18:21 17 Oktober 2018
SNA Radio
    Eine Seezielrakete Ch-22, die als unmittelbarer Vorläufer der Ch-32 gilt

    Russlands neue Anti-Schiffs-Rakete verschiebt Kräftestand auf See

    CC0
    Technik
    Zum Kurzlink
    113696

    Von einem Überschallbomber gestartet, fliegt die Seezielrakete Ch-32 so schnell und so hoch, dass US-amerikanische Abfangraketen sie nicht greifen können. 2016 erst haben die russischen Streitkräfte den neuen Marschflugkörper in Dienst gestellt. Gegen einen Schwarm dieser Lenkwaffen sind Flugzeugträger und Zerstörer der US-Navy machtlos.

    Für einen Flugzeugträger und dessen Begleitverband wäre eine Salve von zwei Dutzend Ch-32 eine Katastrophe: Russische Bomber würden die Seezielraketen absetzen können, noch bevor sie in den Wirkungsbereich US-amerikanischer Abfangjäger eingedrungen seien, erklärt der Militärexperte Konstantin Siwkow.

    „Die Amerikaner werden die Ch-32 nicht abfangen können“, so Siwkow. Die US-Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse – das Rückgrat des US-amerikanischen Raketenschilds – seien der Ch-32 schutzlos ausgeliefert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie versenkt, zumindest aber außer Betrieb gesetzt würden, „beträgt 0,75 bis 0,85“, so der Fachmann.

    Vorführung eines hyperschallschnellen luftgestützten Raketensystems „Kinschal“
    © Sputnik / Provided by the Ministry of Defence of the Russian Federation

    Die technischen Daten der Ch-32 ähneln denen ihres Vorgängers, des sowjetischen Marschflugkörpers Ch-22: zwölf Meter Länge bei einem Durchmesser von einem und einer Spannweite von drei Metern; das Startgewicht beträgt circa 5.800 Kilogramm. Der Gefechtskopf der neuen Rakete ist fast halb so leicht: 500 Kilogramm im Vergleich zu 900 Kilogramm bei der sowjetischen Ch-22. Der dadurch entstandene Platz und Gewichtsgewinn wird für zusätzlichen Treibstoffvorrat genutzt.

    Der Marschflug der russischen Seezielrakete verläuft auf maximal 40 Kilometern Höhe – die Dienstgipfelhöhe der US-Lenkwaffe liegt sieben Kilometer darunter. Mit anderen Worten: Während die Ch-32 sich im Marschflug befindet, kann die US-Abfangrakete sie nicht erreichen. Dabei ist die russische Lenkwaffe auch noch viel zu schnell: Die SM-6 kann auf Ziele reagieren, die sich mit höchstens 800 Metern pro Sekunde bewegen – die Ch-32 rast mit fast doppeltem Tempo von 1.500 Metern pro Sekunde.

    Der größte Unterschied der neuen russischen Rakete zu ihrer Vorgängerin verbirgt sich in den Bordsystemen: Ein inertiales Such- und Feuerleitradar, das den Verlauf des Geländes berücksichtigt und dessen Kurs über einen Datenlink korrigiert werden kann. Auch weist die Ch-32 nach Ansicht von Experten eine hohe Störfestigkeit auf. Das neue verstärkte Triebwerk der Seezielrakete verbraucht weniger Sprit.

    Die neue russische Seezielrakete wirft das Kräfteverhältnis auf See komplett um: „Der relative Gleichstand zwischen Angriff und Abwehr verschiebt sich so, dass die Möglichkeiten des Angriffs das Potential der Abwehr bei weitem übertreffen“, sagt Siwkow.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Nordkorea bewaffnet seine Schnellboote erstmals mit Anti-Schiffsraketen
    Spannungen im Südchinesischen Meer: Japan testet neue Anti-Schiff-Rakete – VIDEO
    Neue Anti-Schiffs-Rakete in China vorgestellt
    Neuestes Anti-Schiffssystem im Einsatz von Russlands Ostsee-Flotte
    Tags:
    Überschallbomber, Abfangrakete, Flugzeugträger, Rakete, Ch-32, Ch-22, USA, Russland