20:59 24 September 2018
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    Start der Tomahawk-Rakete (Symbolbild)

    Neuzugang bei der Flugabwehr: Was hat der neue „Tomahawk-Stopper“ drauf?

    CC BY-SA 2.0 / Naval Surface Warriors / 150326-N-UG232-060
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    Eine smarte Lenkwaffe, ein rechnergestütztes Feuerleitsystem und eine vielfach höhere Wirkungskraft – die russische Flugabwehr wird mit modernisierten FlaRak-Systemen ausgerüstet. Vom Vorgänger hat der Buk-M3 eigentlich nur den Namen übernommen.

    Ein Druck auf den Startknopf, der Werfer bebt und schon zeigt nur noch ein Rauchstrich am Himmel an, dass hier gerade eine Rakete abgefeuert worden ist. Der Systemoffizier muss sich nicht weiter darum kümmern: Die Lenkwaffe fliegt nach dem Fire-and-Forget-Prinzip selbstständig ins Ziel.

    Denn der Gefechtskopf der Flugabwehrrakete eines Buk-M3-Systems ist mit einem autonomen Radarsuchkopf ausgerüstet. Damit findet und verfolgt die Abfangwaffe das Zielobjekt selbstständig. Nur wenn das Ziel so weit entfernt ist, dass es sich noch hinter dem Horizont versteckt, springt ein Feuerleitradar ein: es erfasst das gegnerische Objekt und führt die Rakete präzise dorthin.

    Kenner können ein BukM3-System auf Anhieb von seinem Vorgänger unterscheiden: sechs Startcontainer statt wie bisher vier „nackte“ Raketen trägt das Kettenfahrzeug auf dem Rücken. In den Startbehältern lauern neue Flugabwehrlenkwaffen vom Typ 9M317M auf Eindringlinge.

    Bei den technischen Parametern übertreffen sie die bisherigen Raketen um mehr als das Doppelte. Sie sind imstande, alle heute bekannten Luftfahrzeuge auf 2,5 bis 70 Kilometer Entfernung und in höchstens 40 Kilometern Höhe abzufangen – auch Zielobjekte, die mit Hyperschalltempo (bis zu drei Kilometer pro Sekunde) anfliegen.

    Man kann also sagen: Einem Buk-M3 entkommen weder Flugzeuge (auch solche mit Tarnkappeneigenschaften) noch ballistische Raketen oder Marschflugkörper. Und außer den Zielen in der Luft, kann das neue System auch See- und Bodenobjekte bekämpfen.

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    Die Rakete 9M317M ist hochmanövrierfähig, hält kolossale Belastungen aus und kann somit auch Zielobjekte verfolgen, die auf einer unberechenbaren Flugbahn fliegen – selbst unter massivem gegnerischen Beschuss oder elektronische Einwirkung.

    Eine der zentralen Eigenschaften von Buk-M3 ist, dass seine Raketen – wie übrigens auch beim S300 oder S400 – aus senkrechter Stellung starten und dann erst den Zielkurs nehmen. Dies erhöht massiv das Feuertempo, nur wenige Sekunde nach der ersten startet schon die nächste Rakete.

    „Die Startcontainer verringern die Rüst- und Nachladezeiten deutlich“, erklärt der Militärexperte Alexej Leonkow. „Beim Beladen der Behälter müsse die Soldaten die Raketen einfach an einer Schiene anbringen, besondere Präzision wird ihnen dabei nicht abverlangt. Außerdem verringert sich dadurch die Gefahr von Beschädigungen am Rumpf oder Leitwerk der Rakete.“

    Tödliches Tandem

    Die Augen und Ohren des Buk-M3 ist das Multifunktionsradar. Bis zu 36 Ziele erfasst und bearbeitet eine Buk-M3-Division gleichzeitig. Das Multikanal-Radar ist unter allen Wetterbedingungen, in jeder Klimazone einsatzfähig, ob bei extremer Hitze oder extremem Frost, tags und nachts.

    Dabei kann der Buk-M3 mit einem anderen System vernetzt werden, dem Tor-M2, das auf kleinere Distanz arbeitet. „So entsteht ein sehr wirkungsstarkes Tandem, das jeden Luftangriff vereiteln kann, sei er auch noch so massiv“, sagt der Militärexperte Leonkow. „Die beiden Komponenten werden zu einem System verbunden, sie priorisieren die Ziele und tauschen Infos darüber aus, welche Objekte bereits abgeschossen sind. Dieser Verbund erhöht die Effektivität deutlich.“

    Dabei setzt sich auch ein Buk-M3-System aus mehreren Komponenten zusammen. Es sind: ein mobiler Leitstand, eine Radar- und Feuerleitstelle, zwei mobile Werfer mit je sechs Startbehältern, ein bis zwei mobile Werfer mit je zwölf Startbehältern und Nachladefahrzeuge.

    Der erste Buk wurde noch zu Sowjetzeiten entwickelt und bei den Sowjettruppen in den Achtzigerjahren in Dienst gestellt. Es konnte Ziele auf 25 Kilometer Entfernung auf 18 Kilometer Höhe bekämpfen. Doch gleich nach der Indienststellung wurde die Entwicklung einer verbesserten Variante aufgenommen.

    Die letzte Version, der Buk-M2, hat sich in Syrien bewährt, bei der Abwehr des Raketenschlags der West-Koalition im April dieses Jahres, sagt der Experte Leonkow. „Der Buk-M2 hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Das System schoss die Ziele ab, auf die die syrische Flugabwehr nicht effektiv genug einwirken konnte.“

    Was gefehlt hat, sei die Möglichkeit der Vernetzung mit den syrischen Flugabwehrsystemen. „Sonst wäre die Effektivität der Abwehr noch höher gewesen“, sagt der Fachmann. „Doch die allerschwierigsten Ziele, besonders die kurz vor Damaskus, wurden von den Buks aufgehalten. Nicht ausgeschlossen, dass auch die neuesten amerikanischen Marschflugkörper auf deren Konto gehen, die von den B-1B-Bombern abgefeuert wurden.“

    >>Andere Sputnik-Artikel: „Für Chaos“: USA planen Aufbau Luftabwehrschilds in Syrien – Medien

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    Tags:
    Hyperschallwaffen, Entwicklung, Luftabwehr, Buk-M3, Tor-M2, Tomahawk-Rakete, Russland