06:09 20 Januar 2019
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    Kampfpanzer des Typs T-90 im EinsatzPanzermunitionen während der Übungen (Archiv)

    Schneller als im Handumdrehen: Wenn Panzer wie aus dem Revolver schießen…

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    Andrej Koz
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    Schusstempo oder Zuverlässigkeit? Mehr Munition oder mehr Schutz? Komplexe Technik oder Manpower? An diesen Fragen entscheiden Konstrukteure, ob Kampfpanzer mit einer Ladeautomatik ausgestattet werden. Nato-Soldaten müssen die Geschosse meist von Hand nachladen. Bei den russischen Panzertruppen läuft der Vorgang automatisch. Was ist besser?

    Sieben jordanische M48-Panzer am Stück schoss ein einziger AMX-13 der israelischen Streitkräfte im Sechs-Tage-Krieg ab. Einen nach dem anderen. Ein Ladeautomat machte die schnelle Schussfolge möglich – und den Ladeschützen überflüssig. Der komplette Ladevorgang, vom Nachladen über die Rückführung der leeren Hülsen bis zum Aufmunitionieren, lief mechanisch ab.

    Der AMX-13, der in den Fünfzigerjahren in Frankreich gebaut wurde, war der erste Kampfpanzer der Welt, der mit einer automatischen Ladeeinrichtung ausgestattet war. An beiden Seiten des Geschützturms waren Trommelmagazine mit je sechs Schuss untergebracht. Die damals ungewöhnliche technische Lösung erhöhte das Feuertempo des AMX-13 auf bis zu zwölf Schuss pro Minute.

    Überdeutlich war aber auch der Nachteil des Systems: War das Trommelmagazin leergeschossen, musste der Panzer schleunigst vom Schlachtfeld fahren, um den Kampfsatz wieder aufzufüllen.

    Auch Streitkräfte anderer Länder experimentierten mit automatischen Ladeeinrichtungen: Erprobt wurden meist Trommelmagazine, ähnlich einem Revolver. Die meisten Nato-Armeen laden jedoch bis heute von Hand nach. Die russischen Panzertruppen nutzen aber automatisierte Trommelmagazine – bereits seit dem T-64.

    Kompakte Maße, mehr Schutz

    Der sowjetische Standardpanzer T-64A, mit einer 125-mm-Glattrohrkanone bewaffnet, war mit einem hydromechanischen Ladeautomaten ausgestattet. Die Hauptkomponente der Anlage – das karussellartige Bandmagazin – befand sich unter dem Turm, in einem speziellen Behälter. Darin wurde auch der Kampfsatz untergebracht: Unterkaliber-, Hohlladungs- und Splittersprenggeschosse – insgesamt 28 Schuss. Weitere Munition befand sich in speziellen Nischen in der Führungssektion.

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    Diese Automatik unterscheidet sich nur geringfügig von jener der T-72- und T-90-Panzer. Das Grundprinzip ist dasselbe: Die Trommel dreht sich, bis das richtige Geschoss ausgewählt ist, ein Hubarm hebt die Munitionskassette an das Rohr, eine Zufuhreinrichtung schiebt es in das Rohr hinein, der Kampfsatz wird verschlossen – Feuer! Schnell erfolgt die Rückführung der leeren Hülse, die Anlage ist zum Folgeschuss bereit.

    Die Vorteile der Ladeautomatik liegen klar auf der Hand: Durch das Einsparen eines Besatzungsmitglieds konnten die Abmessungen des Kampfpanzers verringert und der Gewichtsgewinn für zusätzlichen Panzerschutz verwendet werden. Vor allem aber legt der Panzer beim Feuertempo deutlich zu.

    Einige Abstriche müssen aber auch beim Ladeautomaten gemacht werden: Der Kampfsatz, der im Trommelmagazin untergebracht ist, ist relativ gering. Auch können keine längeren Geschosse eingesetzt werden. Und Fachleute sehen auch Nachteile beim Schutz der gesamten Ladeeinrichtung und der Munition.

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    Die meisten westlichen Panzer sind auf vier Mann Besatzung ausgelegt, Ladeschütze inklusive. Dieser sitzt meistens seitlich des Geschützrohrs. Von Hand entnimmt er das Geschoss aus dem Magazin, schiebt es in das Rohr, nimmt wieder die sichere Seitwärtsstellung ein und meldet dem Kommandanten die Feuerbereitschaft.

    So funktionierte es auch schon im Zweiten Weltkrieg. Aber es nicht so, als hätte diese „Technik“ keine Vorteile. Die Geschosse etwa sind, von der Besatzung getrennt, in einem gepanzerten Magazin untergebracht. Es gibt keine Einschränkungen beim Einsatz längerer Munition. Und der vierte Mann in der Besatzung erleichtert die technische Wartung und beschleunigt das Aufmunitionieren des Magazins.

    Nachteile gibt es aber auch genug. Das Nachladen ist schweißtreibend. Circa nach der Hälfte des Magazins nimmt die Leistungsfähigkeit des Ladeschützen ab, das Feuertempo sinkt. Und außerdem haben die „Vierer-Panzer“ einen größeren Turm, sind somit deutlich auffälliger und verwundbarer.

    Russische Konstrukteure haben die meisten Minuspunkte der Ladeautomatik wieder ausgleichen können. So wird der Kampfsatz und damit die Besatzung des Panzers besser geschützt, hauptsächlich durch Reaktivpanzerung, optronische Abwehrsysteme und anderen Hightech.

    Ein Nachteil bleibt aber: Ist das Trommelmagazin leer, muss es aufwendig wiederbeladen werden. Dabei muss auch der Kommandant mit anpacken. Währenddessen sinkt die Feuergeschwindigkeit des Panzers auf höchstens drei Schuss pro Minute.

    Allerdings hat sich in den Kampfeinsätzen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und auch in den heutigen Konflikten gezeigt, dass in einem Panzergefecht die Besatzung gewinnt, die ihr Gerät am besten kennt, dessen Stärken und Schwächen zu nutzen weiß, mit den Verbündeten ordentlich interoperiert und zielgenau schießt. Die Frage, wie genau das Geschoss ins Rohr gelangt, steht dabei nicht mal an zweiter, sondern an zehnter Stelle.

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    Tags:
    Ladegerät, Schusswaffe, Entwicklung, Panzer, Panzer T-64, Russland