19:21 12 Dezember 2018
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    E-Fahrzeug EVUM

    „Der Tesla für Entwicklungsländer“: Studenten schaffen günstiges E-Auto für Afrika

    © Foto : EVUM Motors
    Technik
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    Valentin Raskatov
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    Ein elektrisches Auto für afrikanische Farmer? Klingt nach ferner Zukunft, ist aber schon gebaut. Und zwar von Studenten der Technischen Universität München. Der Trick dabei: Auf unnötigen technischen Schnickschnack verzichten und auf die wirklichen Bedürfnisse der Menschen achten. Sputnik hat sich mit einem der Entwickler unterhalten.

    Wer an E-Autos denkt, hat zunächst vor allem neueste Technologie und hohe Kosten im Sinn. Dass das nicht so sein muss, haben Studenten der Technischen Universität München mit ihrem E-Fahrzeug EVUM gezeigt, das speziell auf die Bedürfnisse von Menschen in Afrika zugeschnitten sein soll.

    Hightech bei E-Autos kein Muss

    Die Studenten hätten sich mit dem Thema Mobilität in Entwicklungsländern und Schwellenländern beschäftigt, erklärt Martin Šoltés, Gründer von EVUM Motors, im Sputnik-Interview. Das Ziel sei es gewesen, zu zeigen, „dass man ein Elektro-Fahrzeug auch sehr einfach und robust bauen kann und dass es nicht bedeuten muss, dass die Autos sehr kompliziert sind und nur aus Hightech bestehen“.

    Und so sieht das Fahrzeug aus:

    E-Fahrzeug EVUM
    © Sputnik / EVUM Motors
    E-Fahrzeug EVUM

    Ein Fahrzeug für schlechte Straßen

    „Das größte Problem ist, dass man in der Zielgruppe, die wir anstreben, wenig Mobilität hat“, erzählt Šoltés. Die Zielgruppe sind Farmer. Und das Problem sind – die Straßen. Denn während die Hauptstraßen in Afrika gut ausgebaut seien, fehle den Bauern oft der Anschluss. Die kleineren Straßen sind uneben und nicht asphaltiert. Sie erfordern deshalb spezielle Offroad-Fahrzeuge.

    E-Fahrzeug EVUM
    © Foto : EVUM Motors
    E-Fahrzeug EVUM

    Genau diese Lücke wollten die Studenten mit dem robusten EVUM schließen. Außerdem könnte die Bevölkerung auf dem Land einfach beim Bauern mit in die Stadt fahren, wenn die Ladefläche ausgetauscht wird, denn: „Das Fahrzeug kann auch als Kleinbus verwendet werden.“

    EVUM wird in Afrika gebaut werden

    Die ersten Fahrzeuge werden bei einem Stückpreis von 22.000 Euro liegen und noch in Europa gefertigt werden. Doch dann soll die Produktion nach Afrika ausgelagert werden und in Kooperation mit Partnern vor Ort erfolgen, zu denen „große Industriekonzerne oder kleinere Unternehmen“ gehören. Das sorge für Arbeit vor Ort und für einen Wissenstransfer, ist sich Šoltés sicher.

    Eine Testfahrt des EVUM in Ghana:

    Zur Ausbeutung der Afrikaner in den Produktionsstätten werde es dabei jedoch nicht kommen, betont der Gründer von EVUM Motors: „Die gerechten Lohnverhältnisse garantieren wir durch die Auswahl des Partners, mit dem wir zusammenarbeiten, und wir sind auch in der Produktionsstätte vor Ort mit unserem Personal dabei und schauen uns natürlich auch die Arbeitsbedingungen dort an.“

    Die Entwickler des EVUM, Sascha Koberstaedt (links) und Martin Šoltés (rechts), vor einem Prototypen.
    © Foto : EVUM Motors
    Die Entwickler des EVUM, Sascha Koberstaedt (links) und Martin Šoltés (rechts), vor einem Prototypen.

    Das Fahrzeug sei zwar für Afrika konzipiert, jedoch überall auf der Welt einsetzbar. Das Unternehmen sei bereits „in Gesprächen mit Lateinamerika und Osteuropa“, so Šoltés.

    Das Interview mit Martin Šoltés in voller Länge:

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    Tags:
    Farmer, Konzerne, Fahrzeuge, Schwellenländer, Entwicklungshilfe, Elektromobil, Bauer, Elektrisches Auto, Technologien, Studenten, E-Auto, Elektroantrieb, Hightech, Innovationen, Armut, Tesla, Technische Universität München, Elon Musk, Osteuropa, Ghana, Afrika, München, Bayern, Lateinamerika, Deutschland