07:28 14 November 2018
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    Zwei F-16 aus der 18. Agressor-Staffel während Übungen in Alaska (Archivbild)Pilot einer Aggressor-Staffel der USAF (Archivbild)

    Im Feindes-Cockpit: Wozu pilotieren „US-Werwölfe“ russische Kampfjets?

    © Foto : U.S. Air Force/ Senior Airman Zachary PerrasCC BY 2.0 / DVIDSHUB / US Air Force Weapons School [Image 20 of 24]
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    Mitte März hat der Lärm von fliegenden Kampfjets die Bewohner des US-Bundesstaats Nevada aufgeschreckt: Die Fliegerabteilung Red Flag trainierte, und zwar unter möglichst authentischen Bedingungen - mit russisch-sowjetischen Jets, die als „Aggressoren“ die Rolle von potenziellen Gegnern spielten.

    Woher die US-Army solche „Requisiten“ bekommt, erfahren Sie in diesem Sputnik-Beitrag.

    Geheimnisvolle Su-Maschinen

    Die erste „Aggressoren“-Abteilung der USA  wurde bereits in den frühen 1970er-Jahren auf dem Fliegerstützpunkt Nellis in Nevada ins Leben gerufen. Als sowjetische Kampfjets fungierten damals US-Maschinen F-5 mit roten Sternen auf den Tragflächen. Aber schon 1973 bekamen die Amerikaner die erste echte MiG-21F-13, die Israel zuvor von den Arabern erbeutet hatte. Und wenige Jahre später stiegen bereits sowjetische MiG-21bis und MiG-23 in den Himmel über Nevada auf.

     

    Nach dem Zerfall der Sowjetunion bekamen die „Aggressoren“ noch modernere Kampfjets. So wurden im Dezember 2016 Bilder von einem „Luftkampf“ über Nevada unter Beteiligung einer Su-27 und einer US-amerikanischen F-16 veröffentlicht. Und weniger als ein Jahr später berichteten Medien von einer verunglückten geheimnisvollen Su-Maschine. Das Pentagon nahm zu dem Vorfall keine Stellung.

    Bekannt ist lediglich, dass die Ukraine im Jahr 2009 der US-amerikanischen Privatfirma Pride Aircraft zwei ausgemusterte Flugzeuge Su-27UB verkauft hatte. Die Amerikaner veröffentlichten ein halbes Jahr später Videos auf YouTube, auf denen diese Maschinen sich in der Luft befanden. Danach verschwanden die Spuren der beiden Su-Flugzeuge. Auf der Website von Pride Aircraft wurde mitgeteilt, sie wären verkauft worden, wobei der Name des Käufers nicht genannt wurde. Vermutlich konnte das US-Verteidigungsministerium sie in die Hände bekommen haben. Allerdings war die in Nevada zu sehende Su-27 im Unterschied zu den ukrainischen Maschinen  nur einsitzig.

    Laut US-Medienberichten hatten die Amerikaner noch zwei Su-27KS-Kampfjets in einem afrikanischen Land gekauft. Diese Informationen wurden jedoch offiziell nicht bestätigt. Zuvor hatte Äthiopien die Maschinen von der Sowjetunion erhalten. Zwei weitere Su-27 sollen die USA 1996 bei Weißrussland gekauft haben (dafür gab es wiederum keine Bestätigung). Es wurde gleichzeitig behauptet, dass die USA nach der Auflösung der Sowjetunion neben Su-Jets auch mehr als 20 Jagdmaschinen MiG-29 aus osteuropäischen Ländern und ehemaligen Sowjetrepubliken bekommen hätten. De jure gehörten sie alle aber Privatunternehmen.

    Egal wie, aber die „Aggressoren“ haben in ihrem Park vor allem Kampfjets der Typen F-5, F-15, F-16 und F/A-18. Aus ihrer Kennzeichnung kann man ungefähr schließen, wenn die US-Luftstreitkräfte für den wahrscheinlichsten Gegner halten.

    So wird aus einer F-5 eine PAK  FA (russische Su-57)

    Das größte „Nest“ der „Aggressoren“ ist der Stützpunkt Nellis. Hier ist die 64. Staffel des 57. Flügels der US-Luftstreitkräfte stationiert, die über Kampfjets F-16 und F-15 verfügt. Auf Satellitenfotos ist zu sehen, dass ihre Flugzeuge in zwei Varianten von Tarnfarben angestrichen sind: die russische grau-blaue und die dreifarbige „Wüsten-Tarnfarbe“ (typisch für iranische Kampfjets). Mehrere Maschinen haben einen Anstrich in der zweifarbigen „Wüsten-Tarnfarbe“. Außerdem wurden in Nellis mehrere Kampfjets in der „Hai“-Tarnfarbe (unten blau und oben dunkelgrau) gesehen. Diese Tarnung ist ebenfalls für die russische Luftwaffe typisch.

    US-Fliegerstützpunkt Nellis

    Die auf Alaska stationierte 18. Staffel der „Aggressoren“ bevorzugt aus offensichtlichen Gründen nur russische „Motive“: Auf dem Stützpunkt Eielson gibt es zwölf grau-blaue F-16-Kampfjets, die die Rolle russischer MiG-29 spielen.

    Die Marinefliegerkräfte verfügen über drei Übungsabteilungen: die 12. Staffel in Oceana (Virginia), die 13. Staffel in Fallon (Nevada) und die 111. Staffel,  die der berühmten Pilotenschule TOPGUN in Florida angehört.  Besonders viele „pseudorussische“ Kampfjets gibt es in Fallon: mindestens fünf grau-blaue und mehrere Maschinen mit der „Wüstentarnung“.

    US-Fliegerstützpunkt Fallon

    Besonders gut beim „Kopieren“ der russischen Flugtechnik  ist die Pilotenschule TOPGUN: ein F-5 Tiger sieht fast genau wie die russische Su-57 (PAK FA) aus.

    US-Fliegerstützpunkt Key West (das rechte Flugzeug in der oberen Reihe ist wie eine russische Su-57 angestrichen)

    Psychischer Härtetest

    Aber die „Aggressoren“ imitieren nicht nur die Farben der russischen Luftstreitkräfte. Da gibt es auch einen wichtigen psychischen Aspekt. Die Amerikaner hatten noch während des Zweiten Weltkriegs bemerkt, dass die meisten jungen Piloten bei ihrer ersten Begegnung mit dem Gegner in der Luft zunächst so etwas wie Panikanfälle hatten, und die verlorenen Sekunden kosteten sie oft das Leben. Und regelmäßige Übungen mit den „Aggressoren“ könnten nach Auffassung des US-Kommandos den Piloten helfen, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

    US-Kampfjet F/A-18 in Farben der russischen Luftstreitkräfte
    US-Kampfjet F/A-18 in Farben der russischen Luftstreitkräfte

    Einst hatten auch die sowjetischen Fliegerkräfte ihre „Aggressoren“. Diese Abteilung war auf dem Stützpunkt 1521 in Mary (Turkmenistan) stationiert. Allerdings wurden die Flugzeuge dort nicht umgefärbt, und der Hauptakzent wurde auf die Taktik von Luftschlachten gesetzt.

    Übungsschlachten unter Beteiligung richtiger US-Maschinen gab es nur testweise. 1976 wurde eine F-5 aus Vietnam in die Sowjetunion gebracht, und es wurde beschlossen, dieses Flugzeug mit der sowjetischen MiG-21bis unmittelbar zu vergleichen. Die Ergebnisse waren nahezu schockierend: Die MiG konnte kein einziges Mal direkt hinter dem manövrierfähigeren „Amerikaner“ fliegen, obwohl die MiG moderner als die F-5 war. Unter Berücksichtigung dieses Tests wurden spezielle Empfehlungen für die sowjetischen Piloten erarbeitet, wie diese Luftschlachten gegen die Amerikaner führen sollten. Was den Stützpunkt 1521 betrifft, so wurde er nach dem Zerfall der Sowjetunion geschlossen.

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    Tags:
    Kriegsvorbereitungen, Kampfjets, MiG-21, F-5, F-16, MiG-29, Su-27, USAF, Nellis, Sowjetunion, Arizona, Alaska, UdSSR, USA, Russland