11:52 19 Juli 2018
SNA Radio
    Konzept eines Mars-Helikopters von NASA (Screenshot)

    Mit diesem Helikopter will die NASA auf dem Mars nach Leben suchen

    © NASA. JPL-CalTech
    Technik
    Zum Kurzlink
    Bolle Selke
    52713

    2020 will die NASA neben dem Rover „Mars 2020“ auch einen Helikopter auf den Mars schicken. Mit an Bord ist eine Technologie, die im Rahmen der Dissertation von Stephan Weiss von der Alpen-Adria Universität Klagenfurt ihren Ursprung fand. Der „Mars Helicopter Scout“ (MHS) bringt gleich mehrere Vorteile mit sich.

    „Ich konnte meine Dissertation bezüglich kamerabasierten Helikoptern beim Jet Propulsion Laboratory der NASA vorstellen, als ich da gearbeitet habe“, erklärt Weiss im Sputnik-Interview. „Der MHS bietet sehr viele Möglichkeiten zur Exploration anderer Planeten, auch des Mars, wo man schlussendlich nach Leben oder Lebenszeichen suchen kann. Da bietet sich ein Fluggerät sehr viel besser an als diese Rover, die wir momentan hochschicken.“

    Erreicht auch unwegsame Gelände

    MHS könne mehr Fläche in kürzerer Zeit abdecken und über unwegsames Gelände fliegen. Außerdem birgt eine Helikopter-Drohne Vorteile, wenn der Boden wegen Biomarken nicht berührt werden soll und Luftbilder bessere Aufschlüsse geben können:

    „Man hat in der letzten Mission gesehen, dass der Rover um einen Krater herumfährt und entsprechend versucht, die Kraterwände von verschiedenen Seiten abzubilden. Ein Helikopter kann natürlich dann vom Kraterrand abheben und entsprechend leicht zu dieser Stelle hinfliegen, ohne da größere Trajektorien (Wege) zurücklegen zu müssen.“

    Start ist 2020

    Der Start der Marsmission ist für 2020 geplant. Dann werde ein identischer Zwilling des Rovers „Curiosity“ zum Mars geschickt. Darauf soll dann auch der MHS montiert sein. Weiss berichtet:

    „Sobald der Rover auf der Mars-Oberfläche gelandet ist, wird der Helikopter vom Rover abgesetzt. Der Rover wird dann wegfahren, so dass er nicht innerhalb des Einflussgebietes des Helikopters ist, und dann kann der Helikopter gestartet werden. Man will verhindern, dass ein Fehlverhalten des Helikopters die Hauptmission des Rovers gefährden könnte.“

    Größerer Radius

    Der MHS soll dann etwa zwei bis drei Minuten fliegen und einen Tag lang via Solarzellen aufgeladen werden. Dabei fliegt er in einer Höhe von drei bis zehn Metern und hat eine maximale Reichweite von 600 Metern am Tag. Geplant sind ungefähr fünf Flüge zu Beginn der Mission „Mars 2020“. Der drohnenartige Helikopter wiegt nur rund 1,8 Kilogramm und ist nicht viel größer als ein Fußball.

    Die Bilder, die der MHS dann von der Marsoberfläche übermittelt, dienen auch zur Navigation des „Mars 2020“ Rovers:

    „Die Rover-Navigation basiert momentan hauptsächlich auf den Eindrücken, die der Rover mit der Kamera an die Erde liefert. Rover-Navigatoren versuchen dann, aufgrund dieser Bilder einen Pfad zurechtzulegen, den der Rover fahren soll. Mit einem Helikopter kann man sehr viel bessere Bilder der Umgebung bekommen. Man weiß sehr viel weiter im Voraus, was da wirklich genau passiert und wie die Oberflächenbeschaffenheit ist. Da kann man bessere und längere Trajektorien vorausplanen. Unter dem Strich wird der Rover viel schneller navigieren können und in der Erkundung der Marsoberfläche eine Zeitersparnis haben.“

    Erster Flug seiner Art

    Die Atmosphäre des Mars ist besonders dünn. Um sich in der Luft halten zu können, muss der Hubschrauber superleicht und besonders antriebsstark sein. Deswegen wurde der MHS in einer Vakuumkammer getestet. Die geringere Schwerkraft wurde mit einem geringeren Gewicht des Helikopters simuliert. „Das hat sehr gut geklappt“, so Weiss. „Man konnte zeigen, dass man auch in der dünnen Atmosphäre mit entsprechen hohen Drehzahlen genügend Schub generieren kann. Aber dieser Flug wird der erste seiner Art sein. Insofern sind wir alle gespannt.“

    Das komplette Interview mit Stephan Weiss (Alpen-Adria Universität Klagenfurt) zum Nachhören:

    Zum Thema:

    Alien-Schädel auf Mars? Nasa kündigt Bekanntgabe neuer Funde an – VIDEO
    Asteroid explodiert über Afrika – Nasa
    In tiefem Ultraviolett: Nasa veröffentlicht faszinierende Aufnahme der Sonne
    Nasa: „Exoplaneten-Jäger“ Tess schießt erstes Foto aus dem All – FOTO
    Tags:
    Raumsonde, Außerirdische, Aliens, Drohne, Rover, Hubschrauber, Helikopter, NASA, Stephan Weiss, Mars
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren