09:06 17 Dezember 2018
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    Der russische Kampfpanzer T-72B3 (Archivbild)

    Russland rüstet legendären Sowjet-Panzer mit neuen Waffen und Schutzsystemen auf

    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
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    Andrej Koz
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    Verstärkte Panzerung, leistungsstarker Antrieb und ein neues Unterkalibergeschoss – das ist die neuste Modifikation von Russlands wichtigstem Kampfpanzer T-72B3M. Dank der Modernisierung kann ein großer Park von Veteranen des Typs T-72 auf neueren Stand gebracht werden. Um Besonderheiten und Unterschiede zur Urversion geht es in diesem Artikel.

    Die Panzer des Typs T-72B3 sind eine modernisierte Version des T-72B, die von der sowjetischen Armee bereits Mitte der 1980er Jahre in Dienst genommen wurden. Mehr als 1000 dieser Panzer stehen derzeit im Dienst der russischen Truppen.

    Veteran unter den Panzern

    Dieser Panzer ist mit einem Multikanal-Visiergerät Sosna-U mit Zielbegleitung und Wärmebildkameras der französischen Firma Thales Catherine, einem modernisierten Feuerleitsystem, einer modernisierten Kanone 2A46M-5 mit verbesserten ballistischen Eigenschaften und anderen Neuheiten ausgerüstet. Allerdings gibt es auch Nachteile. So wurden die ersten T-72B3 mit dem veralteten dynamischen Schutzsystem Kontakt-5 ausgestattet, das 1986 in Betrieb genommen wurde. Bei T-72B3M ist das Schutzsystem deutlich besser. Es gibt aber auch Vorteile:

    „Die Hauptunterschiede des T-72B3M zum ‚klassischen‘ T72B3 sind der neue Dieselmotor und verstärkte Schutzelemente“, berichtet der Chefredakteur der Zeitschrift „Arsenal Otetschestwa“, Viktor Murachowski. „Der B3 ist mit dem Antrieb W-84-1 mit einer Leistung von 840 PS, und der B3M mit W-92S2F mit 1130 PS ausgestattet. Von außen unterscheidet sich die neue Modifikation dank zusätzlichen modernen dynamischen Schutzmodulen des Typs ‚Relikt‘ an Bordwänden, Panzerwanne und Panzerturm“, so der Experte.

    Zudem verfügt der T-72B3M über eine erneuerte Version des Visiergeräts Sosna-U, digitale ballistische Rechner und ein Panorama-Visiergerät beim Panzerkommandeur. Das alles lässt schneller Ziele orten und vernichten. Auch die Bewaffnung wurde mit langen Unterkalibergeschossen mit stärkerer panzerbrechender Fähigkeit modernisiert. Eine weitere wichtige Neuheit sind Kettenfahrsysteme mit verbesserten Betriebseigenschaften und Ressourcen.

    Ein T-72B3-Panzer bei der Militärparade anlässlich des 72. Jahrestages des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945 in St. Petersburg
    © Sputnik / Alexej Danitschew
    Ein T-72B3-Panzer bei der Militärparade anlässlich des 72. Jahrestages des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945 in St. Petersburg

    Russische Panzersoldaten, die dauerhaft vordere Plätze beim Panzerbiathlon belegen, fahren mit T-72B3M. Die Maschine zeigte ihre ausgezeichneten Eigenschaften bei allen Etappen des Wettbewerbs.

    In geschlossener Formation

    Der T-72B3M ist auch viel benutzerfreundlicher für den Fahrer: Er schaut auf das Display und in eine Rückkamera. Ein automatisiertes Schaltgetriebe erhöht maßgeblich die Rückwärtsgeschwindigkeit. Wie die Erfahrung des syrischen Bürgerkrieges zeigte, kann dies die Maschine und die Besatzung retten. Im Netz gibt es zahlreiche Videos, in denen die Panzer der Regierungstruppen nach der Fahrt aus dem Versteck und dem Schießen keine Zeit hatten, zurückzufahren. Dabei wurden sie von den gegnerischen Panzerabwehrmitteln vernichtet. Nach Medienangaben wurden modernisierte T-72B3M-Panzer von den syrischen Truppen im Frühjahr 2017 eingesetzt und in den Golanhöhen an der Grenze zu Israel gesichtet.

    „Es ist erfreulich, dass die T-72B3-Panzer mit gutem Tempo an die Armee ausgeliefert werden – 150-200 Maschinen pro Jahr“, sagte Murachowski. „Ich hoffe, dass sie bis zur Version T-72B3M modernisiert werden. Bis zum Beginn einer umfangreichen Auslieferung der Maschinen auf der Armata-Plattform soll ein hohes technisches Niveau der bereits in den Truppen vorhandenen Technik aufrechterhalten werden. Meines Erachtens werden die T14 und T72B3M parallel ausgeliefert.“

    Laut dem Experten schloss das Verteidigungsministerium einen Vertrag für 120 Maschinen auf Armata-Plattform ab. Es handelt sich um zwei Bataillon-Partien des Panzers T-14 und eine Partie des schweren Schützenpanzers BMP T-15. Zudem gibt es einen Vertrag zur Modernisierung der T-90-Panzer bis zur Modifikation T-90M. Heute steht den Truppen nur eine Bataillon-Partie zur Verfügung. Diese Maschine wurde im Rahmen der Versuchs- und Entwicklungsarbeiten von „Proryw-3“ entwickelt.

    Laut zuvor angekündigten Plänen sollen 400 Panzer des Typs T90 modernisiert werden. Zudem sollen neue Panzer erworben werden. Der Panzer wurde mit einem neuen Turm und einer Glattrohrkanone 2A82-1M ausgestattet, wie beim T-14, und mit einem Feuerleitsystem der neuer Generation Kalina, ferngesteuerten Flugabwehranlagen UDP T05BW-1 mit dem 12,7-mm-Gewehr KordMT, Radaranlagen R-168-25U-2 Akweduk und Hilfs-Triebwerken DGU7-27 ausgerüstet.

    Die Führung erfolgt mit dem Lenkrad, es gibt ein System des automatischen Schaltgetriebes mit optionalem Wechsel zu manuellem Getriebe. Das Triebwerk 92S2F ist dem Dieselantrieb von T72B3M ähnlich. Zum Schutz vor dem gegnerischen Feuer ist das dynamische Schutzsystem Relikt vorgesehen. In der Panzerwanne sind zum besseren Schutz der Besatzung Schirme zum Schutz der Soldaten und Anlagen zum Schutz vor sekundären Splitterhageln montiert. Es gibt auch eine Klimaanlage. In der nächsten Zukunft sollen die T90M-Panzer mit einem aktiven Schutzkomplex Arena-M ausgestattet werden, der Panzerabwehrraketen und Geschosse von Raketenwerfern beim Anflug zum Panzer abfangen und vernichten kann.

    Militärparade im Rahmen des Manövers Wostok-2018
    © Sputnik / Ilya Pitalyow
    Militärparade im Rahmen des Manövers Wostok-2018

    Der Oberbefehlshaber der russischen Landstreitkräfte, Oleg Saljukow, kündigte im Februar 2017 die planmäßige Ausstattung der Truppen mit neuen Panzern an. Ihm zufolge soll der Anteil der modernen Panzer zum Jahr 2020 etwa 70 Prozent ausmachen. Gemeint sind damit die Panzer T-72B3, T-72B3M, T-80U, T-90A und T-90M. Die Frage nach dem Abschluss von großen Verträgen zur Lieferung von T-14-Panzern soll ebenfalls 2020 erörtert werden.

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    Tags:
    Modernisierung, Kampfpanzer, Panzer T-14 Armata, T-80, Kampfpanzer T-90, T-72-Panzer, UdSSR, Sowjetunion, Russland