02:34 16 Dezember 2018
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    Entminungs-Fahrzeuge BMR-3M (Archiv)

    Russlands explosionssicherer „Keiler“: So funktioniert das neue Entminungs-Ungetüm

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    Vernichtung diverser Minen, eigenständiger Kampf gegen andere Panzertechnik und sogar Kampfjets, optional auch ein vollständig automatisierter Betrieb – die russischen Pionier-Truppen haben neueste Entminungs-Fahrzeuge BMR-3MA „Wjepr“ (dt. Keiler) erhalten.

    Eine der Besonderheiten dieser Maschine ist, dass sie ferngesteuert werden kann, bzw. eine Route zum Minenräumen im Voraus angegeben werden kann. Wie das neue Aufräumgerät über Minenfelder gelenkt wird, lesen Sie in diesem Artikel.

    Im Mittelpunkt der Explosion

    Besonders akut war der Bedarf an solchen Maschinen bei den sowjetischen Truppen in Afghanistan. Häufig wurden selbstgebastelte Maschinen eingesetzt. Nach dem Nachweis ihrer Effizienz sanken die Verluste der Panzertechnik deutlich. Das Verteidigungsministerium in Moskau machte sich Gedanken über die Entwicklung eines speziellen Entschärfungsfahrzeugs. Gegen Ende der 1980er-Jahre bekamen die Truppen erste Fahrzeuge auf Basis der Selbstfahrt-Artillerieanlage SU-122 mit verstärktem Panzerschutz des Bodens unter dem bewohnbaren Segment.

    BRM-3MA ähnelt äußerlich zwar seinem Vorgänger, unterscheidet sich jedoch stark bei technischen Elementen, Schutz und Kampfmöglichkeiten. Die Grundlage des Wjepr-Fahrzeugs bildet das Fahrwerk des Panzers T-90A. Statt des Turms mit einer Kanone wurde ein Raum für die Besatzung eingerichtet, dahinter eine Güter-Plattform für die Beförderung der Räumgeräte, Hebe-Anlagen und Systeme zur Fernsteuerung der Apparate.

    Entminungs-Fahrzeuge BMR-3M
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    Entminungs-Fahrzeuge BMR-3M

    Die Hauptaufgabe, die vor den Entwicklern stand, war der maximale Schutz der Besatzung, weil sich die Menschen nur wenige Meter vor dem Zentrum der Explosion befinden. Deswegen ist der bewohnbare Raum mit einer mehrschichtigen Panzerung versehen. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Schutz des Bodens gewidmet, der de facto die einzige Scheidewand zwischen der Besatzung und den Minen ist. Der Anti-Minen-Schutz ist ein System von mehrschichtigen Konstruktionen, die aus einem besonderen Stahl, Gestell und Stäben zwischen den Seiten, Boden und Dach hergestellt sind. Der Boden ist mit einer 300-mm-Panzerschicht verstärkt. Die Menschen im Inneren des Fahrzeugs werden selbst bei der Explosion einer starken Panzerabwehrmine unversehrt bleiben.

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    Laut dem Militärexperten und Chefredakteur der Zeitschrift „Arsenal Otetschestwa“, Viktor Murachowski, ist das nächste Analogon im Westen das US-Fahrzeug Assault Breacher, das auf Basis des Panzers M1 Abrams gebaut wurde. „Allerdings ist Wjepr ausländischen Analoga nach Schutzniveau und Funktionalität deutlich überlegen“, sagte Murachowski. „Bei der Erfüllung der Aufgaben der Entschärfung gewährleistet die russische Technik ein sehr hohes Niveau des Schutzes der Besatzung. Zudem kann diese Maschine schon jetzt Aufgaben ferngesteuert erfüllen, in Zukunft kann sie überhaupt unbemannt agieren“, so der Experte.

    Drei Meter Leben

    Das Hauptinstrument zur mechanischen Sprengung der Minen ist ein strängiges Minen-Räumgerät – eine einmalige Konstruktion. Beide Teile sind getrennt am Gehäuse des Fahrzeugs angebracht und funktionieren unabhängig voneinander. Jedes von ihnen dreht sich getrennt von dem anderen und bewegt sich vertikal. Damit werden alle Unebenheiten auf dem Boden festgestellt, was das Versäumen einer Mine beinahe ausschließt.

    Auf dem Räumgerät ist eine Elektromagnet-Anlage für die Vernichtung von Fernzündungsminen, ein Multi-Elementen-Funkstörer und eine Anlage zur Vernichtung von Stabminen montiert. Minen mit Magnetzündern werden aus einer Reichweite von sechs bis sieben Metern geortet und vernichtet. Das Fahrzeug verlegt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h Wege durch das Minenfeld. Auch Wasserhindernisse sind keine Hürde – bis zu acht Meter tiefe Gewässer können durchfahren werden.

    „Das Fahrzeug ist auf Basis eines Kampfpanzers hergestellt worden, weshalb ein bestimmtes Niveau des Schutzes und Ausrüstung gewährleistet wird“, so Murachowski.

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    An der Frontpartie

    Das Entminungs-Fahrzeug geht immer vor der Hauptkolonne der Truppen und gerät also als erstes unter gegnerisches Feuer. Von außen ist das Fahrzeug mit einem Komplex des dynamischen Schutzsystems vom Typ „Kontakt“ versehen. Zudem verfügen die russischen Pioniere über eine ferngesteuerte 12,7-mm-Flugabwehrkanone für 500 Patronen und einen Mehrfach-Granatwerfer zum Kampf gegen Panzertechnik. Darüber hinaus ist an Bord des Fahrzeugs der Raketenabwehrkomplex „Igla“ stationiert – eine für feindliche Luftstreitkräfte durchaus gefährliche Waffe.

    Eine weitere Besonderheit des Fahrzeugs ist, dass es in einen autonomen Roboterkomplex verwandelt werden kann. Gewöhnlich wird das Fahrzeug von einer Besatzung aus zwei Personen geführt. Doch nach der Montage der Spezialausstattung verwandelt sich „Wjepr“ in eine Drohne, die aus einer Entfernung von bis zu drei Kilometern gesteuert wird. Zudem kann „Wjepr“ vorprogrammiert und auf bestimmte Routen geschickt werden.

    Allerdings wird „Wjepr“ bei den Truppen bislang nur in der bemannten Version eingesetzt, so Murachowski. „Das heutige Niveau der Entwicklung von Technik ermöglicht es nicht, ein völlig unbemanntes Fahrzeug herzustellen, das auf dem Kampffeld vorgehen würde. So sind die Probleme des unbemannten Fahrzeugs „Uran-6“ sehr gut bekannt – unter Bedingungen der dichten Stadtbebauung kam es zu Ausfällen bei der Steuerung kommen. Unter Kampfbedingungen ist das unzulässig“, so der Experte.

    Das Fahrzeug ist außerdem mit einer Klima- und Ventilationsanlage zur Luftreinigung im Besatzungsraum, einer Biotoilette und einem Gerät zum Erwärmen von Mahlzeiten ausgestattet. Damit könnte die Besatzung mehrere Tage im Fahrzeug bleiben, ohne es zu verlassen.

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    Tags:
    Pioniertruppen, Entminung, Waffen, T-90A, USA, Russland