23:33 21 August 2018
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    Raketenkomplex Jars während der Paradeprobe zum Siegestag (Archivbild)

    Russlands atomare Truppe: Diese Waffen bekommen die Friedenswächter bald

    © Sputnik / Ramil Sitdikow
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    Nikolai Protopopow
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    Russlands nukleare Streitmacht setzt auf drei Waffengattungen: U-Boote, Flugzeuge, Raketen. Bis 2027 will die russische Führung diese sog. Atom-Triade komplett auf gänzlich neue oder intensiv modernisierte Waffentypen umrüsten.

    Selbst in den schlimmsten Krisen, die Russland durchmachte, gab die Führung des Landes der strategischen Raketentruppe bei der Finanzierung den Vorrang. Weil russische Interkontinentalraketen Friedensgaranten sind.

    Als Reaktion auf den Aufbau eines Raketenschilds in den Nato-Ländern hat Russland die ballistische Rakete RS-24 „Jars“ in Dienst gestellt. Mehrere Einheiten sind bereits mit der mobilen Version dieses Flugkörpers ausgestattet worden, zwei weitere warten auf den Neuzugang. Die Raketen werden auf mobilen Startrampen in Stellung gebracht – eine Einheit in Zentralrussland bekommt die silogestützte Variante der „Jars“.

    Die ballistischen „Jars“-Raketen mit Feststoffantrieb sind zusammen mit den „Topol“-Raketen die Pfeiler der strategischen Raketentruppe. Die RS-24 hat einen Mehrfachgefechtsblock und trägt je nach Modifikation drei bis sechs nukleare Sprengköpfe mit je 300 Kilotonnen Sprengkraft. Die Reichweite: interkontinental, 12.000 Kilometer.

    Nicht zu vernachlässigen ist der Begleitschutz der mobilen Raketensysteme, während sie über Land patrouillieren. Dazu setzen die russischen Soldaten den Späh- und Schutzpanzer „Taifun-M“ ein. Aufgebaut ist das moderne Fahrzeug auf der Basis eines BTR-82. Einen Menschen entdeckt die allwettertaugliche Optronik des „Taifuns“ aus drei Kilometern, ein Fahrzeug aus sechs Kilometern Entfernung.

    Auch Roboter stehen den Soldaten für den Begleitschutz zur Verfügung. „Nerechta“ ist so ein System: ein kompaktes ferngesteuertes Kettenfahrzeug, das bereits mehrmals bei Anti-Terror-Übungen erprobt wurde. Seine 12,7-mm-Maschinenkanone setzt Salven von 600 bis 750 Schuss pro Minute ab.

    Als eine Weiterentwicklung der „Jars“ kann das neueste Raketensystem „Awangard“ betrachtet werden. Statt der üblichen nuklearen Sprengköpfe führt dieser Flugkörper Hyperschallgleiter an Bord mit. Das sind Gefechtsköpfe, die mit der 20-fachen Schallgeschwindigkeit ins Ziel gleiten.

    Weil deren Flugbahn unterhalb der Mindesthöhe verläuft, die eine Abfangrakete erreichen muss, um einen Flugkörper abwehren zu können, kommt die „Awangard“ faktisch an jedem Raketenschild vorbei. Die Serienfertigung ist bereits aufgenommen, eine Einheit in der Oblast Orenburg baut gegenwärtig die Infrastruktur auf, um die Rakete in Dienst zu nehmen.

    Auch Interkontinentalraketen mit Flüssigkeitsantrieb setzen russische Streitkräfte ein. Die silogestützten „Wojewoda“- und „Stilet“-Raketen sollen bald durch einen Flugkörper ersetzt werden, der für die Raketenabwehr noch schwerer zu kriegen ist: die RS-28 „Sarmat“.

    Das russische Verteidigungsministerium hat kürzlich mitgeteilt, die Starttests der 200-Tonnen-Rakete seien erfolgreich abgeschlossen. Nun stünden die Flugtests an. Zehn bis fünfzehn Sprengköpfe mit je 750 Kilotonnen Sprengkraft kann dieser Gigant ins gegnerische Gebiet bringen. Die Reichweite der „Sarmat“ liegt bei über 11.000 Kilometern.

    2020 soll die Serienfertigung starten, sodass das erste Regiment mit dieser Interkontinentalrakete den Dienst 2021 antreten kann. Einen vergleichbaren Flugkörper gibt es in der Welt nicht, die „Sarmat“ ist schon die nächste Stufe der nuklearen Abschreckung.

    Schrecken der Meere

    Die zweite Komponente der russischen Atom-Triade sind die strategischen U-Boote, die in den Tiefen der Weltmeere patrouillieren. In den kommenden Jahrzehnten werden sie mit der „Bulawa“-Rakete an Bord den Gegner im Zaum halten.

    Ende der 1990er-Jahre wurde mit der Entwicklung dieser ballistischen Rakete begonnen, 2013 hat die russische Marine sie bekommen, zeitgleich mit dem ersten strategischen U-Boot der „Borej“-Klasse.

    Bei einem Einsatzgewicht von rund 37 Tonnen fliegt die „Bulawa“ circa 8.000 Kilometer weit – das heißt: Die Rakete erreicht ihr Ziel fast von jeder beliebigen Stelle im Ozean aus. Gestartet wird sie je nach Bedarf unter oder über Wasser.

    Im Zielgebiet setzt sie sechs bis zehn Sprengköpfe frei, die unabhängig voneinander mit Hyperschallgeschwindigkeit die Ziele ansteuern. Im Zielanflug ändern sie permanent die Flughöhe und den Kurs.

    Bis 2020 soll die russische Marine acht U-Boote der „Borej“-Klasse erhalten, jedes hat dann 16 „Bulawa“-Raketen an Bord. Auf 30 bis 40 Jahre ist die Dienstzeit des neuen Flugkörpers angesetzt.

    Herren des Himmels

    Die dritte Komponente der Triade – die strategische Bomberflotte – wird auch nicht vernachlässigt. Deren Rückgrat sind heute der Langstreckenbomber Tu-95 und der Hyperschallbomber Tu-160. Pro Jahr werden diese Maschinen tiefgreifend modernisiert.

    Mehrere modernisierte Versionen setzen die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte bereits ein. Bewaffnet werden sie unter anderem mit dem neuen Marschflugkörper Ch-101/102. Die Raketen können mit konventionellem wie nuklearem Sprengkopf bestückt werden. Bei einem Einsatzgewicht von rund zweieinhalb Tonnen fliegen sie 5.500 Kilometer weit.

    Nicht selten nehmen auch die Hyperschallbomber Tu-22M3 an strategischen Manövern teil. Eigentlich haben diese Maschinen andere Aufgaben als die nukleare Abschreckung. Aber es ist geplant, diese Flugzeuge künftig mit den „Kinschal“-Raketen zu bewaffnen.

    Mit zehnfacher Schallgeschwindigkeit überwinden diese Flugkörper jedes gegenwärtig bekannte Raketenabwehrsystem. Ob mit konventionellem oder nuklearem Sprengkopf – ihr Ziel erreicht die „Kinschal“ aus 2.000 Kilometern Entfernung.

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    Interkontinentalrakete, Atomwaffen, Langstreckenbomber, Atom-U-Boot, Taifun-M, Bulawa-Rakete, Jars, Tu-22M3, Borej (U-Boot), Avangard, Interkontinentalrakete RS-28 Sarmat, Verteidigungsministerium Russlands, Russland