19:30 21 April 2018
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    Eine Seezielrakete Ch-22, die als unmittelbarer Vorläufer der Ch-32 gilt

    Russlands neue Anti-Schiffs-Rakete verschiebt Kräftestand auf See

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    Von einem Überschallbomber gestartet, fliegt die Seezielrakete Ch-32 so schnell und so hoch, dass US-amerikanische Abfangraketen sie nicht greifen können. 2016 erst haben die russischen Streitkräfte den neuen Marschflugkörper in Dienst gestellt. Gegen einen Schwarm dieser Lenkwaffen sind Flugzeugträger und Zerstörer der US-Navy machtlos.

    Für einen Flugzeugträger und dessen Begleitverband wäre eine Salve von zwei Dutzend Ch-32 eine Katastrophe: Russische Bomber würden die Seezielraketen absetzen können, noch bevor sie in den Wirkungsbereich US-amerikanischer Abfangjäger eingedrungen seien, erklärt der Militärexperte Konstantin Siwkow.

    „Die Amerikaner werden die Ch-32 nicht abfangen können“, so Siwkow. Die US-Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse – das Rückgrat des US-amerikanischen Raketenschilds – seien der Ch-32 schutzlos ausgeliefert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie versenkt, zumindest aber außer Betrieb gesetzt würden, „beträgt 0,75 bis 0,85“, so der Fachmann.

    Vorführung eines hyperschallschnellen luftgestützten Raketensystems „Kinschal“
    © Sputnik / Provided by the Ministry of Defence of the Russian Federation

    Die technischen Daten der Ch-32 ähneln denen ihres Vorgängers, des sowjetischen Marschflugkörpers Ch-22: zwölf Meter Länge bei einem Durchmesser von einem und einer Spannweite von drei Metern; das Startgewicht beträgt circa 5.800 Kilogramm. Der Gefechtskopf der neuen Rakete ist fast halb so leicht: 500 Kilogramm im Vergleich zu 900 Kilogramm bei der sowjetischen Ch-22. Der dadurch entstandene Platz und Gewichtsgewinn wird für zusätzlichen Treibstoffvorrat genutzt.

    Der Marschflug der russischen Seezielrakete verläuft auf maximal 40 Kilometern Höhe – die Dienstgipfelhöhe der US-Lenkwaffe liegt sieben Kilometer darunter. Mit anderen Worten: Während die Ch-32 sich im Marschflug befindet, kann die US-Abfangrakete sie nicht erreichen. Dabei ist die russische Lenkwaffe auch noch viel zu schnell: Die SM-6 kann auf Ziele reagieren, die sich mit höchstens 800 Metern pro Sekunde bewegen – die Ch-32 rast mit fast doppeltem Tempo von 1.500 Metern pro Sekunde.

    Der größte Unterschied der neuen russischen Rakete zu ihrer Vorgängerin verbirgt sich in den Bordsystemen: Ein inertiales Such- und Feuerleitradar, das den Verlauf des Geländes berücksichtigt und dessen Kurs über einen Datenlink korrigiert werden kann. Auch weist die Ch-32 nach Ansicht von Experten eine hohe Störfestigkeit auf. Das neue verstärkte Triebwerk der Seezielrakete verbraucht weniger Sprit.

    Die neue russische Seezielrakete wirft das Kräfteverhältnis auf See komplett um: „Der relative Gleichstand zwischen Angriff und Abwehr verschiebt sich so, dass die Möglichkeiten des Angriffs das Potential der Abwehr bei weitem übertreffen“, sagt Siwkow.

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    Tags:
    Überschallbomber, Abfangrakete, Flugzeugträger, Rakete, Ch-32, Ch-22, USA, Russland
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