00:14 20 September 2018
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    „Ein Wahnsinnsgefühl!“: Mit 467 Stundenkilometern durch die Röhre – Hyperloop-Sieger

    © Foto : WARR Hyperloop
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    Valentin Raskatov
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    Auf 467 Kilometer pro Stunde brachte es die Kapsel eines Studententeams aus München beim diesjährigen Hyperloop-Wettbewerb. Damit belegten sie den ersten Platz. Ihr Trick: viele kleine Elektromotoren. Bis zur Hyperloop-Technologie als Verkehrsmittel ist es aber noch ein weiter Weg.

    Die Zukunft des Transports bewegt sich nicht auf Rädern oder Schienen und fliegt nicht durch die Luft. Sie rauscht in Vakuumröhren auf Luftpolstern mit Geschwindigkeiten von bis zu 1000 Kilometern pro Stunde dahin und verbraucht dabei deutlich weniger Energie als gängige Transportmittel. Denn hier fällt aufgrund des Teilvakuums in der Röhre der Luftwiderstand auf ein Minimum ab, was in der Praxis die meiste Energie verschlingt. In Zukunft könnte ein Netz solcher Röhren über Hunderte Kilometer große Städte miteinander vernetzen und Reisen mit Höchstgeschwindigkeiten einfach und wirtschaftlich machen. So lautet zumindest die Vision des US-amerikanischen Unternehmers Elon Musk.

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    Um diese Entwicklung voranzutreiben, wird jährlich der Wettbewerb „Hyperloop Pod Competition“ (Deutsch: Hyperloop-Kapsel-Wettbewerb) veranstaltet, bei dem Teams aus verschiedenen Ländern ihre Kapseln gegeneinander antreten lassen. Die Sieger des Jahres 2018 sind Studenten von der Technischen Universität München, die sich als „Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt“ (WARR) der Technologie zugewandt haben.

    Die „Hyperloop Pod Competition“ findet jedes Jahr in Los Angeles statt
    © Foto : WARR Hyperloop
    Die „Hyperloop Pod Competition“ findet jedes Jahr in Los Angeles statt

    Von einem „Wahnsinnsgefühl“ spricht der Teamleiter des Münchener Hyperloop-Projekts Florian Janke angesichts des zweiten Siegs seines Teams in Folge. Er betont auch: „Der Wettkampf ist gnadenlos.“ Gegen Teams aus aller Welt habe sich das Münchener Team in Los Angeles mit einer Höchstgeschwindigkeit von 467 Stundenkilometern behauptet.

    So sah die Fahrt aus:

    Schon beim vorigen Rennen, als die Münchener ebenfalls siegten, hatten sie einen Elektromotor eingesetzt. Damals erreichten sie noch 324 Kilometer pro Stunde als Höchstgeschwindigkeit. Sie merkten aber, dass man mit größeren Motoren nicht über eine gewisse Leistungsgrenze hinauskommt, da diese auch immer neues Gewicht ins Spiel bringen. Stattdessen entschieden sie sich vor dem Wettbewerb 2018 für einen neuen Ansatz: Insgesamt acht kleine Motoren mit je 30 Kilowatt trieben bei ihrer neuen Kapsel die insgesamt acht Räder an.  So brachten sie „viel mehr Leistung in ein kleineres Gewicht“, erklärt Janke.

    Der „Pod“ des Teams WARR im Detail:

    Das selbstgesteckte Ziel von 600 Kilometern die Stunde haben die Studenten allerdings nicht erreicht. Dafür führt Janke ein paar Gründe an: Zum einen könne man schlichtweg nicht genügend Tests durchführen. „Wir haben hier in Europa leider keine Teststrecke in der Größenordnung, auf der wir testen könnten.“ Eine kleine Strecke haben die Münchener zwar gebaut, aber da kann die Höchstgeschwindigkeit nicht erreicht werden. Außerdem sei der Wettbewerb „kompromisslos“, jedes Team dürfe nur einmal fahren. Gibt es eine technische Panne – und deren gab es beim Wettbewerb zuhauf – hat man einfach Pech gehabt. Und schließlich ist laut dem Teamleiter von WARR die Strecke in Los Angeles von schlechter Qualität. Da sie nicht wirklich gerade sei, träten auch Verluste auf, mit denen man vorher nicht gerechnet habe. Das wirkt sich dann auch auf die Geschwindigkeit aus.

    Nicht alles war perfekt, aber am Ende waren die Münchener die Sieger
    © Foto : WARR Hyperloop
    Nicht alles war perfekt, aber am Ende waren die Münchener die Sieger

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    Also fliegen bald auch bei uns Kapseln durch Röhren? „Da muss noch ziemlich viel passieren“, ist sich der Teamleiter sicher. Bei dem jetzigen Test sei es nur um das Thema Geschwindigkeit gegangen, nicht um den Personentransport. Für letzteren müsse eine spezielle Druckkapsel entwickelt werden, in der die Passagiere die Reise sicher antreten können. Es müssten zudem Sicherheitsbestimmungen erarbeitet werden, wie gewährleistet werden soll, dass Reisende im Notfall aussteigen können. Schließlich müsste die Röhre selbst noch ausgestaltet werden. Laut Janke ist sie der größte Kostenfaktor, der am Ende über die Wirtschaftlichkeit des Projekts Hyperloop entscheiden wird.

    Interviewpartner Florian Janke (2. v. r.)
    © Foto : WARR Hyperloop
    Interviewpartner Florian Janke (2. v. r.)

    Das komplette Interview mit Florian Janke zum Nachhören:

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    Tags:
    Verkehrsmittel, Innovationen, Technologien, Hyperloop, Elon Musk, Deutschland, Kalifornien, USA