04:56 20 Januar 2019
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    Screenshot eines Videos des russischen Verteidigungsministeriums

    Deutscher Experte zu Russlands „Avangard“: „Momentan gibt es keine Gegenmaßnahme“

    © Foto : Ministry of Defence of the Russian Federation
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    Wie real ist es, eine moderne Hyperschall-Rakete wie Russlands neulich getestete „Avangard“ abzuwehren? Diese Frage beantwortete ein Experte vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gegenüber dem Deutschlandfunk.

    Laut dem Programmlinienkoordinator für wehrtechnische Forschung Dirk Zimper ist es „wirklich schwierig“, eine solche Waffe wie Russlands Hyperschallrakete „Avangard“ abzuwehren. Denn an einer wirksamen Gegenmaßnahme werde momentan erst gearbeitet, wobei bislang keine Erfolge verzeichnet werden konnten.

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    „Das wurde auch deutlich bei der Anhörung von General Hyton am 20. März 2018, dem diese Frage im US-Senat gestellt wurde, und der klar artikulierte, dass es heutzutage noch keine Gegenmaßnahme für solche Hyperschallwaffensysteme gibt“, erläuterte Zimper.

    Er konkretisierte, dass die „Avangard“ aufgrund ihrer immensen kinetischen Energie sogar ohne Gefechtskopf riesigen Schaden verursachen könne.

    „Die Bedrohung ist durchaus realistisch und ernst zu nehmen“, meinte Zimper gegenüber dem Deutschlandfunk

    Nichtdestotrotz glaubt Zimper daran, dass der erfolgreiche Raketentest das internationale Machtverhältnis nicht geändert hat. Russland, die USA und China würden schon „seit Jahrzehnten an solchen Systemen forschen“ und es bestehe in diesem Bereich wirklich ein „Gleichauf“, fuhr Zimper fort.

    Start der neuesten russischen Rakete vom Typ Avangard
    © Foto : Russlands Verteidigungsministerium
    Wladimir Putin hatte am 1. März 2018 vor der Föderalversammlung die neuesten russischen Waffen präsentiert – darunter die Hyperschallraketen „Kinschal“ und „Avangard“ sowie den Kampflaser „Pereswet“. Am 26. Dezember wurde die Rakete im Beisein des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, getestet. Er hatte dieses Raketensystem ebenso wie das Raketensystem Kinschal in seiner Botschaft an die Föderalversammlung im März erwähnt und es als Hyperschall-Raketensystem mit einem Gleiter charakterisiert, das Interkontinentalreichweite besitze und einer Feuerkugel gleich mit 20-facher Schallgeschwindigkeit fliege. Bei seiner Jahrespressekonferenz am 20. Dezember betonte der russische Staatschef, dass heutzutage in der ganzen Welt das System der Rüstungskontrolle zusammenbricht.

    >>>Mehr zum Thema: Russland gibt Geschwindigkeit der neuesten Hyperschall-Rakete „Avangard” preis<<<

    Russland habe mit seinen neuen Waffen Vorteile erhalten, die jedoch nicht mehr als die Aufrechterhaltung der Parität bewirken würden: „Nach dem US-Rückzug aus dem ABM-Vertrag, welcher der Grundstein für die Nichtverbreitung von Kernwaffen und die Abschreckung des Wettrüstens war, mussten wir mit der Schaffung neuer Waffensysteme reagieren, die diese Raketenabwehrsysteme übertreffen“, so Putin.

    „Jetzt hören wir, dass Russland einen Vorteil erlangt hat. Ja, das ist wahr. Es gibt keine gleichartigen Waffensysteme in der Welt. Die führenden Mächte werden sie haben, aber noch nicht jetzt. In diesem Sinne gibt es gewisse Vorteile. Für das strategische Gleichgewicht sind sie ein Element für die Zurückhaltung und den Ausgleich von Paritäten.“

    Putin äußerte sich auch zu dem Plan der Vereinigten Staaten, den INF-Vertrag zu beenden. Diesbezüglich fügte er hinzu, dass es „schwer vorstellbar“ sei, „wie sich die Situation entwickeln“ würde. „Was ist, wenn diese Raketen in Europa auftauchen? Was sollen wir tun? Natürlich müssen wir unsere Sicherheit auf irgendeine Weise gewährleisten. Sie sollen danach nicht wimmern, weil wir einige Vorteile haben. Wir arbeiten nicht an der Erzielung eines Vorteils, sondern an der Bewahrung des Gleichgewichts“, unterstrich Putin.

     

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    Tags:
    Hyperschallwaffen, Gegenmaßnahmen, Tests, Hyperschall-Rakete "Avangard", Deutschlandfunk, Dirk Zimper, Deutschland, Russland