09:36 11 Dezember 2018
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    Kaspersky-Standort in Moskau (Archivbild)

    Kaspersky Lab: Krypto-Miner und DarkVishnya greifen an

    © Sputnik / Kirill Kalinnikow
    Technik
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    Natalia Pawlowa
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    Ein Experte von Kaspersky Lab zieht im Interview mit Sputnik Bilanz des Jahres 2018. Zu den wichtigsten Trends gehört ein rasanter Zuwachs von Krypto-Mining-Attacken, die die Ransomware, die wohl größte Cyberbedrohung der vergangenen Jahre, überflügeln. DarkVishnya beraubt europäische Banken.

    Die Möglichkeit, im Internet Geld zu verdienen, ist kein Mythos mehr, sie gehört schon zum Alltag. Krypto-Miner verwenden auch neue digitale Technologien und Software, um mehr Kryptowährungen wie den Bitcoin zu verdienen. Mining wird aus dem Englischen als Schürfen übersetzt. Während Schürfer Rohstoffe aus dem Boden holen, schürfen Krypto-Miner digitales Gold, Bitcoins, die als Münzen dargestellt werden.

    „2017 gab es beispiellose Ransomware-Angriffe und 2018 verschob sich der Fokus auf Miner. Es gibt drei Gründe dafür: Krypto-Mining ist einfacher, fällt nicht auf, und das Risiko, erwischt zu werden, ist nicht so groß wie bei Ransomware-Attacken, die die Sicherheitsstrukturen trotz ihres globalen Charakters im Griff haben. Mehrere Cyberkriminelle sind bereits verhaftet worden. Mining ist dabei äußerst gewinnbringend, erbringt monatlich bis zu 30.000 US-Dollar und greift alle möglichen Plattformen an“, sagt Timur Bijatschujew, Leiter der Abteilung für Bedrohungsanalysen bei Kaspersky Lab.

    Dem Experten zufolge ist das Thema Kryptowährung und ICO von Cyberkriminellen aktiv ausgenutzt worden. Sie haben Phishing-Ressourcen geschaffen, die wie echte populäre Wallets und Börsen für Kryptowährungen aussahen, sowie Fake-Accounts von bekannten Persönlichkeiten und Unternehmen registriert und in ihrem Namen versprochen, gratis Kryptowährungen auszugeben.

    „Zum Thema Cyberkriminalität möchte ich anmerken, dass Mining einen globalen Charakter hat. Die Anzahl zielgerichteter Cyberattacken ist weltweit gesunken. Ransomware-Attacken gegen einzelne Verbraucher gingen zwar zurück, aber die Gefahr für Unternehmen bleibt weiterhin bestehen. Da viele Unternehmen die Möglichkeiten des Cloud Computing nutzen, können die Betrüger dem Unternehmen großen Schaden zufügen, indem sie in die Clouds eindringen.“

    Experten von Kaspersky Lab verzeichnen ein erhöhtes Interesse von Cyberkriminellen an Industrieunternehmen. Besorgniserregend sei der Sicherheitsgrad von Infrastrukturobjekten:

    „Bei solch komplizierten Systemen wie Atomkraftwerken, Wärmekraftwerken und Stromversorgungsanlagen muss man zu neuen Systemen übergehen, die immun gegen Cyberattacken sind. Das sind geschützte Betriebssysteme, die wir bei Kaspersky Lab entwickeln, wo die Bedrohungsgefahr am niedrigsten ist“, so Bijatschujew.

    Laut dem Experten hat Kaspersky Lab als global agierendes Unternehmen ein großes Netz von Verbrauchern in der ganzen Welt und erhält Informationen über Cyberbedrohungen aus jedem einzelnen Segment, einschließlich der EU. „Wir stehen auch im ständigen Kontakt mit Interpol, arbeiten seit Jahren zusammen im Kampf gegen Cyberkriminalität.“

    Timur Bijatschujew, Leiter der Abteilung für Bedrohungsanalysen bei Kaspersky Lab
    © Sputnik / Natalia Pawlowa
    Timur Bijatschujew, Leiter der Abteilung für Bedrohungsanalysen bei Kaspersky Lab

    2017-2018 wurden Experten von Kaspersky Lab zur Ermittlung einer Reihe von Cyber-Bankrauben in Osteuropa hingezogen. Die Attacken auf Kreditinstitutionen fingen damit an, dass die Diebe ihr Gerät im Bankgebäude platziert und es ans Firmennetzwerk angeschlossen haben. Dieses Schema sah drei Arten von Gadgets vor: einen Laptop (in der Regel ein billiges Netbook), einen Raspberry Pi (einen Einplatinencomputer in Kreditkartengröße) und einen Bash Bunny (eine speziell entwickelte Plattform für USB-Angriffe). Diese Art von Angriffen erhielt den Namen DarkVishnya. Heute gibt es mindestens acht Banken in Osteuropa, die nach diesem Schema beraubt wurden. Der angerichtete Schaden betrug Dutzende Millionen US-Dollar.

    In Bezug auf Spam und Phishing haben Cyberkriminelle 2018 sowohl auf einfache als auch auf ausgeklügelte Techniken zurückgegriffen, um auf potentielle Opfer einzuwirken. Der wohl markanteste Informationsanlass, den Cyberkriminelle in Russland dieses Jahr benutzt haben, war die Fußball-Weltmeisterschaft: Die Betrüger boten im Internet gefälschte Spieltickets, billige Flugtickets und Unterkünfte an.

    Ein sehr wichtiges Problem bleibt laut Bijatschujew der Kinderschutz im Internet. Wissbegier führt die Leichtgläubigen auf verschiedene Internetseiten, wo sie von Erwachsenen beeinflusst werden, die sich für Kinder ausgeben.

    Prognosen von Kaspersky Lab zufolge wird die Anzahl von Minern 2019 weiter steigen. Die Zahl mobiler Malware wird ebenfalls wachsen, insbesondere mobile Banking-Trojaner bleiben weiter aktuell.

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    Tags:
    Anti-Virus, Mining, Virus, Kryptowährung, Cyberkriminalität, Kaspersky Lab, Russland