19:36 18 September 2018
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    Amphibienflugzeug Be-42 (Archivbild)

    Monströser U-Boot-Jäger: Darum wird ein sowjetisches Amphibienflugzeug nachgebaut

    © Sputnik / Roman Denissow
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    Das größte und anspruchsvollste sowjetische „fliegende Boot“ hat offenbar eine zweite Chance bekommen. Ein Sprecher der Vereinigten Flugzeugbaukorporation (OAK) hat neulich bekanntgegeben, dass die legendäre Maschine A-40 „Albatros“ (auch Berijew Be-42 genannt), das weltweit größte Amphibienflugzeug, wieder ins Leben gerufen werden könnte.

    Diese Idee ist eigentlich gar nicht neu, wenigstens weil Russland keine ähnlichen Wasserflugzeuge mehr hat, die es aber in einer früher nie existierenden Serienfertigung sehr bräuchte, wenn man bedenkt, dass die Marine-Fliegerkräfte nur über wenige alten Maschinen Be-12 „Tschaika“ verfügen, die ursprünglich noch in den 1970er-Jahren hätten abgeschrieben werden sollen.

    Die Charakteristiken des neuen Wasserflugzeugs (falls das Projekt tatsächlich umgesetzt wird) sind beeindruckend: Die  Rumpflänge und Flügelspannweite betragen mehr als 40 Meter, die maximale Flughöhe liegt bei 13 Kilometern, die Flugweite kann 4000 Kilometer erreichen.

    Ursprünglich wurde die „Albatros“ zwecks Ortung und Vernichtung von gegnerischen U-Booten entwickelt. Sie kann bis 6,5 Tonnen Last bzw. Waffen an Bord nehmen, darunter automatisch gesteuerte Torpedos „Orlan“, die für die Bekämpfung von U-Booten und Überwasserschiffen geeignet sind, Tiefenbomben, Anti-U-Boots-Raketen, Minen usw. Zum Vergleich: das Wasserflugzeug „Tschaika“ kann nur etwa 1,5 Tonnen Last an Bord nehmen.

    Zudem ist das A-40-Modell für Such- bzw. Rettungsoperationen geeignet und kann weit weg von der Küste eingesetzt werden. Zudem können diese Maschinen in der Luft nachgetankt werden, so dass ihre Einsatzmöglichkeiten noch wesentlich größer werden.

    Im Jahr 1991 wurde die „Albatros“-Maschine zum ersten Mal dem ausländischen Publikum gezeigt: Sie nahm an der Luftfahrtmesse im französischen Le Bourget teil und wurde zum einzigen Modell, das der damalige Präsident Francois Mitterand höchstpersönlich sehen wollte. Später folgten große Erfolge bei ähnlichen Messen in Singapur, Neuseeland und Großbritannien. Doch dann gab das russische Verteidigungsministerium dieses Projekt überraschend auf – aus Geldmangel. 

    Amphibienflugzeug Berijew Be-200 TschS
    © Sputnik / Georgij Simarew
    Das Konstruktionsbüro „Georgi Berijew“ wollte es unbedingt retten und bot gleich mehrere zivile Modifikationen dieses Modells an, unter anderem für Feuerwehr- und Rettungseinsätze und sogar für Passagierbeförderung.

    Am Ende entstand das multifunktionale Modell Be-200 – eine kleinere A-40-Version, die extra für das Zivilschutzministerium entwickelt wurde. Vor einigen Jahren zeigte auch das Verteidigungsministerium sein Interessen dafür. Im Sinne eines Vertrags von 2013 hätte das „Berijew“-Konstruktionsbüro sechs Be-200-Maschinen der Militärbehörde zur Verfügung stellen sollen, doch er wurde wegen der Nichtlieferung gekündigt. Der Vizeverteidigungsminister Alexej Kriworutschko teilte allerdings mit, dass ein neues Abkommen die Lieferung von drei solchen Flugzeugen vorsehe.

    Konstrukteure von Be-42 Aleksej Konstantinow (r.) und A. Schinkarenko stehen vor ihrem Amphibienflugzeug (Archivbild)
    © Sputnik / Alexander Lyskin
    Konstrukteure von Be-42 Aleksej Konstantinow (r.) und A. Schinkarenko stehen vor ihrem Amphibienflugzeug (Archivbild)

    Da das Be-200-Modell eine geringere Nutzlast, Geschwindigkeit und Flugweite als die „Albatros“ hat, ist sie eher für die Rolle des Mehrzweck-„Hilfsflugzeugs“ als für die des „U-Boot-Jägers“ geeignet. Allerdings schlossen Vertreter des Verteidigungsministeriums nicht aus, dass dieses Modell auch so eingesetzt werden könnte.

    Da Russlands Seegrenzen enorm lang sind, könnte seine Kriegsmarine solche Mehrzweck-Wasserflugzeuge durchaus brauchen. Experten zufolge könnten die Flugzeugbauer solche Maschinen auch serienmäßig herstellen – das Problem ist dabei nur die Finanzierung. Zudem ist bekannt, dass solche Länder wie China, Indien, Malaysia usw. an A-40- und auch Be-200-Flugzeugen interessiert wären. Konkrete Verträge kamen aber vorerst nicht infrage.

    „Aus technischer Sicht könnte die Industrie dieses Projekt stemmen. Die Frage ist nur, was würde es das Land kosten und ob das Verteidigungsministerium zu solchen Ausgaben bereit wäre“, sagte der Flugzeugexperte Wladimir Karnosow dazu. „Das betrifft den Kauf und die Ausgaben für die technische Wartung. Das Problem ist, dass unsere Flugzeugbauer immer nur wenige Exemplare bauen – und deshalb sind sie wahnsinnig teuer. Für eine effiziente Produktion sind Auftraggeber nötig, unter anderem aus dem Ausland. Und sie gibt es vorerst nicht.“ Dabei seien die technischen Charakteristiken der „Albatros“ schlicht „einmalig“, betonte der Experte.

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    Tags:
    Amphibienflugzeug, Torpedo, U-Boot-Jäger, Be-200, Berijew, Verteidigungsministerium Russlands, François Mitterrand, Sowjetunion, Russland