Widgets Magazine
00:32 18 August 2019
SNA Radio
    Tarnkappenbomber von Northrop Grumman (Symbolbild)

    Zukunftsbomber soll Russlands Flugabwehr zerfleischen – aber Konkurrenz schläft nicht

    © Foto: Northrop Grumman Corporation
    Technik
    Zum Kurzlink
    4839713

    Russische Flugabwehrsysteme können keine Tarnkappenjets bekämpfen. Das behauptet ein US-General. Und gegen den künftigen Stealth-Bomber B21 hätten die Russen erst recht keine Chance, sagt er. Warum der Fachmann sich da so sicher ist, bleibt offen. Glaubt er etwa, die russische Technologie tritt auf der Stelle?

    In echten Einsätzen musste noch kein Stealth-Flugzeug gegen ein S-300 oder S-400-System ankämpfen. Doch General David Deptula ist offenbar davon überzeugt, dass diese Flugabwehrtechnik gegen Tarnkappenjets sowieso nichts tun kann. Das sagte der Experte (er ist Dekan am Mitchell Institute für Aerospace Studies) dem Fachblatt „Warrior Maven“.

    „Ja, Stealth-Flugzeuge zu entdecken, ist für die bodengestützten Radare der Russen kein großes Problem“, räumt der General ein. Doch „entdecken“ heißt noch lange nicht „erwischen“.

    Es ist laut General Deptula nämlich so: Wird ein Flugzeug von einer Bodenradarstation geortet, werden Daten über dessen Flughöhe, Flugrichtung und Geschwindigkeit an das nächste Glied der Flugabwehrkette weitergegeben: Die Abfangjäger oder Abwehrraketen – sie sind es, die das Ziel vernichten müssen.

    Genau hier kommt es zum Problem, wie das russische Experten-Portal „Swobodnaja Pressa“ schreibt. Denn die Radare der Abfangjäger oder Abwehrraketen sind deutlich leistungsschwächer als die Radarstationen am Boden.

    Dafür gibt es drei Gründe: Die Antennen der Bordradare seien kleiner, werden von schwächeren Generatoren mit Energie versorgt, und deren Daten werden von Bordcomputern mit geringerer Rechenleistung verarbeitet, als dies bei Bodenstationen möglich sei, erklärt der Experte laut „Swobondaja pressa“.

    Um seine Ausführungen zu belegen, verweist General Deptula darauf, dass bislang nur ein einziges Stealth-Flugzeug abgeschossen worden sei: beim Nato-Angriff gegen Jugoslawien 1999. Das Detail, dass die F-117 der US Air Force damals von einem uralten sowjetischen Flugabwehrsystem aus dem Jahr 1961 abgeschossen wurde, erwähnt der Experte nicht.

    Wie ein echter Einsatz von neuer Abwehrtechnik gegen einen Tarnkappenjet ausgehen würde, hat man bislang aber nicht gesehen. Gegen ein S-300 oder S-400 musste noch kein Stealth-Fighter ankämpfen, schreibt „Swobodnaja pressa“.

    Überhaupt: Der US-General verallgemeinert und vereinfacht zu viel, so das Portal. Er reduziert einen hochkomplexen Kampf aus Luftangriff und Abwehr auf ein Duell „einer gegen einen“. Als ob im echten Einsatz nur eine Radarstation einen Stealth-Jet orten und dann nur einen Abfangjäger bzw. nur eine Abfangrakete einsetzen würde – womöglich auch noch frontal, auf den Bug des Kampfjets gerichtet.

    Dass die Seitenwände eines Stealth-Jets oder dessen Heck eine andere und deutlichere Radarsignatur aufweisen, vernachlässigt der US-General bei seiner Analyse offenbar. Wie auch den Umstand, dass die Flugabwehr nicht nur mit einem Bodenradar, sondern mit einem Netz von Radarstationen und Raketenstellungen arbeitet.

    Und was ist damit? Die Langstrecken-Abwehrraketen, die die russische Flugabwehr einsetzt, werden immer von Leitzentralen am Boden ins Ziel geführt. Deren Flugbahn wird dabei permanent überwacht und bei Bedarf korrigiert. Erst wenn der Suchkopf der Abwehrrakete das Ziel erfasst, geht der Flugkörper in einen Autosteuerungsmodus über.

    Dass es für die Bodenstationen der russischen Flugabwehr kein großes Problem ist, auch Stealth-Flugzeuge zu erkennen, hat der General laut dem Portal selbst eingeräumt. Offenbar aber kennt er sich mit der Funktionsweise der russischen Technik nicht exakt aus, schreibt „Swobodnaja pressa“.

    Dennoch prophezeit General Deptula der US Air Force große Erfolge im Kampf gegen die russische Flugabwehr – vor allem dem amerikanischen Stealth-Bomber der Zukunft, dem B21 Raider.

    Das Projekt ist noch in Arbeit. Es sollen dabei „Stealth-Technologien der nächsten Generation“ angewandt werden. Welche das sind, sagt der Experte laut dem Portal auch: spezielle strahlenabsorbierende Beschichtung, Anlagen zur Reduktion heißer Strahlung, größtmöglicher Verzicht auf senkrechte Flächen bei der Auslegung des Rumpfs – also alles Techniken, die in der Anwendung eigentlich längst bekannt sind, so „Swobodnaja pressa“.

    US-Tarnkappenbomber des Typs B-2 (Archivbild)
    US-Tarnkappenbomber des Typs B-2 (Archivbild)

    Auch soll der „Zukunftsbomber“ mit neuen „Langstreckenwaffen“ bestückt werden. Die angeblich super-unsichtbaren LRSO-Flugkörper sollen auch die stärkste Flugabwehr durchdringen können. Entwickelt werden die Raketen von den Waffenkonzernen Lockheed Martin und Raytheon. Die Reichweite wird mit max. 3.500 Kilometern angegeben – rund 2.000 Kilometer weniger als die russische Ch-101. Vorgesehen sind laut dem Portal eine konventionelle und eine nukleare Version.

    >>>Mehr zum Thema: Wie eine Sowjetrakete die Air Force in Vietnam traumatisierte<<<

    Das klingt alles schön und gut. Doch vernachlässigt der US-General offenbar wieder einen wichtigen Umstand: Dass die russischen Ingenieure nämlich nicht darauf warten, bis ihre Entwicklungen von den Waffenkonzernen in den USA eingeholt werden.

    Russland tritt nicht auf der Stelle, schreibt das Portal. Der Beleg dafür ist gar nicht einmal das neue S-500-Flugabwehrsystem. Das ist kein Waffensystem für die Zukunft, es existiert schon heute. Womit die Entwickler von Stealth-Jets zu kämpfen haben werden, sind sogenannte Photonenradare. Diese werden derzeit im Modell erprobt, schreibt „Swobodnaja pressa“.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Luftabwehrsysteme, Abfangjäger, Stealth-Bomber, Tarnkappentechnologie, Langstreckenbomber, US-Bomber B-2A, F-117 Nighthawk, Luftabwehr-Raketensystem S-500, S-400, S-300, Almas Antej, Northrop Grumman, USA, Russland