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19:34 23 September 2019
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    Hybrid-Kraftwerk in Prenzlau

    „Japan lernt von uns“: Spitzen-Technologie auf Weltniveau aus Brandenburg

    © AFP 2019 / Johannes Eisele
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    Prenzlau (Brandenburg) ist eine ostdeutsche Kommune mit Vorbild-Charakter. In der Stadt steht ein weltweit einzigartiges Hybrid-Kraftwerk. Eine Solar-Firma im Ort stellt mehr Strom her als von der Bundesregierung gefordert. „Wir tun auch ganz viel für unsere Vereine, Sport und Kultur“ erklärt Bürgermeister Hendrik Sommer im Sputnik-Interview.

    Die Stadt Prenzlau in Brandenburg hat den „Unternehmer-Preis 2018“ in der Kategorie „Kommunen“ gewonnen. Alljährlich vergibt das Magazin „Super Illu“ diesen Preis gemeinsam mit dem „Ostdeutschen Sparkassenverband“ für herausragende Leistungen in Ostdeutschland.

    „Wir haben einen guten Kontakt in unserer Wirtschaft zu unseren Betrieben, Firmen, Unternehmen, Gewerbetreibenden und Geschäftsleuten“, sagte Hendrik Sommer (parteilos), Bürgermeister der Stadt Prenzlau, gegenüber Sputnik. „Vom Stadtverordneten bis zur Krankenschwester, vom Feuerwehrmann bis zum Gewerbetreibenden: Alle haben ihren Anteil daran, dass wir hier so eine positive Entwicklung haben.“ In den letzten Jahren – vor allem seit der Landesgartenschau 2013 – haben sich innovative Unternehmen im Ort angesammelt. Insbesondere in der Solarindustrie, dem Metall- und Maschinenbau sowie in der Energiewirtschaft, sprich: Erneuerbare Energien.

    In Prenzlau leben 19.000 Menschen. Die Kreisstadt ist Verwaltungssitz des Landkreises Uckermark. Der Ortsname ist slawischen Ursprungs. Die Stadt liegt etwa 100 Kilometer nördlich von Berlin und 50 Kilometer westlich der polnischen Grenzstadt Stettin (Szczecin). Sie unterhält mit der russischen Stadt Pochwistnewo seit September 1997 eine Städtepartnerschaft.

    Kultur und Bildungsprogramme

    Sommer betonte im Interview, den „Unternehmer-Preis“ habe der Ort jedoch nicht nur für seine wirtschaftlichen Aktivitäten erhalten, sondern auch für weitere kommunale Maßnahmen wie die Unterstützung der ortsansässigen Vereine sowie für vorhandene Bildungsangebote. „Wir haben das Prenzlauer Profil aufgebaut und sind überregional bekannt für das Agenda Diplom“, sagte er.

    Hinter dem Begriff „Prenzlauer Profil“ verbergen sich freiwillige Aufgaben der Stadt Prenzlau: Kultur, Sport und Jugendarbeit. Vereine erhalten über das Profil koordinierte Förderung durch die Stadt. Seit 2011 bietet Prenzlau das Agenda Diplom an, eine Ferienaktion, bei der Firmen, Vereine, Initiative und auch Behörden Kinder im Grundschulalter einladen, damit diese einen kleinen Einblick in die Arbeitswelt erhaschen können.

    Erstes Wasser-Wind-Bio-Hybrid-Kraftwerk der Welt steht in Prenzlau

    Laut Sommer konnte die Stadt die Arbeitslosenquote von knapp 30 Prozent im Zeitraum 2004/2005 „auf jetzt 10 Prozent“ senken. Grund dafür sei seit Jahren eine anhaltende Ansiedelung von Industrie und Unternehmen in der brandenburgischen Kleinstadt. Vom örtlichen Wirtschafts-Boom profitiere die arbeitende Bevölkerung.

    In Prenzlau steht das weltweit erste Wasserstoff-Wind-Biogas-Hybridkraftwerk. „Die Firma Enertrag hat direkt vor den Toren der Stadt ein erstes Hybrid-Kraftwerk dieser Art gebaut“, erklärte der Bürgermeister. „Frau Merkel hatte damals (2009, Anm. d. Red.) den Startknopf zur Eröffnung drücken dürfen. Wir hatten mit unseren Stadtwerken überlegt, ob und wie man das nutzen kann.“

    Über das Hybrid-Kraftwerk werde Wasserstoff bearbeitet und in das regionale Fernwärmenetz gespeist.

    Solar-Energie: „Haben Ziele der Bundesregierung übertrumpft“

    „Im Bereich der erneuerbaren Energien sind wir Vorreiter und haben in den letzten zehn Jahren über 1.400 Industriearbeitsplätze dadurch bekommen“, so das Stadtoberhaupt. „Das ist sehr positiv.“ Doch die Grenze im Bereich der Windenergie sei erreicht. „Die Bevölkerung möchte keine weiteren Windkraftanlagen mehr haben.“ In der Solar-Branche habe die Stadt Glück gehabt, „dass die Solarfirma (Aleo Solar AG, Anm. d. Red.) bei den vielen Pleiten in Deutschland hier bei uns wieder Fuß gefasst hat.“ Es gebe zwei große Solarfelder in Prenzlau. „Da sieht man auch, dass wir erneuerbaren Strom produzieren.“

    Und zwar so viel, „dass wir die Bundesregierung übertrumpft haben mit ihren Zielen. Wir produzieren jetzt mehr als fünfmal so viel Strom als wir selber verbrauchen.“ Der Strom werde exportiert und weiterverkauft. „Es kommen selbst Delegationen aus Japan zu uns, um zu schauen, wie wir mit erneuerbaren Energien umgehen.“ Speziell das Thema Fernwärme habe international an Bedeutung sehr zugenommen. „Da werden wir sehr oft gefragt.“

    Guter Wein aus der Uckermark

    „Seit der Landesgartenschau 2013 hat die Kommune Prenzlau einen innovativen Weg eingeschlagen“, schrieb die „Super Illu“ Ende November zur Preisverleihung an die brandenburgische Kleinstadt. Die damalige Landesgartenschau sei eine riesige Erfolgs-Story gewesen, bemerkte Sommer. „Wir hatten knapp 170.000 Besucher mehr als geplant.“

    Seit der Landesgartenschau steht ein „schöner Weinberg an der Stadtmauer. Es sieht ein wenig so aus wie Klein-Sanssouci, schwärme ich immer.“ Der Solaris-Weißwein aus Prenzlau sei „sehr süß und süffig. Eher das Damengetränk, wenn es gekühlt ins Glas kommt. Auf der anderen Seite haben wir den Regent. Rotwein, trocken, schwarz. Ein toller Wein. Wir haben mit unserem Winzer einen tollen Prenzlauer Wein kredenzt, der einzigartig ist und wirklich schmeckt.“

    Acht Millionen Euro: Neue Gelder für Prenzlau

    Der Lokalpolitiker freue sich über aktuelle Fördermittel für seinen Ort in Höhe von acht Millionen Euro. Diese vom Land Brandenburg erteilte Förderzusage unterstütze „den Straßenbau, unser Dominikaner-Kloster, den Rückbau von einigen Blöcken, die mittlerweile leer stehen. Auch unser Wohnbauunternehmen.“

    Er wolle die Kommune „in den nächsten Jahren wirklich voranbringen. Vor allem: Die Bevölkerung hat etwas davon. Die Prenzlauer sehen, es passiert etwas in ihrer Stadt. Hier lohnt es sich zu leben. Wir haben in den letzten Jahren mehr Zuzug als Wegzug. Wir sind auf einem guten Weg.“

    Das komplette Radio-Interview mit Hendrik Sommer, Bürgermeister von Prenzlau, zum Nachhören:

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    Tags:
    Städtepartnerschaft, Technologien, Kraftwerk, Energie, Umweltschutz, Prenzlau, Ostdeutschland, Brandenburg, Japan, Deutschland