19:34 21 April 2018
SNA Radio
    Infanteriepanzerwagen K-17 „Bumerang“ (Archivbild)

    Großkaliber-„Bumerang“: Darum braucht die russische Armee Radpanzer

    © Sputnik / Mikhail Woskressenkiy
    Technik
    Zum Kurzlink
    51676

    Zuverlässig und universal wie Schützenpanzerwagen – so soll das neue Panzerfahrzeug sein, das von russischen Konstrukteuren derzeit entwickelt wird. Ein solches Fahrzeug gab es in der russischen Armee noch nie.

    Wie der Direktor der Firma „Militärindustriegesellschaft“, Alexander Krassowizki, in einem TV-Interview mitteilte, handelt es sich um einen Radpanzer auf der neuen Panzerplattform „Bumerang“. Die neue Maschine könnte nach seinen Worten sowohl bei Anti-Terror-Operationen als auch in „allgemeinen“ Gefechten effizient eingesetzt werden. Um die Vorteile der Radpanzer gegenüber traditionellen Raupenpanzern geht es in diesem Beitrag.

    „Chirurgisches Instrument“

    Als Radpanzer wird inoffiziell eine Gattung von Panzerfahrzeugen bezeichnet, die über eine Panzerkanone im Turm verfügen, der sich rundum drehen kann. Die Panzerung eines solchen Fahrzeugs ist zwar nicht so dick, aber dafür ist es schneller und manövrierfähiger als der Panzer. Der Radpanzer könnte nicht den Raupenpanzer als wichtigste Schlagkraft des Heeres ersetzen, aber das ist auch nicht nötig. Das mobile Radfahrzeug mit einer starken Kanone ist ein viel feineres, sozusagen „chirurgisches“ Instrument. Außerdem lässt sich diese Technik viel leichter über größere Entfernungen verlegen als Raupenpanzer.

    „Wenn eine Kolonne mit Militärtechnik unterwegs ist, bewegt sie sich mit der Geschwindigkeit, die alle Fahrzeuge erreichen können“, erläuterte der Chefredakteur des Fachmagazins „Arsenal Otetschestwa“ („Arsenal des Vaterlandes“), Viktor Murachowski.

    „Im Militärwesen gibt es den Begriff ‚Länge des Tagesmarsches‘ – also die Entfernung, die eine Kolonne im Laufe von 24 Stunden zurücklegen kann. Für Raupentechnik- und gemischte Kolonnen sind das 300 Kilometer. Und die Teile, die nur als Radtechnik bestehen, können mindestens doppelt so viel zurücklegen, indem sie sich auf öffentlichen Straßen bewegen. Und was mit einer solchen Straße passieren könnte, wenn darauf eine Division von Panzern oder schweren Schützenpanzerwagen fahren würde, ist wohl klar.“

    Infanteriepanzerwagen K-17 „Bumerang“

    Der Experte verwies darüber hinaus darauf, dass die Radtechnik eine wesentlich größere Fahrleistung als die Raupentechnik habe. Kurz und knapp: Während ein Hauptkampfpanzer nach etwa 10.000 Kilometern kaputtgehen würde, könnte ein mit derselben Kanone ausgestatteter Radpanzer gut 100.000 Kilometer problemlos fahren, ohne repariert werden zu müssen.

    „Es gibt jede Menge von strategischen Richtungen, in denen diese Möglichkeiten sehr nützlich wären“, so Murachowski. „Nehmen wir einmal Zentralasien als Beispiel: Falls dort diese oder jene terroristische Formation bekämpft werden müsste, müsste die Militärtechnik über mehr als 1000 Kilometer verlegt werden. Die Möglichkeiten der Eisenbahn sind dort mangelhaft. Per Luft kann eine große Gruppierung nicht verlegt werden – bestenfalls ein geringes Kontingent. Da bleiben nur Straßen. Und in diesem Sinne hat die Radtechnik große Vorteile.“

    Murachowski zufolge können Radpanzer dank ihrer starken Waffen auch bei allgemeinen Operationen zum Einsatz kommen – auf den Flanken, bei Aufklärungseinsätzen usw. Wichtig sei, dass „Bumerang“-Maschinen schwimmen können. Sie können nämlich Wasserhürden ohne vorzeitige Vorbereitung und Erschließung des jeweiligen Gewässers überwinden, was ebenfalls ein Vorteil gegenüber der Raupentechnik sei.

    Das größte Kaliber

    Über Radpanzer verfügen Armeen von mehreren Nato- sowie asiatischen Ländern. Dazu lassen sich US-amerikanische Maschinen M1128 MGS auf der Stryker-Plattform, französische Maschinen AMX-10RC, japanische MCV, italienische Centauro zählen. In den späten 2000er- bzw. frühen 2010er-Jahren verhandelte das russische Verteidigungsministerium über den Kauf einer Partie von Centauro-Farzeugen. Mehrere Maschinen wurden sogar in Russland getestet, aber der Deal kam am Ende nicht zustande: Es stellte sich nämlich heraus, dass die italienischen Radpanzer den russischen Anforderungen an die Zuverlässigkeit nicht entsprachen.

    Italienischer Centauro

    Alle erwähnten ausländischen Maschinen sind mit 105-Millimeter-Panzerkanonen gerüstet, deren technische Daten denen von Kanonen früherer Modifikationen der US-Panzer M60 und M1 Abrams ähnlich sind. Es ist vorerst nicht bekannt, welches Kaliber die Waffen der neuen russischen Maschine auf der „Bumerang“-Plattform bekommen wird, aber Experten sagen, die Auswahl sei nicht besonders groß.

    Murachowski vermutete, dass eine 125-Millimeter-Kanone infrage käme, mit der die Anti-Panzer-Selbstfahrlafette „Sprut-SDM-1“ ausgestattet werde: „Das ließe sich ziemlich schnell tun. Dann wäre die neue Maschine wirklich einmalig. In der Welt gibt es keine anderen Radpanzer mit solchen Waffen, zumal er sogar schwimmen kann.“

    Das „Sprut-SDM-1“-Modell wurde für die russischen Luftlandekräfte entwickelt. Seine wichtigste Waffe ist die 125-Millimeter-Kanone 2A75. Mit ähnlichen Kanonen 2A46M werden die Panzer T-72 und T-90 gerüstet. Diese Kanone kann mit allen russischen Munitionsarten dieses Kalibers sowie mit lenkbaren Anti-Panzer-Raketen schießen. Hilfswaffe ist das Maschinengewehr PTK (7,62-Millimeter-Kaliber).

    Der Radpanzer ist nur eine von vielen Varianten der Technik auf der „Bumerang“-Plattform. Während der Siegesparade am 9. Mai 2015 wurde dem Publikum ein neuer Infanteriepanzerwagen auf dieser Plattform gezeigt. Auch sollen ein Schützenpanzer, eine Aufklärungsmaschine und mehrere andere Modifikationen gebaut werden. Die Konstrukteure behaupten, diese Maschine könnte eine Geschwindigkeit von 100 km/h erreichen und eine Entfernung von 800 Kilometern zurücklegen, ohne getankt zu werden. Die neuen Maschinen seien besser geschützt als ältere Modifikationen. Darüber hinaus könnte die Panzerungsdicke abhängig von konkreten Aufgaben reguliert werden. Zu diesem Zweck müssten nur die Panzerblätter gewechselt werden. Die dickste Panzerung soll sogar den Aufprall eines Artilleriegeschosses überstehen.

    Zum Thema:

    „Flusspferd“: Ukrainer lachen über ihren neuen Panzerwagen - FOTOs
    „Taifun“: Der neue Panzerwagen für Russlands Luftlandetruppen – FOTO
    „Schwarze Barette“ lassen BTR-Panzerwagen für sich „walzen“ – VIDEO
    Nato-Land wird russische „Tigr“-Panzerwagen kaufen
    Tags:
    Panzer, Kanone, Militärtechnik, Panzerwagen, SPRUT-SD, M1-Abrams, M60-Panzer, Bumerang, Italien, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren