13:52 17 Juli 2018
SNA Radio
    Aufblasbares AutoAufblasbares Auto Aufblasbares Auto

    Parkplatzmangel? Forscher entwickeln aufblasbare Autos

    © Foto : Till Kaysermann/ HTW Industrial Design 2017 © Foto : Till Kaysermann/ HTW Industrial Design 2017 © Foto : Till Kaysermann/ HTW Industrial Design 2017
    1 / 3
    Technik
    Zum Kurzlink
    Valentin Raskatov
    21411

    In den Wohnwagen, in den Keller und in jede noch so kleine Lücke soll es passen – so stellt sich ein Berliner Fahrzeugtechniker sein aufblasbares Auto vor. Als Leichtfahrzeug soll es außerdem im Verkehr sicherer sein als etwa ein Motorroller. Allerdings läuft die Finanzierung des Projektes bislang nur schleppend.

    Eine bekannte Situation: Sommer, Sonne, Campingplatz. Die Kinder planschen im See, das Steak brutzelt auf dem Grill und das am Wohnwagen befestigte Schutzdach spendet wohligen Schatten. Doch plötzlich sind die Lebensmittel alle. Jetzt müsste das Wohnmobil den Campingplatz verlassen oder der beschwerliche Weg mit einem Fahrrad zum nächsten Supermarkt in Kauf genommen werden. Oder die verzweifelte Parkplatzsuche in der Großstadt: alles besetzt, keiner will weichen, man kurvt gefühlsmäßig eine halbe Ewigkeit, bis sich eine Lücke zeigt – und die schnappt dann noch ein anderer weg.

    Wäre es nicht schön, das Wohnmobil stehenzulassen oder das Auto bequem irgendwo abzustellen oder sogar im eigenen Keller zu verstauen? Solche Überlegungen stehen hinter dem aufblasbaren Auto des Fahrzeugtechnikers und ambitionierten Campers Ullrich Hoppe von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin, der das Fahrzeug im Sputnik-Interview vorstellt.

    „Dandelion“ soll es heißen, was im Englischen so viel wie Pusteblume bedeutet und auf die Besonderheit des Autos hinweist. Es soll dem Trend nach immer größeren Autos gegensteuern, indem hier ein „minimales Auto“ entsteht, das Platz für zwei Personen und einen Einkauf bieten soll. Bei Bedarf soll es aufgeblasen werden. Wenn es nicht benötigt wird, lässt man einfach die Luft raus und klappt es zusammen.

    • So sieht das zusammengeklappte Sitzmodell
      So sieht das zusammengeklappte Sitzmodell
      © Foto : Prof. Ullrich Hoppe
    • Und so sieht es aufgeklappt aus
      Und so sieht es aufgeklappt aus
      © Foto : Prof. Ullrich Hoppe
    • Alles startklar? Das Sitzmodell wirkt zunächst ernüchternd
      Alles startklar? Das Sitzmodell wirkt zunächst ernüchternd
      © Foto : Prof. Ullrich Hoppe
    • Aber es fehlen noch Technik und Verschalung
      Aber es fehlen noch Technik und Verschalung
      © Foto : Till Kaysermann/ HTW Industrial Design 2017
    • In Papierskizzen sind bereits viele Ausführungen da
      In Papierskizzen sind bereits viele Ausführungen da
      © Foto : Till Kaysermann/ HTW Industrial Design 2017
    • Und so soll das Auto am Ende aussehen – laut Computermodell
      Und so soll das Auto am Ende aussehen – laut Computermodell
      © Foto : Till Kaysermann/ HTW Industrial Design 2017
    1 / 6
    © Foto : Prof. Ullrich Hoppe
    So sieht das zusammengeklappte Sitzmodell

    Technische Details

    Fahrzeugtyp    L7e (Leichtfahrzeuge)

    Maße    1m x 0,5m x 1,5m

    Gewicht    max. 150 kg

    Maximalgeschwindigkeit    60 km/h

    Reichweite    30 km

    Motorisierung    elektrisch

    Materialien Verschalung    Kunststoff mit hochfesten Fasern

    Aufblasdauer    max. 15 Minuten

    Kostenspanne    5.000-10.000 €

    Das aufblasbare Auto soll als Leichtfahrzeug (L7e) zugelassen werden, ähnlich dem Motorroller oder einem Kleinauto wie dem Renault Twizy. Mit Akku und Elektromotor soll es sich mit maximal 60 Stundenkilometern vorwärtsbewegen und über eine relativ geringe Reichweite von 30 Kilometern verfügen.

    Im Verkehr sicherer als ein Motorroller

    Aber wie sicher ist so ein Auto? „Platzt“ es nicht bei der nächsten gröberen Berührung mit einem Gegenstand? Hoppe verneint die Frage: Dafür, dass das Auto nicht „platzt“, sorge die Beschaffenheit der Hülle, die aus Kunststoff besteht, der von hochfesten Fasern durchsetzt ist. Die Bodengruppe, die den aufblasbaren Teil trägt, sei sowieso stabil, so der Forscher. Aber auch bei einem Unfall passiere „mehr oder weniger das gleiche“ wie bei jedem anderen Auto. Natürlich würde ein richtiges Auto „weniger Deformationen“ erleiden, aber: „Die aufblasbaren Strukturen können sehr viel Energie aufnehmen“, so der Fahrzeugtechniker.

    Und die Insassen? Wenn man mit einem SUV zusammenstoße, sei man schon „der benachteiligte Verkehrsteilnehmer“, bemerkt Hoppe. Aber in der Fahrzeuggruppe, in der sich das Fahrzeug befindet, würden die Unfallfolgen beim aufblasbaren Auto deutlich günstiger ausfallen  als etwa bei einem Motorroller.

    Knackpunkt Finanzierung

    Die Forschungsgruppe, an der viele Studenten beteiligt sind, hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Jahr einen Prototypen des Fahrzeugs herzustellen, der überzeugender wirkt als das bisherige Sitzmodell ohne Technik und Schale. Denn im Computer ist das Auto schon viel weiter gestaltet, es existiere dort schon „zu 95 Prozent“.

    Allerdings tun sich die Entwickler vor allem in Sachen Finanzierung schwer. So habe eine Crowdfinanzierung zwar das Interesse vieler Menschen geweckt, berichtet Hoppe, doch gespendet habe kaum jemand. Und für eine Hochschule sei die notwendige Technik schlichtweg zu teuer. Die Gruppe hat aber vor, eine neue Kampagne zu starten und diese besser zu bewerben.

    Wenn es demnächst besser läuft, dann kann man sich in Zukunft vielleicht Autos bestellen, die zur Not mit in die Wohnung kommen oder im Wohnmobil verstaut werden. Was aber so ein aufblasbares Auto dann kosten wird, hängt sehr stark von der Nachfrage ab: „Wenn es in kleinen Stückzahlen gebaut wird, wird es sicherlich sehr teuer werden“, bemerkt der Forscher und spricht von über 10.000 Euro, die ein von Hand gefertigtes Fahrzeug kosten würde. Würden dagegen die Fertigungsprozesse hochautomatisiert in der Massenproduktion ablaufen, dann fiele der Preis auf „deutlich unter 5.000 Euro“.

    Das Interview mit Prof. Ullrich Hoppe in voller Länge:

    Tags:
    Autoindustrie, Experiment, Forschung, Auto, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren