12:25 19 Dezember 2018
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    Laserkomplex „Pereswet“

    Unsichtbare Lanze: Was Russlands neue Laserwaffe so alles abschießen kann

    CC BY 4.0 / Mil.ru / Wikimedia Commons
    Technik
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    Nikolai Protopopow
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    Vernichtung von Bodenobjekten, Raketenabwehr und Ausschaltung von Weltraumsatelliten – mit diesem Ziel wurden die Laserkomplexe „Pereswet“ in Dienst gestellt. Obwohl bislang keine offenen Informationen vorhanden sind, steht bereits fest, dass das Spektrum des Einsatzes dieser Waffen ziemlich breit ist.

    Innen einfach, außen kompliziert

    Der Komplex Pereswet wurde der Öffentlichkeit erstmals von Russlands Präsident Wladimir Putin während seiner Jahresbotschaft an die Föderalversammlung im März 2018 vorgestellt. „Wir wissen sehr gut, dass viele Staaten an der Entwicklung von Waffen mit neuen physikalischen Prinzipien arbeiten. Es gibt alle Gründe zu vermuten, dass wir auch da einen Schritt voraus sind. So wurden bedeutende Ergebnisse bei der Entwicklung von Laserwaffen erreicht. Das ist nicht einfach Theorie bzw. Projekte und nicht einfach der Beginn der Produktion. Seit dem vergangenen Jahr werden bereits Kampflaser-Komplexe in Dienst gestellt. Ich möchte nicht auf Details eingehen. Die Zeit ist noch nicht reif. Doch Spezialisten werden verstehen, dass das Vorhandensein solcher Kampfkomplexe die Möglichkeiten Russlands zur Gewährleistung der eigenen Sicherheit um ein Vielfaches erhöhen. Jene, die sich für Militärtechnik interessieren, möchte ich auch bitten, dass sie einen Namen für diesen neuen Komplex vorschlagen“, sagte Putin damals.

    Ausländische und russische Experten äußern verschiedene Versionen und Mutmaßungen über neue Waffen, viele gaben sich skeptisch. Allerdings wurde der Pereswet-Komplex bereits Anfang Dezember 2018 den Dienst genommen. An den Stationierungsorten wurde die notwendige Infrastruktur errichtet, es wurden spezielle Anlagen eingerichtet. Als Bestätigung dafür veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium ein Video über die Stationierung des Kampflasers.

    Laserkomplex „Pereswet“
    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands
    Laserkomplex „Pereswet“

    Von außen sieht Pereswet ziemlich massiv aus. Dem Video zufolge sind keine gewöhnlichen Gewehre bzw. Startanlagen vorgesehen. Er erinnert nach seiner Form an einen Frachtcontainer mit Fahrwerk, in dessen vorderem Teil sich ein drehbarer Turm mit Strahlerzeuger befindet. Er dreht sich ferngesteuert um 360 Grad, was den Einsatz des Systems gegen Luft- und Bodenziele ermöglicht. Der Einsatzbereich der Laserwaffe soll in Zukunft uneingeschränkt sein – Raketen- und Satellitenabwehr, Ausschaltung von Beobachtungsanlagen des Gegners, Abfangen von schnellen Luftangriffsmitteln.

    Unblutige Vernichtung

    Einen offenen Zugang zu den technischen Parametern des Pereswet-Komplexes gibt es nicht – Russlands Militär hält Angaben dazu streng geheim. Allerdings rechnen die meisten Experten damit, dass der Kampflaser ein Bestandteil der Flug- und Raketenabwehrsysteme sein wird.

    „Mithilfe des Lasers kann man effektiv Luftangriffsmittel, Hochpräzisionswaffen bzw. Aufklärungsmittel bekämpfen, die optisch-elektronische Geräte als Instrument nutzen“, sagte der Militärexperte Alexej Leonkow. „Unter Einfluss der starken Strahlung wird die Elektronik außer Betrieb gesetzt. Pereswet soll die gegnerische Technik zuverlässig und für lange Zeit blenden. So suchen die Tomahawk-Raketen ihr Ziel visuell – nach der digitalen Abbildung der Konturen im Kopf des Suchkopfes. Falls zu diesem Zeitpunkt der Pereswet-Komplex eingesetzt wird, wird die Suche sofort beendet. Bei einem Verlust des Ziels eliminieren sich die Tomahawk-Raketen“, so der Experte.

    Experten zufolge eignen sich Kampflaser besonders gut für den Kampf gegen so genannte Drohnen-Schwärme – eine Ansammlung kleinerer Drohnen, die für das Durchbrechen der Flugabwehr bestimmt sind. Sie werden in der Regel als Scheinziele genutzt, die Raketen bzw. Kampfflugzeuge nachahmen. „Flugabwehrkomplexe beginnen den Einsatz gegen solche Schwärme und nutzen die gesamte Munition, bei einem Angriff von realen Luftangriffsmitteln haben sie dann nichts mehr, womit sie antworten können“, so Leonkow.

    Der Pereswet-Komplex kann voraussichtlich auch größere Objekte treffen, darunter auch Flugzeuge. In diesem Fall handelt es sich nicht um ihre physische Vernichtung, sondern um die Irreführung der Piloten. Allgemein bekannt sind Fälle, als kleinere Laserpointer bei der Landung der Flugzeuge störten.  Es sei nicht schwer, sich vorzustellen, was mit den Piloten bei einem Einsatz des Pereswet-Komplexes geschehe, so der Experte.

    Es liegt auf der Hand, dass der neue Laserwaffen-Komplex eine gute Ergänzung zu den vorhandenen Flugabwehrkomplexen und Mitteln der funkelektronischen Bekämpfung sein wird. Eine koordinierte Arbeit der Flugabwehrmittel und der Mittel der funkelektronischen Bekämpfung erlaubte es, bei Drohnenangriffen gegen den russischen Stützpunkt Hmeimim in Syrien den Schaden zu minimieren. Wenn dieses Duo mit einem Laser ergänzt wird, würde die Effizienz der Flug- und Raketenabwehr um ein Vielfaches steigen.

    Allerdings haben erste Modelle der Kampflaser bedeutende Einschränkungen. Sie reagieren sehr sensibel auf die Witterungsbedingungen. Diese Waffen sind nur bei klarem Wetter effektiv. Zudem erlauben moderne Technologien bislang nur, leistungsarme Laser zur Vernichtung der kleinen Drohnen herzustellen.

    Laut dem stellvertretenden Verteidigungsminister Juri Borissow soll der Pereswet-Komplex bereits in den kommenden Jahren modernisiert werden. Die neue Version soll bei der Parade auf dem Roten Platz gezeigt werden. Der Kampflaser wird kleiner sein und weniger Hilfsfahrzeuge haben. Der Pereswet-Komplex ist natürlich eine der kompliziertesten Waffen in Bezug auf die Steuerung und Wartung. Der Personalbestand der Einheiten, die mit den Kampflasern ausgestattet sind, wurde an der Luft- und Weltraum-Akademie und bei den Herstellern ausgebildet.

    Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts

    Die Sowjetunion und die USA befassten sich mit relativem Erfolg mit der Entwicklung von Laserwaffen seit den 1970er-Jahren. Das Hauptproblem der Konstrukteure bestand damals darin, dass die Energiequellen zu groß waren. Denn der Laser soll leistungsstark sein, um selbst ein kleines Objekt außer Betrieb zu setzen. Ende der 1970er-Jahre entwickelte die Sowjetunion einen bordgestützten Laserkomplex A-60 auf Basis des Verkehrsflugzeugs Il-76. Während der Flugtests wurden mehrere Luftzielscheiben vernichtet – Luftballone und Flugzeuge des Typs La-17. Zu Beginn der 1990er-Jahre wurden zwei solche Maschinen gebaut, doch das Projekt wurde bald geschlossen. Die Tests eines fliegenden Labors wurden erst 2009 wiederaufgenommen.

    Im Jahr 2002 hoben die USA das Flugzeug Boeing YAL-1 mit einem chemischen Laser an Bord in den Himmel. Bei einer hohen Wahrscheinlichkeit des Beginns eines Atomkriegs sollte er Patrouillenflüge aufnehmen. Im Falle des Starts von Interkontinentalraketen des Gegners sollte er sie in der Beschleunigungsbahn treffen. Doch das Projekt wurde wegen zu hoher Kosten dichtgemacht. Das Pentagon beschloss, das Raketenabwehrsystem Aegis mit Standard-Raketen zu vervollkommnen.

    Allerdings arbeiteten US-Militärs an einem anderen System. 2017 testete Lockheed Martin im Persischen Golf einen Kampflaser auf dem Amphibious Transport Dock USS Ponce. Für den Test der Waffe wurde ein Ziel in Form einer Drohne gestartet, die mit dem Laser beschädigt wurde. Dabei erfolgte der „Schuss“ unbemerkt. US-Militärs sprachen von einer universellen Waffe, ihre Präzision war deutlich höher als die eines jeden anderen Geschosses. Der Laser ist um das 50-fache schneller als Interkontinentalraketen.

    Später wurde berichtet, dass die US-Luftstreitkräfte ab 2018 die Stationierung von Laseranlagen an Tankflugzeugen Boeing KC-135 Stratotanker erörtern werden, um mit ihnen die Boden-Luft- und Luft-Luft-Raketen abzufangen. Zudem schloss das Pentagon einen Vertrag für die Entwicklung von Laserwaffen für Kampfjets zum Jahr 2021 ab. Die Kapazität dieser Waffen soll 100 bis 150 Kilowatt ausmachen.

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    Tags:
    Einsatzbereitschaft, Aufnahme, Laserwaffen, Analyse, Abfangen, "Pereswet" (Laser), Tomahawk-Marschflugkörper, A-60, Il-76, Verteidigungsministerium Russlands, Wladimir Putin, USA, Russland