02:31 20 September 2018
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    Übungen in Kasachstan, Testgelände Sary-Schagan (Archivbild)

    Eine gegen alle: Russland testet Abfangwaffe gegen Raketen-Pulk aus den USA

    © Sputnik / Ministry of Defence of Russian Federation
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    Russland erprobt gegenwärtig einen Flugkörper, der einen ganzen Block ballistischer Interkontinentalraketen abwehren kann. Die Waffe wurde kürzlich auf einem Testgelände in Kasachstan versuchsweise gestartet, wie das russische Verteidigungsministerium bekanntgibt. Die Erprobung verlief demnach erfolgreich.

    Beim Einsatzradius, bei der Treffgenauigkeit, bei der Dienstdauer – kurzum: bei den taktisch-technischen Parametern – übertrifft die neue Abfangrakete die heutigen Abwehrsysteme erheblich, erklärte ein Sprecher der russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte.

    Es handele sich um einen modernisierten Flugkörper, sagte der Sprecher noch. Und das ist ein entscheidender Punkt: „Modernisiert“ heißt, die Rakete sei „auf der Basis eines anderen, bereits verfügbaren Systems“ entwickelt worden, erklärt der Militärexperte Alexej Leonkow.

    Laut dem Analysten handelt es sich um das A-135-Abfangsystem. Dessen „harter Kern“ sind silogestützte Abfangraketen, die die russische Hauptstadt, deren Einzugsbereich und das zentralrussische Industrierevier beschützen.

    „Die neue Rakete wird weiter, schneller und präziser fliegen. Darauf weist das Verteidigungsministerium hin. Von erheblicher Verbesserung eines Systems spricht man üblicherweise dann, wenn die technischen Parameter mindestens um das Eineinhalbfache gesteigert wurden. Die Behörde nennt keine konkreten technischen Daten der neuen Rakete, den Gefallen tut das Verteidigungsministerium den Kollegen aus den USA natürlich nicht“, sagt der Militärexperte.

    Bei der Optimierung des Raketenschilds fährt das russische Verteidigungsministerium gewissermaßen zweigeleisig, erinnert der Analyst: „Zum einen werden die bereits verfügbaren Kurz- und Langstreckenraketen A-135 modernisiert. Zum anderen werden mobile Raketensysteme entwickelt. Sie heißen A-235 und sollen russlandweit stationiert werden können.“

    Der technische Trick der A-135-Rakete ist der, dass sie die anfliegenden Interkontinentalraketen des Gegners sowohl einzeln als auch im ganzen Block vernichten kann. Die amerikanischen Strategen setzen auf einen Angriff im Pulk, das heißt einen massiven Entwaffnungsschlag mit konventionellen ballistischen Raketen, die in Unmengen ankommen und allein deshalb nicht abgewehrt werden können.

    „Der erfolgreiche Test der modernisierten Rakete ist ein Signal an die Amerikaner, dass wir ein Gegenmittel gegen diese Strategie haben“, sagt der Experte Leonkow.

    Die getestete Rakete ist zwar das Kernstück des russischen Raketenschilds, aber sie „arbeitet“ nur im Verbund mit anderen Systemen: Ohne „eine Frühwarnkomponente im Weltraum“ wären die Raketen quasi blind.

    „Sobald die Aufklärungssatelliten einen massiven Raketenstart – wo auch immer dieser stattfindet – feststellen, errechnen sie den wahrscheinlichen Zielort. Sie werten die Daten aus, senden die Informationen an die Leitstellen, geben das Kommando zum Gegenschlag“, erklärt der Analyst. „Der Gegner denkt, er könne uns mit einem Schlag auf die Knie zwingen. Aber lange wird seine Freude nicht währen.“

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    Tags:
    Aufklärungssatelliten, Abfangsystem, Raketenschild, ABM-3 Gazelle, А-135, A-235, Alexej Leonkow, Kasachstan, USA, Russland