13:35 25 September 2018
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    Elektro-Auto aus Flachs und Zucker: Revolution in der Autobranche?

    © Foto : Keyshot by Luxion
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    Valentin Raskatov
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    Es besteht hauptsächlich aus Flachs und Zucker, ist komplett recycelbar und fährt natürlich mit elektrischem Antrieb. Sein Name ist Noah, es stammt aus den Niederlanden, und seine Mission lautet: die Welt vor Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung und der Sintflut des Jahrtausends retten. Eine Innovation.

    Noah ist nicht das erste Fahrzeug, das Studenten der Technischen Universität Eindhoven entwickelt haben. Vier Vorgänger wurden in den letzten Jahren bereits entwickelt – alle mit dem Ziel, die Nachhaltigkeit zu steigern. Doch es ist das erste Fahrzeug nicht nur aus Eindhoven, sondern überhaupt das erste Auto auf der Welt, das komplett wiederverwertet werden kann.

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    Die Idee sei den Studenten ursprünglich bei Reisen in verschiedene Erdteile gekommen, erklärt Cas Verstappen, Pressesprecher der Studentengruppe TU ecomotive, gegenüber Sputnik. Besonders die Probleme in den Großstädten seien ihnen aufgefallen. Die Autoindustrie in Gänze produziere hier schlichtweg viel Abfall und verschmutze die Umwelt. Dieses Problem wollten die Studenten mit einem nachhaltigen, elektrisch betriebenen Auto lösen.

    Karosserien aus Flachs- und Zuckerplatten

    „Die Hauptmaterialien sind Flachs und Zucker. Die Außenfläche und Karosserie bestehen vollständig daraus. Damit bestehen diese Teile zu hundert Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen“, sagt der Pressesprecher der Gruppe. „Bei den anderen Autoteilen haben wir geschaut, wie wir so nachhaltig wie möglich sein können. Wie kriegen wir etwa Materialien, die bereits sehr gut recycelt werden können?“

    Karosserien aus Flachs- und Zuckerplatten
    © Foto : HOWDO Creative Direction
    Karosserien aus Flachs- und Zuckerplatten

    Noch rollt das neue E-Auto auf herkömmlichen Autoreifen. Hier ist man laut Teamleiter Jelle Vonk noch auf der Suche nach Alternativen. Auch die Aufhängung für die Räder habe man bislang noch nicht aus Flachs und Zucker herstellen können, bemerkt Vonk. Beim Prototyp bestehe sie derzeit aus Aluminium. Dieses Metall ist recht gut recycelbar. Am dreidimensionalen Pressen von Zucker und Flachs würden die Studenten aber weiterhin arbeiten, damit auch die Aufhängung einmal daraus bestehen kann.

    Elektro-Antrieb mit modularer Batterie

    Der Antrieb des Autos ist komplett elektrisch und befindet sich im hinteren Teil des Fahrzeugs. Betrieben wird es über sechs modulare Batterien. „Man muss es also nicht zwangsläufig ans Netz anschließen, um es aufzuladen. Man kann einfach die Batterien austauschen“, hebt Verstappen hervor. Im Vergleich zu Teslas, die fest verbaute Batterien haben, sei das ein einfacherer Weg, das Auto aufzuladen und auch seine Lebenszeit zu erhöhen.

    Die Reichweite beträgt derzeit 240 Kilometer. Mit besseren Batterien kann sie noch erhöht werden. Doch zunächst gilt: „Es soll ein Stadtauto sein, und für ein Stadtauto ist das zunächst mal genug“, so Verstappen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 bis 120 Stundenkilometern.

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    Aber sind Zucker und Flachs stabil genug? „Wir haben Simulationen gemacht, die das zeigen“, sagt Verstappen dazu. „Außerdem haben wir das Fahrzeug bei der niederländischen Straßenverkehrsbehörde testen lassen und ein Kennzeichen dafür erhalten. Man kann also von Sicherheit sprechen. Aber wir arbeiten natürlich weiterhin daran, die Sicherheitsvorkehrungen so weit wie möglich zu erhöhen.“

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    © Foto : Keyshot by Luxion
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    „Die Arbeit mit natürlichen Fasern ist recht kompliziert“, erklärt der Pressesprecher von TU ecomotive. Größtenteils werde das Material derzeit noch in Handarbeit hergestellt. Für die Massenproduktion müssten die Prozesse erst automatisiert werden. Ein großer Vorteil liege aber in der leichten Beschaffbarkeit der Hauptbestandteile Zucker und Flachs, die regional angebaut werden können. Dadurch sind die Ernte- und Transportkosten relativ gering. Ein Noah-Fahrzeug könnte demnach zwischen 15.000 und 20.000 Euro kosten.

    Warum nur Autos? Auch Häuser möglich!

    Aus Zeitgründen entschieden sich die Studenten für einen Zweisitzer, denn der Prototyp musste innerhalb eines Jahres gebaut werden. Das Baumaterial eigne sich indes für alle möglichen Fahrzeuge. Und nicht nur das: „Uns haben Leute gefragt, ob daraus auch Häuser gebaut werden könnten, Wände, Stühle, Einrichtungsgegenstände. Alles möglich“, erzählt Verstappen begeistert. Das liege am eingesetzten Baustoff: „Es ist ein sanftes und leichtes Material, das prinzipiell überall zum Einsatz kommen kann.“

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    Die Platten könnten dabei beliebig groß ausfallen. Grenzen setzen nur die Maschinen, die das Material zusammenpressen. Unter den handwerklichen Bedingungen der Studiengruppe können Platten von immerhin schon bis zu 3,6 mal 1,5 Metern angefertigt werden – allemal genug für ein geräumiges Auto.

    Das komplette Interview mit Cas Verstappen zum Nachhören:

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    Tags:
    Material, Elektromobil, Technologien, Elektroantrieb, Energie, Auto, Holland, Niederlande