02:30 20 September 2018
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    Ein Patriot-System (Archivbild)

    Kiew will US-Raketen: Kampfansage gegen Moskau – Schlag gegen das eigene Volk

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    Für Bildung, Gesundheit und Soziales fehlt Kiew das Geld – für Waffen, Munition und Raketen ist es immer reichlich vorhanden. So kommentiert der Militäranalyst Juri Kotenok die Absicht der ukrainischen Führung, amerikanische „Patriot“-Abwehrraketen zu beschaffen.

    „Was ist schon dabei, dass die Regierung an der eigenen Bevölkerung einen Genozid verübt?“ sagt der Experte. „Der Sozial- und Bildungsbereich, das Gesundheitswesen in der Ukraine verfallen. Für neue Waffen und die Umrüstung der Armee aber wird das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Und das alles geschieht unter der Schirmherrschaft des Westens.“

    Die Kiewer Führung möchte die Flugabwehr mit amerikanischen Raketen verstärken, sagte der ukrainische US-Botschafter, Walerij Tschalyj. Mindestens drei Patriot-Systeme sollen beschafft werden, eine entsprechende Anfrage an Washington sei bereits gerichtet worden.

    Präsident Poroschenko habe seinen Amtskollegen Trump bei einem Treffen in Brüssel darum gebeten, wie auch den Sicherheitsberater John Bolton bei dessen jüngstem Besuch anlässlich der Militärparade in Kiew, sagte der Diplomat.

    Der Botschafter erklärte außerdem, die ukrainischen Streitkräfte hätten großen Bedarf an Drohnen, Artillerieradaren und Anti-Scharfschützen-Systemen. Ob die ukrainische Regierung Washington auch um diese Waffen bereits gebeten hat, ließ der Botschafter offen.

    So klar die ukrainische Führung ihren Bedarf vorträgt, so wenig kann sie durch die Zahlungsfähigkeit überzeugen: Die Ukraine ist gegenwärtig mit über sechs Milliarden Euro verschuldet – das sind 80 Prozent der ukrainischen Wirtschaftsleitung (die größte Staatsverschuldung in Europa). Indes kosten die Patriot-Systeme 750 Millionen Dollar das Stück.

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    Wozu braucht die ukrainische Armee überhaupt kostspielige Abwehrraketen? Sie müssen dann ja auch in die bestehenden Strukturen der ukrainischen Streitkräfte eingegliedert, das Personal entsprechend geschult werden. Das alles kostet nochmal Geld.

    „Es gibt hier ein gegenseitiges militärisches Interesse“, sagt der Militärexperte Boris Roschin. „Einerseits ist die ukrainische Flugabwehr in der Tat sehr schwach, weil sie auf alten Sowjetwaffen wie dem „Buk“ basiert. Andererseits könnte dieser Deal auch einflussreiche Gönner innerhalb des Weißen Hauses und des Pentagons haben. Der Hersteller der Patriot-Raketen könnte an dem Auftrag interessiert sein.“

    Dass die Ukraine sich für den Patriot-Deal verschulden müsste, an dem allein die USA verdienen würden, steht außer Frage: „Washington gewährt Kiew 250 Millionen Dollar Militärhilfe. Ein Patriot-System kostet das Dreifache.“

    Fachleute sind derweil überzeugt, dass die drei Anlagen, die die Ukraine beschaffen will, die Flugabwehr nur unwesentlich verstärken würden. Ohnedies hat Kiew nicht die besten Erfahrungen mit Waffenlieferungen aus den USA gemacht.

    „Man denke an die gebrauchten Schnellboote, die die Vereinigten Staaten der ukrainischen Marine vor eineinhalb Jahren haben übergeben wollen. Die stehen immer noch in einem amerikanischen Hafen herum. Dabei hat Kiew diese Lieferung im Vorfeld auch lauthals als Erfolg verkündet“, sagt der Militärexperte Roschin.

    Aber: Es ist der US-Führung natürlich auch klar, dass amerikanische Raketen in der Ukraine den Konflikt im Donbass eskalieren würden. „Deshalb haben die USA bisher auf die Lieferung solcher Waffentypen verzichtet, um den Konflikt im steuerbaren Rahmen zu halten“, so der Fachmann.

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    Doch der Militäranalyst Juri Kotenok warnt davor, den Eskalationsgrad und die Gefahr, die von der Ukraine gegenwärtig ausgehe, zu unterschätzen: „Nur ein Blinder könnte die Bedrohung übersehen, die sich momentan an Russlands südwestlicher Grenze verdichtet“, sagt er. „Das alles wird unter dem Deckmantel der Modernisierung der ukrainischen Armee präsentiert. Tatsächlich aber versucht die Ukraine jetzt schon auf Nato-Standard umzurüsten.“

    Man nehme die Artillerieradare als Beispiel, die kürzlich bei der Parade gezeigt wurden. „Sie kommen bereits im Donbass zum Einsatz. Nicht in großer Zahl natürlich, aber sie werden eingesetzt.“

    Und nochmal: „Man darf die ukrainischen Streitkräfte nicht unterschätzen“, sagt der Analyst.

    „Manche Experten sind der Ansicht, die Ukraine könne sich die Anschaffung teurer Waffentechnik überhaupt nicht leisten. Doch dafür – für die Ausrüstung der ukrainischen Armee, die potentiell auch gegen die russischen Streitkräfte eingesetzt werden kann – wird der Westen immer zu besonders günstigen Konditionen Kredite bereitstellen“, erklärt der Experte.

    Die angepeilte Anschaffung der Patriot-Raketen macht das ganz deutlich: „Die Ukraine wird schrittweise in den Aufbau einer Raketenabwehr hineingezogen, die nur gegen Russland gerichtet ist. Die Patriots passen da sehr gut ins System. Es sind keine reinen Defensivwaffen, sie können auch als Angriffswaffen genutzt werden“, sagt Kotenok.

    Wenn man die Raketenanlagen etwa in der Nähe der russischen Gebiete Brjansk, Woronesch oder Belgorod stationiert, „dann wird die Anflugzeit der Raketen auf russische Wohnviertel und Armeeobjekte in Sekunden gezählt“, erklärt der Fachmann. „Das ist doch eine klare Kampfansage gegen Russland.“

    Russland wird darauf unter hohem Aufwand reagieren müssen. „Genau das will die Gegenseite bezwecken“, so der Experte. „Leider ist die Ukraine heute schon in den Wirkungsbereich der Nato eingebunden. Das ist fast wie ein Beitritt zur Allianz, nur ohne offizielle Erklärung.“

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    Tags:
    Flugabwehrrakete, Rakete, Patriot, US-Flugabwehrraketen Patriot, Flugabwehrraketensystem Patriot, USA, Washington, Russland, Ukraine