01:04 16 Juni 2019
SNA Radio
    Atom-U-Boot der Jassen-Klasse Sewerodwinsk (Archivbild)

    Was für Chancen hat russisches U-Boot gegen US-„Virginia“?

    CC BY 4.0 / Mil.ru
    Technik
    Zum Kurzlink
    4321739

    Die Nachricht donnerte diesen Monat durch die Welt: „Das Pentagon macht Schiffe gegen Russland bereit“, meldete „CNN“. Die US-Armada sollte schnurstracks ins Schwarze Meer brausen. Aber die Ansage ist bloß ein großer Rummel geblieben, schreibt das Portal „Zwezda“.

    Womöglich hat ein russischer U-Wasser-Jäger die heißen Köpfe der US-Strategen abgekühlt.

    Mit einer einzigen Salve soll ein U-Boot der „Jassen“-Klasse einen mit dem der US Navy vergleichbaren Flugzeugträger versenken können. Das ist die Aufgabe, für die der russische Schiffsjäger geschaffen wurde. Kurz nach der Donnermeldung von CNN wurde berichtet, Russland habe ein solches U-Boot in den Atlantik entsandt. Die Frage ist jetzt nur, ob die „Jassen“ vom Jäger nicht zum Gejagten wird, schreibt das Portal. Denn wenn die US Navy wirklich eine Flotte ins Schwarze Meer schickt, dann sicherlich in Begleitung der „Virginia“.

    Die USS „Virginia“ wurde 2004 an die Navy übergeben, als Ersatz für die veraltete „Los Angeles“. Zur gleichen Zeit hatte Russland die Arbeit an einem U-Boot der 4. Generation wiederaufgenommen. 2014 bekam dann die russische Marine den langersehnten Novizen der „Jassen“-Klasse: die K-560 „Sewerodwinsk“.

    Auf den ersten Blick ähneln das amerikanische und das russische Boot sich wie Zwillinge. Beide, die „Jassen“ und die „Virginia“, sind zur Jagd auf gegnerische Schiffe und U-Boote bestimmt. Wie unterschiedlich sie aber sind, stellt man erst bei der genaueren Betrachtung fest.

    >>>Mehr zum Thema: Drei Atom-U-Boote der USA nicht einsatzfähig – CNN<<<

    Die „Jassen“ ist ein typischer U-Wasser-Jäger – dafür gedacht, gegnerische Flugzeugträger, Kreuzer, Zerstörer und U-Boote mit hohem Tempo einzuholen. Die „Virginia“ agiert hingegen eher sachte. Ihre Taktik: sich an das Ziel leise heranschleichen und aus der Tiefe blitzartig zuschlagen.

    Das passt dazu, dass die „Virginia“ auch für Geheimoperationen in Küstengewässern ausgerüstet ist. Über eine Schleusenkammer kann sie unbemerkt Spezialkräfte im Einsatzgebiet absetzen. Auch eine Unterwasserdrohne oder ein Mini-U-Boot können in der Kammer transportiert werden.

    Ansonsten ist die „Virginia“ nach dem bewährten, inzwischen aber veralteten Muster ausgelegt, als klassischer einheitlicher Rumpf. Das ist der Vorgabe geschuldet, die Baukosten in Grenzen zu halten.

    Dafür ist das amerikanische U-Boot mit einer Wasserverdrängung von 7.900 Tonnen recht kompakt. Für einen Mehrzweckjäger ist das eher ein Vorteil: Das Boot ist leichter, also auch agiler. Der Nachteil dieser Bauweise: Viele wichtige Komponenten fanden in der Virginia schlicht keinen Platz – so auch die neueste Schallschutztechnik.

    Die „Jassen“-Klasse steckt in einer ganz anderen „Haut“. Der Rumpf besteht aus entmagnetisiertem Stahl und trägt am Bug einen speziellen Aufsatz aus Leichtlegierung zur Reduktion von Strömungsgeräuschen.

    Und weil das russische U-Boot als Doppelrumpf ausgelegt ist, verfügt es über mehr Nutzraum, was Platz geschaffen hat für Schallschutzsysteme, die bei der „Virginia“ fehlen. Außerdem ist der Rumpf der „Jassen“ mit schallabsorbierendem Gummi ummantelt: das Boot mit einem Sonar zu erfassen, ist wenn nicht unmöglich, so jedenfalls sehr schwierig.

    Der Antrieb: Beide U-Boote sind atomgetrieben, bei Beiden kommt die Kraft aus Druckreaktoren neuester Generation.

    Dennoch hat die „Virginia“ beim „Motor“ definitiv die Nase vorn. Deren Reaktor muss nicht „aufgeladen“ werden, sondern wird – nach Ablauf der Lebenszeit von 33 Jahren – zusammen mit dem U-Boot entsorgt. Das amerikanische Boot kann also pausenlos patrouillieren, ohne Häfen zum „Auftanken“ von Brennmaterial für den Kernreaktor anzulaufen.

    Die „Jassen“ hingegen muss „Tankstopps“ einlegen. Gut, einen Vorteil gegenüber der „Virginia“ hat das Boot aus Russland auch: Der Kernreaktor liefert max. 200 Megawatt Leistung und beschleunigt das Unterwasserungetüm auf 35 Knoten – entspricht an Land 65 Stundenkilometern. Die „Virginia“ mit ihren 150 Megawatt Reaktorleistung fährt offiziell 25+ Knoten.

    Noch eine wichtige Eigenschaft, bei der die „Virginia“ mit der „Jassen“ nicht mithalten kann: Das russische U-Boot taucht einen halben Kilometer tief! Bei kurzzeitiger Überbelastung sollen sogar 600 Meter möglich sein. Die „Virginia“ schafft die Hälfte, gerade noch so.

    Zählt man die Leistungswerte bei Tempo und Tauchtiefe zusammen, ist für die „Jassen“-Klasse ein Punktesieg sicher. Wäre da nicht das verflixte Aber. Die „Virginia“ zieht nämlich einen Joker… bei Elektronik und Sensorik. Das amerikanische U-Boot wurde von Anfang an so konzipiert, dass es weiter „sehen“ und „hören“ kann als seine Rivalen in der gleichen Klasse.

    Ein Beispiel: Statt eines Periskops verfügt die USS „Virginia“ über einen TV-Mast, der die Bilder der Überwasserlage in 3D direkt auf die Bildschirme auf der Brücke überträgt. Auf Sehrohrtiefe gehen, ist nicht mehr nötig.

    Und jetzt das Wichtigste, das einen Jäger ausmacht: Die Bewaffnung. Die „Virginia“ führt je nach Version bis zu 14 Tomahawk-Raketen in speziellen Drehtrommeln mit (wie beim Revolver). Die neue Tomahawk-Generation punktet dadurch, dass die Raketen mitten im Flug ihre Ziele ändern können. Die Zielverfolgung wird bei Bedarf abgebrochen – die Flugkörper patrouillieren in der Luft, bis sie neue Zieldaten von der Kommandozentrale empfangen.

    >>>Mehr zum Thema: Russlands neues Atom-U-Boot im Meer getestet – FOTO<<<

    Sind die Tomahawks für ein Ziel zu groß, kann die „Virginia“ auch Harpoon-Raketen einsetzen. Die schlagstärkste Waffe der „Virginia“ sind aber ihre Torpedos. 26 je eineinhalb Tonnen schwere Gould Mark 48 hat das amerikanische U-Boot an Bord.

    Atom-U-Boot der Virginia-Klasse (Archivbild)
    Atom-U-Boot der Virginia-Klasse (Archivbild)

    Mit 100 Stundenkilometern rasen sie auf ihr Ziel los. Dem Torpedo auszuweichen, ist praktisch unmöglich: Hat eine Mark 48 ihr Ziel aus den Augen verloren, schaltet sich ein automatischer Suchkopf ein, der das Zielobjekt wieder erfasst.

    Die „Jassen“ hingegen setzt vor allem auf Flugkörper. In acht senkrechten Schächten lagern 32 Onyx-, Kaliber- und Ch-35-Raketen. Dennoch sind auch die Torpedos des russischen Jägers nicht zu unterschätzen. Die noch zu Sowjetzeiten entwickelten 533-mm-Unterwassergeschosse durchbohren den Stahl eines Kreuzers oder Zerstörers garantiert – vor allem aber kann es eine „Jassen“ dank den Torpedos laut dem Portal mit zwei oder drei gegnerischen U-Booten aufnehmen.

    Fazit: Bei diesem Zweikampf auf dem Papier zeigt sich, dass die russische „Jassen“ ihrer amerikanischen Rivalin in puncto Tempo, Tauchtiefe und Bewaffnung einiges voraushat. Was dieses Erfolgsbild jedoch stört, ist der einfache Umstand, dass die US Navy mehr „Virginias“ im Einsatz hat als die russische Marine „Jassen“. In einem Kampf eins zu 16 sähe wohl jedes U-Boot alt aus.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Schlacht, Kriegsflotte, Atom-U-Boote, Vergleich, Marine, Waffen, Virginia, Jasen (U-Boot), Harpoon-Rakete, U.S. Navy, US-Navy, Sowjetunion, UdSSR, USA, Russland