21:06 21 Juli 2018
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    Teleskopanlage für Weltraumkontrolle (Archivbild)

    Spione im All sollen näher ins Visier rücken: Russland plant neues Instrument

    © Sputnik / Alexander Polegenko
    Technik
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    Ein neues Teleskop, das Russland in Betrieb nehmen will, soll einem Zeitungsbericht zufolge in der Lage sein, die Entfernung zum Mond millimetergenau zu messen und Raumflugkörper im Orbit detailliert zu betrachten, um etwa Ursachen von Pannen zu finden oder Aufschluss über ausländische Spionagesatelliten zu geben.

    Auf dem Gelände des Optik-Laser-Zentrums in der südsibirischen Region Altai soll nach Angaben der Tageszeitung „Iswestija“ ab kommendem Jahr ein neues optisches Teleskop in Betrieb gehen. Es hat einen Spiegel mit einem Durchmesser von mehr als drei Metern sowie einen Laser-Entfernungsmesser.

    Wie die Zeitung berichtet, ist die neue Anlage insbesondere dafür geeignet, den erdnahen Raum zu kontrollieren. Detaillierte Bilder von Raumflugkörpern sollen dadurch ermöglicht werden. Diese Bilder geben voraussichtlich Aufschluss darüber, welche Ausrüstungen der jeweilige ausländische Militärsatellit trägt – und welche Funktionen er damit erfüllt.

    Das Teleskop soll außerdem dabei helfen, Ursachen möglicher Pannen bei russischen Raumflugkörpern zu klären. Juri Roj, Geschäftsführer des für das Teleskop zuständigen russischen Konzerns NPK SPP, sagte dem Blatt:

    „Bei einer Panne – etwa bei einem plötzlichen Verlust der Verbindung – könnte man dann anhand der Teleskop-Bilder verstehen, ob die Solarpanels entfaltet sind und wie der Satellit ausgerichtet ist. Man könnte auch abtrennbare Fragmente sehen.“

    Darüber hinaus soll das neue Teleskop mit dem Laser-Entfernungsmesser ermöglichen, die Koordinaten kosmischer Objekte mit einer beispiellosen Präzision zu berechnen. Etwa die Distanz zum Mond wollen die russischen Forscher millimetergenau vermessen. Für diese Zwecke sollen die russischen Mondsonden Luna-25 und Luna-27 mit Laserstrahl-Reflektoren ausgestattet werden. Die Starts dieser Sonden sind für jeweils 2019 und 2021 geplant.

    Die dabei ermittelten Daten sollen dazu beitragen, die Gravitations-Einwirkung des Mondes auf die erdnahen Satellitenbahnen zu kalkulieren. Roj erläuterte:

    „Diese Einwirkung soll berücksichtigt werden, um Raumflugkörper zu lenken und Daten von ihnen zu bekommen. Man braucht das beispielsweise, um zu verstehen, wie sich die Satellitenbahnen des Navigationssystems GLONASS ändern und wie das von den Verbrauchern auf der Erde empfangene Navigationssignal dadurch beeinflusst wird.“

    Der russische Raumfahrt-Experte Iwan Moissejew wies darauf hin, dass das neue Teleskop nützlich sein wird, um die Umlaufbahnen der Internationalen Raumstation ISS und der Satelliten bei Bedarf zu korrigieren und Kollisionen mit Weltraummüll zu vermeiden.

    Eigentlich funktioniert bereits ein Teleskop mit einem Laser-Entfernungsmesser auf dem Gelände des Zentrums im Altai, doch der Durchmesser seines Spiegels ist deutlich kleiner: 0,6 Meter. Das neue Teleskop soll mehr Effizienz aufweisen – weltweit gibt es nur drei vergleichbare Anlagen, zwei davon in den USA und eine in Frankreich.

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    Tags:
    Weltraum, Weltraumaufklärung, Satelliten, Aufklärung, Spionage, Internationale Raumstation ISS, GLONASS-Navigationssystem, Altai, Russland
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