04:56 19 Oktober 2018
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    Atomenergie (Symbolbild)

    Atommeiler XS aus Russland: Liefern Strom, wo kein Netz da ist

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    Kompakte Kernreaktoren kommen auf Eisbrechern, Kampfschiffen und U-Booten seit langem schon zum Einsatz. Warum dann nicht auch in der ganz alltäglichen Stromversorgung? Der russische Energiekonzern Rosatom jedenfalls wittert einen großen Zukunftsmarkt für die Mini-Meiler.

    Kernkraftwerke mit kleiner Leistung sind vielleicht der Aufbruch in eine neue Zeit in der friedlichen Nutzung der Kernkraft. Davon ist Alexej Lichatschow, Generaldirektor des russischen Staatskonzerns Rosatom, überzeugt. Aus dem Ausland kämen immer mehr Anfragen nach solchen Kraftwerken, sagte der Konzernchef am Rande der 62. Generalkonferenz der Internationalen Atomenergie-Organisation in Wien.

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    Die Nachfrage komme vor allem aus den Ländern, die noch kein weitverzweigtes Stromnetz und keine Großindustrie hätten, die mit Unmengen an Strom beliefert werden müsste, sagte Lichatschow. Inselstaaten zum Beispiel oder Länder mit weitläufigem Gebiet, welches ohne Großinvestitionen eigentlich nicht zu erschließen ist.

    Ein Kraftwerk im Gigawatt-Bereich würde sich für solche Länder nicht rechnen, ein kleiner Atomreaktor hingegen schon. „Aber selbst die Länder, die wir heute im Vertragsportfolio bei Großreaktoren haben, melden Interesse an, auch eine Zusammenarbeit bei Kleinreaktoren zu prüfen“, so der Konzernmanager.

    Natürlich ist auch Russland mit seinem riesigen Territorium an dieser Technik interessiert. Die erste Anlage dieser Art ist bereits fertig: „Akademik Lomonossow“ heißt ein schwimmendes Kraftwerk, das für den Einsatz in der Tschuktschensee bestimmt ist, von wo aus es die Einwohner des Autonomen Kreises der Tschuktschen mit Strom und Wärme versorgen soll.

    „Das schwimmende Kraftwerk ist die erste Anlage dieser Art von Rosatom, das erste schwimmende Kraftwerk der Welt – und ein Signal für die Nutzung dieser neuen kleinen Formen der Kernkraft“, so Lichatschow.

    An stationären Anlagen arbeitet Rosatom derzeit auch, sagte der Konzernchef. Sie entstünden auf der Basis eines Kernreaktors, der in den neuesten russischen Eisbrechern zum Einsatz komme. „Vielleicht bricht in nächster Zukunft eine neue Zeit an, in der Reaktoren von solchen Abmessungen und solchen Leistungen nachgefragt werden.“

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    Gegenwärtig arbeitet Rosatom am Entwurf eines stationären Kernkraftwerks auf der Basis des Reaktors RITM-200. Dieser wird auch in neuen russischen Eisbrechern eingebaut. Der Entwurf sieht zunächst zwei Varianten des Kraftwerks vor: eine Anlage mit einem oder zwei Reaktoren und einer bzw. zwei daran gekoppelten Dampfturbinen.

    Die gesamte Anlage wird modular ausgelegt, ein Block (Reaktor plus Dampfturbine) soll eine Leistung von 50 Megawatt erreichen. Auch wird die Möglichkeit geprüft, die kompakten Kraftwerke zur Wärmeversorgung und Wasserentsalzung einzusetzen.

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    Entwicklung, Technologien, Nutzung, Strom, Atomenergie, Kern, Rosatom, Russland