02:43 25 Juni 2018
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    Drohne (Symbolbild)

    Drohnenstadt Hamburg: Mit Paketen und Personen durch die Luft

    CC0 / Pixabay/ Powie
    Technik
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    Valentin Raskatov
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    Die Stadt Hamburg will Lösungen für die Verwendung von Drohnen im städtischen Raum liefern. Nach Genf ist die Hansestadt die zweite Stadt, die sich an der „Urban Air Mobility Initiative“ beteiligt. Bevor die Drohnen an den Start gehen können, gibt es aber noch allerhand zu klären.

    Drohnen: Sie sind laut und klein – und sie können vom Himmel fallen, wenn es einen technischen Fehler gibt. Trotzdem will die Hansestadt Hamburg als zweite Stadt in Europa nach Genf Drohnenstadt werden. Die zweitgrößte Stadt Deutschlands ist am Freitag der „Urban Air Mobility Initiative“ beigetreten. Deren Aufgabe ist es, sichere Lösungen für die Nutzung von Drohnen im städtischen Raum zu erarbeiten.

    Die Ausgestaltung ihres Umgangs mit den kleinen Flugmaschinen liege bei den Städten selbst, bemerkt Christina Große-Möller, Projektleiterin des Netzwerkes WiNDroVe, das seitens der Stadt Hamburg in die Unterstützung des Themas eingebunden ist. Anfangs gelte es, Konzepte zu entwickeln, wie sich Stadt und Drohnen überhaupt unter einen Hut bringen lassen. Später würden auch Tests durchgeführt werden, denn: „Durch Demonstrationen lernt man unheimlich viel“, so Große-Möller.

    Drohnen im städtischen Raum

    „In Hamburg haben wir beispielsweise unheimlich viele Anwendungsfälle im Bereich des Hafens“, sagt die Drohnenexpertin. Dort, aber auch anderswo, könnten Drohnen im Transport wie auch in der Inspektion etwa von Brücken oder Kaimauern eingesetzt werden. Bei Gebäuden könnten Inspektionen von Dächern oder Solaranlagen durchgeführt werden. Außerdem liefern Drohnen auch wunderbare Aufnahmen aus der Luft, die für Film und Fernsehen verwendet werden können. Überhaupt kann das Transportwesen so noch stärker in Fahrt kommen. In einem weiteren Schritt könnten auch Lufttaxis zum Personentransport erprobt werden.

    Interviewpartnerin Christina Große-Möller
    © Foto : Daniel Reinhardt
    Interviewpartnerin Christina Große-Möller

    „Der Nutzen ist, dass man Dinge schneller erledigen kann“, fasst Große-Möller zusammen. Bei einer Inspektion der hohen und großen Köhlbrandbrücke müsste nicht etwa die ganze Brücke gesperrt und ein Steiger auf umständlichen Wegen nach oben gebracht werden. Ein kleiner Drohnenflug könnte reichen. Der Verkehr bliebe unbeeinträchtigt. Durch Drohnen spare man Zeit und Ressourcen und arbeite sicherer.

    Damit es keine Drohnen regnet

    Die Hauptfrage lautet: „Wie kann man das Ganze regeln?“ Wie sollen die Rahmenbedingungen und die Drohnen beschaffen sein, damit niemand zu Schaden kommt und der Wettbewerb fair ist?

    •    Die sichere Drohne muss über eine ausreichende Batterielaufzeit verfügen. Sie braucht eine Backup-Lösung, falls einmal der Rotor ausfällt. Sie könnte für den Fall eines Absturzes über einen Fallschirm verfügen. Es müsste außerdem ein Kommunikationssystem zwischen Drohnen geschaffen werden oder an fixen Zentralen, an denen die Drohnen angemeldet werden. Zudem müssten die Piloten gut geschult sein und das jeweilige Gerät ohne Schwierigkeiten beherrschen.

    •    Die lautlose Drohne gibt es nicht, aber bei einer höheren Flughöhe fliegt eine Lieferdrohne nahezu lautlos. Außerdem beschäftigen sich etliche Forschungsprojekte derzeit mit einer leiseren Gestaltung von Drohnen. Vielleicht ist also die Lärmbelästigung nur einem unreifen Stand der Technik geschuldet.

    •    Terroristische Anschläge durch Drohnen auf Objekte wie Stadions oder Flughäfen können durch sogenanntes Geofencing erschwert werden. Dabei werden Koordinaten um diese Objekte gezogen, über die Drohnen nicht fliegen dürfen. Auch gibt es diverse Unternehmen wie etwa „Dedrone“, die sich auf Drohnenabwehr spezialisiert haben, indem sie zum Beispiel Drohnen mit der Ausstrahlung von Schadfrequenzen (Jamming) am Weiterflug hindern.

    •    Der Überwachungsstaat aus der Luft ist eine Schreckensvision, die im Rahmen des geltenden Rechts aber unwahrscheinlich ist. Um solche Tendenzen aber gar nicht erst aufkommen zu lassen, könnten Eingrenzungen vorgenommen werden. So könnte es nur bestimmten Drohnen erlaubt sein, über bewohntem Gebiet zu fliegen.

    Hamburg ist die zweite Stadt, die an der Initiative teilnimmt. Gilt sie nur für Großstädte? „Theoretisch kann sich jede Stadt, also auch kleinere Städte daran beteiligen“, antwortet Große-Möller. Insgesamt sollen es aber am Ende fünf oder sechs Modellstädte werden, die sich des Themas annehmen.

    Das Interview mit Christina Große-Möller in voller Länge:

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    Tags:
    Terrorgefahr, Wirtschaft, Sicherheit, Überwachung, Drohnen, Urban Air Mobility Initiative, Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL), Christina Große-Möller, Deutschland, Hamburg