23:30 17 Oktober 2018
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    Stromleitung (Symbolbild)

    Russischer Nano-Forscher: Ideales Material für Stromleitungen erfunden

    © Sputnik / Alexander Wilf
    Technik
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    In der Nationalen Technischen Forschungsuniversität MISiS in Moskau hat eine Sitzung des wissenschaftlichen Rats der Hochschule stattgefunden, an der jedes Jahr weltführende Forscher teilnehmen. Ruslan Walijew, Ratsmitglied und Nanomaterial-Experte, spricht im Sputnik-Interview über die Perspektiven der russischen Materialkunde.

    Herr Walijew, man sagt, das 21. Jahrhundert würde das Jahrhundert des Aluminiums sein, das sogar Stahl ersetzen würde. Ist dem wirklich so?

    Es gibt allen Grund, das zu glauben. Experten für Stahl sagen zwar, sie hätten noch viele neue Ideen, die richtige Durchbrüche ermöglichen würden. Dennoch kann ich als Wissenschaftler, der sich mit der Erforschung des Nanoaluminiums beschäftigt, sagen, dass wir bereits ein Metall entwickelt haben, das noch fester als üblicher Stahl ist. Und es ist durchaus möglich, dass wir in einigen Jahren schon Flugzeuge und Autos aus diesem Stoff bauen werden. Eine andere Frage liegt allerdings in der massenweisen Herstellung dieses Stoffes. Dabei könnte der russische Konzern Rusal helfen.

    War der Aluminiumhersteller Rusal tatsächlich der Initiator der Gründung eines ganzen Forschungsinstituts auf MISiS-Basis?

    Ein Induktionsschmelzofen mit einem Hitzemesser
    © Foto : The National University of Science and Technology MISiS/Maria Brodskaya
    Ja. Und ich denke, dass dies ein sehr wichtiges Ereignis für alle russischen Universitäten bzw. Hochschulen ist. Das Top-Management von Rusal sah ein, dass sie neue Legierungen bräuchten, um den globalen Wettbewerb zu gewinnen. Die Entwicklung einer neuen Legierung fällt sehr schwer – dafür ist eine wissenschaftliche Basis notwendig, und die MISiS hat die entsprechende Forschungsschule. Und jetzt hat einer der größten Konzerne Russlands, der landesweit 14 eigene Betriebe hat, sein eigenes Institut auf MISiS-Basis eröffnet. Das ist das Institut für leichte Stoffe und Technologien (russ. Abk.: ILMiT – Anm. d. Red.). Eines der Gebäude auf dem MISiS-Gelände wurde gerade umgebaut, und jetzt werden dort Forscher einziehen. Man hat mich gebeten, als wissenschaftlicher Berater zu fungieren. Meines Erachtens könnte dieses Projekt ein sehr gutes Beispiel für andere russische Unternehmen werden, die einerseits ebenfalls ihre Technologien aus eigener Kraft modernisieren und andererseits die Entwicklung der angewandten Wissenschaft in Russland anspornen könnten.

    Wie könnten einfache Menschen davon profitieren?

    Materialwissenschaftler arbeiten ausgerechnet im Interesse der ganzen Gesellschaft. Nehmen wir einmal übliche Stromleitungen als Beispiel, die durch ganz Russland verlegt sind. Wenn wir unter die Umspinnung gucken, dann sehen wir, dass das Kabel entweder aus Kupfer oder aus Aluminium besteht. Kupfer wird immer seltener verwendet – öfter wird Aluminium eingesetzt. Natürlich muss ein solches Kabel fest sein, denn es muss verschiedene Wetterbedingungen ertragen, lange zwischen Stützen hängen, reißfest sein usw. Darüber hinaus soll das Kabel den Strom gut leiten. Es stellte sich aber heraus, dass diese Eigenschaften einander widersprechen. Wenn wir Aluminium fester machen, verliert es seine Leitungseigenschaften – und umgekehrt. In den letzten 50-70 Jahren wurden Lösungen gefunden, die sich nicht auf die Materialkunde, sondern auf Konstruktionen stützten. Und jetzt haben wir einen neuen, innovativen Stoff erfunden!

    Sie haben ein Kabel erfunden, das fest und dabei ein guter Leiter ist?

    Das Material für das Kabel. Wir vernetzen das Aluminium auf eine bestimmte Weise, und es wird sehr fest, während seine Eigenschaften als Stromleiter wesentlich besser werden. Ich hoffe, dass irgendwann alle Stromleitungen in Russland aus diesem neuen Material gebaut werden. Es hat viele Vorteile. Beispielsweise könnten Stützen weiter voneinander aufgestellt werden; auch die Kabelproduktion wäre billiger, denn Kabel könnten dünner werden, ohne ihre Eigenschaften als Leiter zu verlieren.

    Ruslan Walijew ist Mitglied des internationalen wissenschaftlichen Rates der MISis, Nanomaterial-Experte, habilitierter Doktor physisch-mathematischer Wissenschaften, Professor und Leiter des Labors für Mechanik neuester massiver Nanostoffe der Staatlichen Universität St. Petersburg.

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    Tags:
    Aluminium, Stahl, Nano-Technologie, MISIS, RusAl, Russland