufen und in Betrieb zu nehmen, muss man jedenfalls Geld haben. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis hat der T-72 dabei nicht seinesgleichen weltweit. Der Betrieb von Leopard-Panzern, die den polnischen Streitkräften zur Verfügung stehen, ist fünfmal so teuer. Die Polen wissen das ausgezeichnet. Mit dem T-72 ist alles klar: Das ist ein verlässliches Kampffahrzeug, wobei es keine Probleme mit Ersatzteilen und Wartung gibt.“

    Der russische Politologe Andrej Manoilo kommentiert: „Die osteuropäischen Länder hatten sehr mit US-Hilfe gerechnet. Dabei erwarteten sie von ihren neuen Partnern Hilfe im selben Volumen wie einst von der Sowjetunion. Doch die US-Führung wies absolut deutlich darauf hin, dass alles seinen Preis hat – darunter auch die Militärtechnik. Nach einem Abwägen der Pros und Kontras arbeitet man in diesen Ländern deshalb daran, die sowjetische Technik zu modernisieren und deren Betriebsdauer zu verlängern, anstatt sie zu verschrotten.“

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    Tags:
    Militärtechnik, Panzer, Leopard, T-72-Panzer, NATO, Polen