09:00 16 November 2018
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    US-Raketendrohnen des Typs BQM-74E im Einsatz (Archivbild)

    Gefährliche Spiele: USA attackieren Russland mit Drohnen

    © Foto: DoD/ U.S. Navy/ Mass Communication Specialist 1st Class Kim McLendon
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    Sergej Iljin
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    Das Verteidigungsministerium in Moskau hat in der vergangenen Woche den USA vorgeworfen, mit Drohnen den russischen Stützpunkt Hmeimim in Syrien attackiert zu haben. Nach Angaben Moskaus wurden die Drohnen von Bord des US-Aufklärungsflugzeugs Poseidon-8 gesteuert.

    Dabei handelte es sich um 13 Flugapparate, die „in einer Reihe“ flogen, um dem strategischen Militärobjekt Russlands einen Schaden zuzufügen. Sie sollen manuell von Spezialisten an Bord des US-Flugzeugs gelenkt worden sein. Angesichts der heutigen Aufklärungsmöglichkeiten sei es einfach, eine Verbindung zwischen dem über dem Mittelmeer fliegenden „Poseidon“-Spähflugzeug und den Drohnen festzustellen. Jene seien von russischen Militärs nicht einfach nur geortet, sondern auch abgefangen und vernichtet worden.

    Washington scheint damit einen neuen Kurs zu verfolgen. Drohnen hatten auch früher Hmeimim regelmäßig attackiert. Doch das waren vor allem selbstgebastelte Geräte, die immer dasselbe Schicksal hatten – sie wurden abgeschossen bzw. von russischen Militärs zu Boden gebracht. Allein im August wurden fast 50 solche Drohnen abgeschossen. Allerdings waren auch sie mit fortgeschrittenen Navigationsmitteln und Sprengstoffen ausgestattet. Schon damals erklärte Moskau, dass solche Drohnen auch von Terroristen in der Wüste gebaut werden könnten. Doch woher kommt diese Navigationstechnik? Anscheinend von irgendwelchen Schirmherren aus Ländern mit einer fortgeschrittenen Wissenschafts- und Produktionsbasis. Gemutmaßt wird,  dass es sich dabei um die Türkei, Europa oder die USA handeln könnte.

    Dabei verfügte Moskau nicht über Beweise über die Teilnahme einer dritten Seite an den Angriffen auf russische Objekte in Syrien mithilfe der Drohnen. Nun sind sie offenbar aufgetaucht.

    Neue Informationen ergänzen das aktuelle Bild. Die USA haben begonnen, die Lage zu sondieren, inwieweit der Stützpunkt in Hmeimim geschützt ist. Welchen Schaden könnte man ihm zufügen, ohne formell daran beteiligt zu sein? Es handelt sich schließlich nicht um einen Beschuss mit Tomahawk-Raketen. Doch es handelt sich um einen Nervenkrieg mit dem russischen Militär. Es entsteht der Eindruck, dass diese Aktion nicht zuletzt wegen der Lieferung von S-300-Systemen an Syrien organisiert wurde, die das militärstrategische Verhältnis in Syrien nicht zugunsten der Gegner der syrischen Regierung änderten. Israel, das kein Gegner Moskaus ist, hält sich derzeit zurück, ist aber daran interessiert, dass der Iran aus Syrien verschwindet. Die US-geführte Koalition vollzieht auch keine Handlungen außer punktuellen Angriffen mit zivilen Opfern. Was bleibt, sind „alarmierende Aktionen“, darunter mit Drohnen. Die Position Washingtons wird zunehmend deutlicher. Die USA wollen Russland Widerstand leisten – sowohl global als auch auf regionaler Ebene.

    Angriffsdrohne (Symbolbild)
    © AP Photo / Northrop Grumman via U.S. Navy, Erik Hildebrandt
    Der Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, war in der vergangenen Woche in Moskau zu Besuch. Viele seiner Worte waren richtig. Zum Beispiel über die Hoffnung des Weißen Hauses auf die Erweiterung des Dialogs mit dem russischen Militär zu Syrien. Ihm zufolge waren die Deconflicting-Verhandlungen mit der russischen Führung sehr erfolgreich und nützlich. Nun fragt man sich:  Was hat es auf sich mit dem neuen Drohnenangriff auf Hmeimim?

    Doch Syrien ist nur ein kleiner, auch wenn wichtiger Teil des Problems. Die größte Gefahr besteht in den globalen Plänen der USA. Es geht dabei um die Situation nach dem angekündigten Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag. Washington hat bereits Erfahrung in solchen Dingen. So kündigte Washington den ABM-Vertrag auf. Es gibt noch den START-Vertrag, der in knapp zwei Jahren endet. Wird er verlängert? Oder will Trump schon morgen aus dem Vertrag zur Reduzierung strategischer Offensivwaffen aussteigen, um das globale System der „Checks und Balances“ endgültig zu Grabe zu tragen? Zu viele Fragen … Die Antworten klingen nicht besonders optimistisch. Die Rückkehr der von Trump versprochenen alten Größe der USA droht allen mit großen Verlusten.

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    Tags:
    Kriegsgefahr, Vorwürfe, Drohnenangriff, Koordinierung, Eskalation, Boeing P-8A Poseidon, INF-Vertrag, S-300, Verteidigungsministerium Russlands, John Bolton, Hmeimim, Nahost, Syrien, USA, Russland