19:24 21 November 2018
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    Raketenzerstörer der US-Navy USS Mitscher (Archivbild)

    „Fliegender Holländer“: Warum brauchen die USA unbemannte Korvetten?

    © Foto: U.S. Navy/ Mass Communication Specialist 2nd Class Anthony R. Martinez
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    Andrej Koz
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    Enorm hohe Seeausdauer zur Überquerung der Ozeane, Schutz gegen Piratenüberfälle und genug Platz auf dem Deck für gewisse militärische Erzeugnisse – die US Navy hat auf der Website des Verteidigungsministeriums die Anforderungen für das künftige unbemannte Überwasserschiff mittlerer Klasse – Medium Unmanned Surface Vehicle(MUSV) – publik gemacht.

    Die Unternehmen, die an der Ausschreibung teilnehmen wollen, müssen ihre Angebote bis zum 19. November unterbreiten.

    Über den Ozean

    Das neue unbemannte Schiff wird relativ klein sein – zwölf bis 50 Meter lang. Ungefähr so groß ist auch das russische Anti-Diversions-Motorboot des Projekts 21980 „Gratschonok“. Die US-Marine besteht darauf, dass das Deck des neuen Schiffes groß genug sein muss, damit dort zwei typische Schiffscontainer (einer für 40 Fuß und einer für 20 Fuß Länge) befördert werden können. Seine Höchstgeschwindigkeit sollte bei ruhiger See zwischen 24 und 27 Knoten betragen, die Vormarschgeschwindigkeit sollte mindestens 116 Knoten ausmachen. Die Laufstrecke sollte bei 4500 Seemeilen (ca. 8300 Kilometer) liegen, die Seeausdauer  — bei 60 bis 90 Tagen. Das Schiff sollte ein Dieseltriebwerk für den Brennstoff des Nato-Standards F-76 haben, damit es auf Stützpunkten der europäischen Nato-Verbündeten der USA nachgetankt werden könnte. Der Antrieb sollte eine Leistungsstärke von 300 bis 500 KW haben.

    Die wichtigste Anforderung betrifft aber die maximale Seeausdauer des Schiffes, das auf der ganzen Strecke von nur einer Person ferngesteuert werden könnte. Allerdings sollte es für die provisorische (bis 24 Stunden) Unterbringung einer kleinen Soldatengruppe (bis vier Kampfschwimmer oder Marineinfanteristen) geeignet sein. Notfalls sollten diese den Zugang zu allen MUSV-Anlagen bekommen. Wie das jedoch zu arrangieren wäre, sei bislang unklar, denn an Bord der „Drohne“ seien keine Defensivwaffen vorgesehen.

    Die gesamte Ausrüstung für die Kommunikation mit der Leitzentrale soll auf dem Deck untergebracht sein. Unter anderem geht es um Antennen für Dezimeter- und Millimeterbereiche sowie Kommunikationsanlagen Inmarsat, damit das Schiff ferngesteuert werden kann. Aber einige Aufgaben müsste es auch selbstständig erfüllen können: Hindernisse bzw. Sandbänke umgehen, Wetterbedingungen berücksichtigen usw. Die „Drohne“ müsse Winden der Stärke 5 standhalten können.

    Unbemannter Jäger

    Laut dem Dokument wird die vollständige Liste der Anforderungen bezüglich des MUSV erst später präsentiert, wenn die US-Marine das beste Projekt ausgewählt haben wird. Die Liste der digitalen Anlagen wird eben davon zeugen, welche Aufgaben die neue „Drohne“ erfüllen soll. Vorerst könne man nur vermuten, dass es um ein unbemanntes Aufklärungsschiff gehe, das eine längere Zeit lang einzelnen Schiffen bzw. Schiffsverbänden folgen, Aufgaben zum funkelektronischen Kampf oder zur funktechnischen Aufklärung erfüllen könne.

    Dass an Bord keine Verteidigungswaffen vorgesehen sind, bedeutet nicht, dass diese „Drohne“ keine Schlagwaffen tragen könnte. Russland hat beispielsweise 2011 das Raketensystem Club-K mit einem universalen Startmodul entwickelt, das die Form eines Schiffscontainers hat. Schließlich kann das Schiff kurzfristig vier Personen an Bord nehmen – und damit die Funktion eines provisorischen Stützpunktes für Kampfschwimmer oder Diversanten erfüllen.

    Übrigens bemühen sich die Amerikaner schon seit längerer Zeit um die Entwicklung von unbemannten Schiffen. Im Herbst 2017 kündigten Vertreter des Marine-Instituts der US-Seestreitkräfte an, Drohnen des Typs „Sea Hunter“ zu kaufen, die U-Boote jagen könnten — nicht mehr und nicht weniger.

    Taufe des Atom-U-Boots USS Delaware SSN 791 am 20. Oktober, 2018
    © Foto : Matt Hildreth/Huntington Ingall Industries
    Der erste solche Apparat wurde bereits 2012 bestellt. Vier Jahre später begannen seine Tests. Das wichtigste Ziel dieses Programms ist, ein effizientes Mittel zur Ortung von Diesel-Elektro-U-Booten in Küstengewässern zu entwickeln. Das erste Gerät kostete 23 Millionen Dollar. Seine Länge beträgt 42 Meter, die Wasserverdrängung 145 Tonnen (40 Tonnen davon entfallen auf den Brennstoff). Während der Tests erreichte der Roboter eine Geschwindigkeit von 27 Knoten. Laut den Entwicklern könnte der „Sea Hunter“ einem Sturm der Stärke 5 widerstehen.

    Der „Sea Hunter“ verfügt über modernste Sensoren, Radare und Unterwasserortungsgeräte, so dass er diverse Unter- und Überwasserobjekte orten und erkennen kann. Seine Seeausdauer beträgt etwa drei Monate – dann muss die „Drohne“ nachgetankt  und eventuell repariert werden.

    Eine Drohnen-Schar

    Vor kurzem hat aber auch China seine Konzeption zur Nutzung von Militärdrohnen präsentiert. Vor einigen Wochen wurde im Südchinesischen Meer eine Flottille aus 56 kleinen unbemannten Wasserapparaten getestet. Theoretisch könne eine solche „Schar“ von mit Sprengstoff beladenen Drohnen sogar ein großes Schiff vernichten. Manche Experten zweifeln allerdings an der Effizienz solcher Drohnen im funkelektronischen Kampf.

    Über russische unbemannte Schiffe sind so gut wie keine Informationen vorhanden. Dennoch wurden bei einer spezialisierten Messe im Fernen Osten dem Publikum mehrere Systeme gezeigt, die im Interesse der Seestreitkräfte eingesetzt werden könnten. Eine dabei präsentierte Unterwasser-Drohne könnte beispielsweise an Rettungseinsätzen teilnehmen und U-Boote befreien, die zufällig in Fischernetze geraten sein sollten. Und ein unbemanntes Motorboot auf Basis eines üblichen Jet-Skis könnte die Rolle eines wasserakustischen Transponders spielen.

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    Tags:
    Diesel-Elektro-U-Boot, Atom-U-Boot, U-Boot-Jäger, Kriegsschiffe, Drohne, Drohnenkrieg, Tarnkappe, Stealth, Pentagon, U.S. Navy, NATO, Europa, China, Russland, USA