00:14 18 Oktober 2018
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    Kampfjet MiG-29 der Kunstflugstaffel Strischi

    Wer hat’s noch drauf? Kampfjet-Veteranen Russlands und der USA im Vergleich

    © Sputnik / Alexej Danitschew
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    Andrej Koz
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    Westlichen Kampfpiloten treibt das Steuern einer MiG-29 Schweißperlen auf die Stirn. Wer das Fliegen mit der leichteren F-16 gelernt hat, dem kommt das russische Jagdflugzeug beim ersten Griff nach dem Steuerknüppel schwerfällig und ungelenk vor. Die beiden Jagdflugzeuge haben aber durchaus auch Gemeinsamkeiten.

    Die Nato-Piloten, die nach dem Zerfall der Sowjetunion das Glück hatten, mit einer MiG-29 abzuheben, konnten sich vor Begeisterung kaum noch zügeln: „Ich bin von der Beweglichkeit dieser Maschine überwältigt“, schwärmte ein kanadischer Pilot nach einem Flug mit der MiG.

    „Das ist ein Jagdflugzeug mit unglaublicher Manövrierbarkeit. Bei den Flugeigenschaften zieht es mit den vergleichbaren westlichen Kampfjets gleich, bei manchen Parametern ist es sogar überlegen.“

    Die MiG-29 flog am 6. Oktober 1977 in der Sowjetunion zum ersten Mal. Entwickelt wurde das Jagdflugzeug als Gegenstück zu den leichten Kampfjets der Nato wie der F-16 Fighting Falcon. Vor genau 40 Jahren stellte die US Air Force den ersten „Kampffalken“ in Dienst.

    In den Siebzigerjahren wurde den Verantwortlichen in den Vereinigten Staaten klar, dass die US-Luftwaffe als Ergänzung zur schweren und teuren F-15 eine leichte und technologisch hochwertige Maschine brauchte.

    General Dynamics gewann die Ausschreibung des Pentagons, drei Jahre lang wurde der Prototyp der F-16 getestet, bald darauf wurde die Serienfertigung aufgenommen. Bis heute sind circa 4500 Flugzeuge dieses Typs gebaut worden – ein Weltrekord unter leichten Kampfflugzeugen.

    F-16-Kampfjet
    © Sputnik / Alexander Kovalev
    F-16-Kampfjet

    Die F-16 war ein innovatives Modell. Die Ingenieure haben sich viele technische Lösungen einfallen lassen, um die Maschine auf den Piloten zuzuschneiden. Die nahtlose Cockpithaube etwa verbesserte die Rundumsicht, ein Sidestick – also ein neben dem Piloten positionierter Steuerknüppel – verbesserte die Bedienbarkeit und die Ergonomie der Pilotenkanzel.

    Gebaut wurde das leichte Jagdflugzeug in vier Hauptversionen: die einsitzige F-16A und ihr doppelsitziges Pendant F-16B sowie die modernisierten Varianten F-16 C und D. Die beiden letzteren sind am meisten verbreitet. Allein die Air Force zählt an die tausend Maschinen dieses Typs.

    Su-35 beim Fliegerwettbewerb Aviadarts 2015
    © Sputnik / Vladimir Astapkovitsch
    Die F-16 schützt den Luftraum von über 25 Staaten, war an dutzenden Konflikten auf der ganzen Welt beteiligt, von 1981 im Libanon bis gegenwärtig in Syrien. Auch als Jagdbomber kommt der leichte Kampfjet zum Einsatz.

    Das Abfluggewicht einer F-16 beträgt 22 Tonnen. Damit erreicht sie eine Geschwindigkeit von 2120 Stundenkilometern in zwölf Kilometern Höhe. Der Einsatzradius liegt bei 1760 Kilometern. Seiner Rolle als Mehrzweckjäger entsprechend ist das Flugzeug vielfältig bewaffnet: Luft-Luft-Raketen nimmt es ebenso auf wie Lenkbomben und Anti-Schiffs-Raketen.

    Laut Pentagon wurde bisher keine einzige F-16 bei einem Luftkampf verloren. Allerdings sind seit 2017 über 600 Vorfälle mit diesen Kampfflugzeugen registriert worden: Vom Boden aus kann die Maschine offenbar empfindlich getroffen werden. Im Irak-Krieg von 1991 zum Beispiel schoss die irakische Flugabwehr sechs amerikanische F-16 ab.

    Gleichrangige Gegner

    Als Gegenstück zum leichten und agilen Kampfjet der US-Luftwaffe entwickelte die Sowjetunion die MiG-29. Ihr Einsatzzweck bestand hauptsächlich darin, die Luftdominanz an einem bestimmten Frontabschnitt zu sichern.

    Fernpatrouillen und die freie Jagd auf den Gegner waren den größeren Su-27 in ihren unterschiedlichsten Versionen überlassen. Die MiG sollte hingegen abschnittsgebunden eingesetzt werden, beispielsweise zum Schutz von Heeres- und Panzerverbänden vor Luftangriffen und zur Abwehr von Spionageflügen.

    Solche Einsatzlagen sehen vor, dass die Kampfflugzeuge von kleineren, schlecht vorbereiteten Pisten in Frontnähe starten. Deshalb wurde die MiG-29 von Beginn an als eine technisch unkomplizierte und absolut zuverlässige Maschine entwickelt.

    Mehrzweck-Kampfjet Su-27 (Archivbild)
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Mehrzweck-Kampfjet Su-27 (Archivbild)

    Das wird eben bei der Steuerung besonders deutlich: Bei einer MiG-29 funktioniert diese noch mechanisch, während die gleichaltrige F-16 elektronisch gelenkt wird, durch Fly-by-Wire. Dafür ist die MiG ihrer US-Rivalin bei anderen Merkmalen überlegen.

    Die 29er ist eine sehr flotte Maschine. Die zwei Triebwerke bringen den Jäger im Nachbrennermodus auf 2450 Stundenkilometer. Das russische Flugzeug ist um einige Minuten schneller am Ziel als die F-16.

    Dank größerem Schub ist die MiG-29 dem amerikanischen Kampfjet im Luftkampf überlegen, sie ist insgesamt manövrierfähiger. Dafür ist die Fighting Falcon mit bloßem Auge aus bestimmten Blickwinkeln deutlich schwieriger zu erkennen.

    Was die Zukunft bringt

    Beide Flugzeuge werden permanent weiterentwickelt. Die neueste Version des russischen Jets ist die MiG-35S, die erstmals auf der Moskauer Luftfahrtmesse MAKS-2017 vorgestellt wurde. Es handelt sich dabei im Grunde um eine absolut neue Maschine.

    Ihr neues Radar mit einer Phased-Array-Antenne verfolgt bis zu 30 Ziele gleichzeitig auf 200 Kilometer Distanz. Gesteuert wird die Maschine über ein Fly-by-Wire-System, die modernisierten Treibwerke sind mit Schubvektorsteuerung ausgerüstet, die Zuladung wurde erhöht, die Treibstofftanks vergrößert.

    Natürlich ist auch die Elektronik auf dem neuesten Stand: Zusätzlich zu verfügbaren Bordsystemen können Optronikmodule an den Außenlaststationen aufgenommen werden, der Pilot erhält alle wichtigen Daten auf sein Helmdisplay projiziert.

    MiG-35 bei Luftfahrtmesse MAKS 2015
    © Sputnik / Maksim Blinow
    MiG-35 bei Luftfahrtmesse MAKS 2015

    Bei all den Neuerungen ist die MiG-35S deutlich günstiger im Betrieb als ihre Vorgängerin. Die Kosten einer Flugstunde sind bei dem neuen Jet im Vergleich zur 29er mehr als halbiert worden.

    Doch auch die Amerikaner schreiben ihren Kampfjet-Klassiker noch lange nicht ab. Im Oktober 2015 wurde die neueste Version F-16V Viper vorgestellt. Mehrere Länder haben bereits Interesse angekündigt, ihre F-16-Flotte auf den neuesten Stand upgraden zu lassen.

    Viele Experten schätzen die F-16V und die MiG-35S als gleichwertige Flugzeuge ein. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den beiden Maschinen, doch sind sie nicht so groß, dass sie nicht durch die Fähigkeiten der Piloten ausgeglichen werden könnten. Die neuesten Versionen werden sicherlich noch vielen Armeen einige Jahrzehnte lang gute Dienste erweisen.

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    Tags:
    Kampfjets, Jagdflugzeug, Vergleich, Luftstreitkräfte, MiG-35, F-16, MiG-29, Su-27, MiG, Sukhoi-Konzern, Lockheed Martin, USA, Russland