17:58 18 September 2018
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    Das dieselelektrische U-Boot des Projekts 677 Lada (Archiv)

    Atemlos auf Tauchgang: Russlands Marine setzt auf luftautonome U-Boote

    © Sputnik / Aleksej Danitschew
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    Andrej Koz
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    Ein Atom-U-Boot kann ewig unter Wasser bleiben, zumindest solange die Lebensmittelvorräte für die Besatzung reichen. Ein diesel-elektrisches Boot aber muss immer wieder auftauchen: Luft holen, Dieselgeneratoren anwerfen, Akkus aufladen. Dabei sind gerade solche U-Boote in flachen Gewässern unverzichtbar. Also muss ein neuer Antrieb her.

    Über Wasser ist ein U-Boot absolut schutzlos. Es ist weder mit Maschinenkanonen bewaffnet, um gegnerische Boardingteams zu bekämpfen, noch kann es Luft- und Raketenangriffe abwehren. Selbst ein Alarmtauchen bringt nur kurzfristig etwas: seine Position hat das Boot dann schon verraten, der Gegner nimmt die Verfolgungsjagd auf.

    „Wir haben eine Serie kleiner U-Boote mit einer Wasserverdrängung von 200 bis 1.000 Tonnen entwickelt. Einer ihrer größten Vorteile ist die Verwendung eines außenluftunabhängigen Antriebs“, sagt der Chefentwickler des russischen Schiffsbauers „Malachit“, Igor Karawajew. „In flachen Gewässern, Meerengen und Buchten sind diese Boote in ihrem Element. Sie können sogar in gegnerische Häfen und Stützpunkte eindringen. Das hohe Maß an Unentdeckbarkeit, die geringen Abmessungen und die Fähigkeit, wochenlang ohne Auftauchen unter Wasser zu bleiben, machen diese U-Boote perfekt für Aufklärungseinsätze und Überraschungsangriffe.“

    Im April dieses Jahres hat der Schiffsbauer „Malachit“ den Prototypen eines außenluftunabhängigen, auf einer Gasturbine basierenden Antriebs getestet. Gerade in kleinen U-Booten, die bislang nur als Modell zu sehen sind, sollen diese Antriebsysteme zum Einsatz kommen.

    Der Motor eines nicht-atomaren U-Boots wird von Akkus betrieben, deren Ladekapazität für höchstens vier Tage reicht – vorausgesetzt das Boot bewegt sich nur schleichend vorwärts. Heißt es aber „Volle Kraft voraus!“ sind die Energiespeicher nach wenigen Stunden leer.

    Dann müssen die Dieselgeneratoren ran und die Batterien wieder aufladen, was bis zu zwei Tage dauern kann. Und dafür braucht das Boot Sauerstoff, es muss also auftauchen. Eine Möglichkeit ist zwar, die Generatoren mittels eines Schnorchels mit Außenluft zu versorgen. Doch auch diese, Mitte des letzten Jahrhunderts aktiv verwendete Technik erhöht das Risiko, von den elektromagnetischen, optronischen oder Infrarot-Sensoren des Gegners entdeckt zu werden.

    Eine außenluftunabhängige Antriebsanlage kommt ohne Schnorchel und Auftauchen aus. Es gibt allerdings nicht viele Flotten, die diese Technik einsetzen. Die US-Navy hat sich für diese Technologie nur mäßig interessiert und fährt fast ausschließlich mit Atomkraft.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Russland entwickelt „U-Boot-Mörder“ – Medien

    Die Franzosen sind den gleichen Weg gegangen, bieten allerdings diesel-elektrische Boote für den Export an. Die U-Boote der Scorpene-Klasse werden von Turbinen im geschlossenen Zyklus angetrieben. Ethanol und flüssiger Sauerstoff dienen als Treibstoff bzw. Oxidationsmittel. Bis zu drei Wochen lang kann eine „Scorpene“ autonom unter Wasser bleiben.

    O'Higgins-U-Boot des Typs Scorpene
    © AFP 2018 / MYCHELE DANIAU
    "O'Higgins"-U-Boot des Typs Scorpene

    Eine andere Strategie verfolgt die deutsche Marine mit der U-212/214. Die U-Boote dieser Klasse haben einen hybriden Antrieb: bei Überwasserfahrt arbeiten Dieselgeneratoren mit 1.050 KW Leistung. Die können auch unter Wasser mit einem Schnorchel genutzt werden.

    Wenn das Boot aber heimlich und leise vorwärtskommen muss, treibt ein Siemens-Elektromotor die Propellerwelle an. Dann kommt die Energie aus neun wassergekühlten Brennstoffzellen. Sie werden mit flüssigem Sauerstoff aus Drucktanks und Wasserstoff aus Metallhydridspeichern gespeist.

    U-Boot (U 34) der Klasse 212A in Fahrt
    U-Boot (U 34) der Klasse 212A in Fahrt

    Russlands Flotte kann gegenwärtig keine U-Boote mit außenluftunabhängigem Antrieb einsetzen. Die Technik wird momentan entwickelt und soll in den nächsten Jahren ausgeliefert werden.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Russlands und Chinas U-Boote stellen Gefahr für USA dar — NI

    Das russische Verteidigungsministerium hatte mehrmals versichert, die U-Boote der Lada-Klasse würden mit luftautonomen Antriebssystemen ausgerüstet werden. Die ersten drei Boote dieser Klasse – die „Sankt Petersburg“, die „Kronstadt“ und die „Welikije Luki“ – brauchen jedoch die Außenluft zum Fahren.

    Das nächste U-Boot der Lada-Klasse soll bis 2025 vom Stapel laufen und dann einen außenluftunabhängigen Motor haben, ganz sicher. Viel ist über diese Technik nicht bekannt – nur so viel, dass sie auf einem Dampfkonvektor, einer Brennstoffzelle und Festkörperspeichern basieren wird.

    „Der globale Trend in der U-Boot-Technik ist der vollständige Verzicht auf Dieselgeneratoren“, erklärt der Militärexperte Wiktor Murachowski. „Eine günstigere Alternative wären die Lithium-Polymer-Akkus, die nach einer Aufladung wesentlich länger leistungsfähig bleiben, als die Speicher, die die russische Marine heute einsetzt. Aber deren Produktion muss in Russland erst von Null auf aufgebaut werden“, sagt der Fachmann.

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    Tags:
    autonom, Strategie, Entwicklung, U-Boot, Russland