07:53 21 Oktober 2018
SNA Radio
    Ukrainischer Präsident Petro Poroschenko (i.d.Mitte) während Truppenbesuchs im Nordosten der Ukraine (Archivbild)

    „Modelloffensive“ im Waffenexport: Kiew verramscht Restposten seiner Armee

    © AFP 2018 / Genya Savilov
    Technik
    Zum Kurzlink
    Andrej Koz
    86035

    Ukrainische Rüstungsfirmen sollen mit den ganz Großen der Branche mitziehen: Zu den Top-5-Waffenbauern der Welt soll das Land bald aufsteigen, hat Präsident Poroschenko 2015 verkündet. Ein ambitionierter wie gescheiterter Plan: Was ukrainische Firmen derzeit liefern, sind Jets, die nicht fliegen, und Panzer, die nicht fahren.

    Ein ukrainisches Reparaturwerk hat neulich MiG-Jäger der kroatischen Luftwaffe kaputtmodernisiert. Einige der zwölf Kampfflugzeuge konnten nach der Generalüberholung in der Ukraine nicht abheben – andere durften gar nicht, weil ihre Treibstofftanks nach der Reparatur undicht und ihre Navigationsgeräte unpräzise waren.

    Zagreb wird die unbrauchbaren Jets in Kürze an die Ukraine zurückgeben und funktionstüchtige Flugzeuge als Ersatz verlangen, berichteten kroatische Medien.

    Die zuständige Firma in der Ukraine – Ukrspecexport – weist jede Verantwortung von sich: Es sei alles unwahr, was die Medien da sagen. Und überhaupt liege das alles nur daran, dass Moskau unlauteren Wettbewerb betreibe, hieß es sinngemäß aus dem Unternehmen, schreibt der Fachjournalist Andrej Koz in seinem Beitrag für „Sputniknews“.

    Geplatzte Panzer(deals)

    Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass die ukrainische Rüstungswirtschaft ihre Kunden im Stich lässt.

    Bagdad etwa gab Anfang 2014 ganze 42 Schützenpanzer BTR-4 an den ukrainischen Hersteller zurück und stieg aus dem Kaufvertrag aus. Von den 88 Panzerfahrzeugen, die die Ukraine bis dato bereits geliefert hatte, sprangen nämlich nur 56 an – losfahren konnten davon nur 34.

    Außerdem waren da laut dem Journalisten noch solche „Kleinigkeiten“ wie unpräzise Zielgeräte und Feuerleitsysteme, kaputte Kanonen, Maschinengewehre und Granatwerfer, leere Batterien und… Risse in der Panzerung.

    Die Fahrzeuge seien alt, rostig und einsatzuntauglich, hatte ein Sprecher des Verteidigungsausschusses im irakischen Parlament 2013, vor der Rückgabe, bemängelt.

    Deutlichere Worte fand 2011der ehemalige Verteidigungsminister von Thailand, Prawit Wongsuwan: Der Vertrag mit der Ukraine sei zum größten Problem bei der Modernisierung der thailändischen Armee geworden. Der Minister meinte den Kauf ukrainischer Kampfpanzer vom Typ Oplot auf der Basis des alten sowjetischen T-80.

    Nein, diese Panzer barsteten und rosteten nicht wie die BTR-4 – sie fuhren sogar. Nur waren sie, wie der Militärexperte Koz schreibt, mit Mühe und Not als neue Technik zu bezeichnen. Denn die ukrainische Herstellerfirma verbaute in diesen Stahlkolossen Teile (auch die Motoren) alter Sowjetpanzer, die die Ukraine von der UdSSR sozusagen geerbt hatte. Diese wurden teils eingemottet, teils einfach unter freiem Himmel aufbewahrt.

    Doch das war noch gar nicht das Hauptproblem beim Thailand-Deal. Sondern: Die ukrainische Rüstungsindustrie schaffte es einfach nicht, den Bau von 54 Kampfpanzern zu stemmen. Innerhalb von fünf Jahren wurden laut dem Fachjournalisten nur 20 Oplot-Panzer gebaut.

    Als der ukrainische Hersteller seinen Kunden 2015 darum bat, die vereinbarte Lieferung auf 2017 zu verschieben, platzte den Verantwortlichen in Thailand offenbar der Kragen. Heute beschafft Bangkok den VT-4 der Chinesen, so der Journalist. Dieser Deal ist inzwischen unter Dach und Fach.

    Noch ein Beispiel mit dem BTR-4: Kasachstan hatte 2012 mit der Ukraine vereinbart, den Schützenpanzer für die eigenen Streitkräfte in einem Joint-Venture herzustellen. Dazu kam es aber nicht, weil Kasachstan schon beim ersten Vorserienexemplar schwerwiegende Mängel festgestellt und den Prototyp an die Ukraine zurückgegeben hatte.

    Diesem Beispiel folgte aus dem gleichen Grund Indonesien. Jakarta gab seine fünf BTR-4 nach umfangreichen Tests an den Hersteller zurück – und kaufte stattdessen den BT-3F bei den Russen.

    Restposten-Ausverkauf

    „Die Lage, in der sich die ukrainische Rüstungswirtschaft befindet, ist ein Ausdruck für die Misswirtschaft jener Führungsleute, die heute in Kiew an der Macht sind. Sie handeln nach der Logik der Ausbeutung: Was zählt, sind schnelle, kurzfristige Profite“, sagte der Politologe Semjon Uralow laut dem Journalisten.

    Panzer T-84 Oplot (Archivbild)
    © Sputnik / Grigorij Wasilenko
    An dieser Stelle sei noch einmal an den ambitionierten Plan von Präsident Poroschenko erinnert, die Ukraine zu einem der weltbesten Waffenexporteure zu machen. Dieses Ziel wird Kiew offenbar nur auf einem Wege erreichen können, schreibt der Fachjournalist Koz: Durch den grandiosen Ausverkauf der eigenen Armeebestände, die noch etwas taugen.

    Solch eine „Großzügigkeit“ wird, so der Journalist, für die Schlagkraft der ukrainischen Armee, die ohnehin ordentliche Verluste im Donbass einfährt, natürlich Konsequenzen haben. Außerdem sind die ukrainischen Armeebestände nicht unerschöpflich: Ein großer Teil des Militärerbestands aus der Sowjetzeit ist ja schon in alle Welt verkauft.

    Die zahllosen Probleme mit den Kampf- und Schützenpanzern – und kürzlich mit den kroatischen MiGs – sind, so der Experte, nur die Spitze des Eisbergs. Dahinter verbirgt sich eine tiefe Krise der ukrainischen Rüstungswirtschaft und der gesamten ukrainischen Staatsführung.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    „Deutschland ist skeptisch“: Gabriel kritisiert US-Waffenlieferungen an Ukraine
    Fünf EU-Länder liefern letale Waffen an Ukraine
    Ukraine wird Panzerabwehrland – US-Waffenlieferungen verändern Balance im Donbass
    Letale Waffen für Ukraine: Kreml kommentiert US-Erteilung von Lieferlizenz
    Tags:
    Waffen, Scheitern, Deal, Mangel, Qualität, Waffenhandel, Kampfjet, Schützenpanzer, Kampfpanzer T-84 Oplot-M, MiG-21, BTR-4, Kroatien, Ukraine