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05:24 14 Oktober 2019
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    Der „Nachtjäger“ Mi-28 während der Militärmesse Armija 2018 in Russland (Archiv)

    Syrien-Held reloaded: Der neue „Nachtjäger“ Mi-28 zieht am „Apache“ AH-64 vorbei

    © Sputnik / Alexander Wilf
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    Russlands Armee erhält bald den neuen Kampfhubschrauber Mi-28NM, die optimierte Version des berühmten „Nachtjägers“. Russische Ingenieure haben aus dem Syrien-Einsatz dieses Helikopters gelernt und seine Kernkomponenten überarbeitet. Fachleute sagen, der Mi-28-Upgrade sei bei vielen Parametern stärker als sein größter Rivale aus den USA.

    Jetzt macht der „Nachtjäger“ seinem Namen wahrlich alle Ehre. In der neuen Ausführung kann der Kampfhubschrauber wirklich bei jedem Wetter und zu jeder Uhrzeit eingesetzt werden – vor allem gegen Hochwertziele: Panzer, Kommandobunker, Kampfdrohnen. Die Piloten des Mi-28NM können im Einsatz auf feinere Sensorik, stärkeren Schutz und kräftigere Dynamik zählen.

    Ka-52 - Produktion des russischen Hubschrauberhersteller Kamow (Symbolbild)
    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands
    Angetrieben wird der neue Kampfhubschrauber von zwei Turbinentriebwerken aus russischer Fertigung. Die Höchstleistung der Motoren ist von 2700 auf 2800 Wellen-PS gestiegen, im Normalbetrieb bringen die Triebwerke 2500 PS auf die Rotoren. Überarbeitet wurde auch die Tragschraube – damit fliegt der „Nachtjäger“ 325 Stundenkilometer Spitze.

    Was aber viel wichtiger ist: Verbessert wurde an der Kampfmaschine nicht nur das Herz, sondern – wenn man so will – auch der Kopf. Dank optimierter Avionik und Sensorik sind die Piloten nunmehr besser informiert über ihr Einsatzumfeld und ihr Kampfgerät. Die Interoperabilität mit anderen Einheiten wurde erleichtert, die Reaktionszeit in komplexen Einsätzen verringert.

    Beim Aufbau des Cockpits folgen die Konstrukteure den Erfahrungen mit dem Vorgänger des „Nachtjägers“, dem Mi-24 – einem der meistverbreiteten Kampfhubschrauber der Welt. Auch im Mi-28NM sitzen der Pilot und der Waffensystemoffizier tandemartig, also hintereinander.

    Zwar können die beiden dadurch nicht mehr direkt miteinander kommunizieren. Doch hat diese Konstruktion mehr Plus- als Minuspunkte – davon sind die Fachleute überzeugt. Vor allem wird dadurch eine bessere Rundumsicht für den Piloten ermöglicht.

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    Ein großes Manko in den ersten Mi-28 war allerdings die fehlende zweite Steuerung, die die Überlebenschancen des Hubschraubers erhöht, sollte eines der Crewmitglieder im Einsatz ausfallen. In der neuen Version Mi-28NM stehen nun auch für den Waffensystemoffizier Steuerknüppel und Pedale bereit.

    Aufgerüstet wurde auch beim Schutzlevel: Die Besatzung ist vor Schüssen und Granaten von bis zu 20 mm Kaliber sicher. Überhaupt sind wichtige Komponenten des Kampfhubschraubers durch spezielle Werkstoffe und Konstruktionslösungen verstärkt worden.

    Die Blätter der Tragschraube etwa sind aus Verbundstoffen gefertigt, weshalb der Mi-28NM den Flug auch dann noch fortsetzen kann, wenn der Rotor von einer 20- bis 30-mm-Granate getroffen wurde. Die überarbeitete Anlage zur Treibstoffversorgung schließt Entzündungen und Explosionen aus.

    Vor Flugabwehrraketen schützt den Kampfhubschrauber ein Schutzlasersystem – damit werden ab diesem Jahr alle „Nachtjäger“ ausgestattet. Künftig soll der Laser nicht nur die Flugkörper ablenken, die den Hubschrauber ansteuern, sondern auch deren Zielsuchköpfe „einäschern“ können.

    Gründlich überdacht wurde auch die Sensorik und Optronik des Mi-28N: Die Radarantenne zum Beispiel wurde in der neuesten Version nicht im Bug, sondern auf einem Rotormast angebracht. Das erleichtert den Einsatz von Präzisionswaffen, unter anderem weil die Zielsuche und —erfassung dank der 360-Grad-Umsicht des Radars schneller läuft.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Russland hat Voraussetzungen für Herstellung unbemannter Kampfhubschrauber<<<

    Die Rechenleistung des Bordcomputers ist um ein Vielfaches gesteigert worden. Die Navigations- und Aufklärungssysteme des Mi-28NM ermöglichen der Besatzung, blind zu fliegen und zu landen – der Neue ist ein echter Allwetter- und Allzeithubschrauber geworden.

    Bei der Bewaffnung setzen die Entwickler des Mi-28NM auf Bewährtes: eine 30-mm-Bordkanone mit 300 Schuss, Luft-Luft-Lenkraketen, 30-mm-Granatwerfer, ungelenkte Rakete und Großkaliber-MGs.

    Die einzige Neuerung: Panzerabwehrraketen Chrisantema-WM mit einem Doppelkanalzielsystem. Auf der Rüstungsmesse „Army 2018“ wurde die Exportversion des Nachtjägers, der Mi-28NE, vorgestellt, die mit diesem Waffensystem ausgestattet war. Nicht ausgeschlossen, dass auch die russischen „Nachtjäger“ diese Raketen erhalten. Geprüft wird außerdem die Möglichkeit, die Kampfhubschrauber mit Bomben zu bestücken.

    Fachleute sprechen von einem deutlichen Vorsprung des Mi-28NM gegenüber seinem Rivalen AH-64D „Apache“ aus den USA. Erwähnen muss man allerdings auch, dass der US-Helikopter seit den Achtzigerjahren im Einsatz ist und bereits mehrere Upgrade-Etappen durchlaufen hat.

    Erstmals eingesetzt wurde Apache bei der US-Invasion in Panama 1989, dann beim „Wüstensturm“ im Irak, später in Afghanistan und im Libanon gegen die Hisbollah. Der Mi-28N ist bislang nur in Syrien umfassend eingesetzt worden. Dort wurde klar, dass es bei einigen Bordsystemen des russischen Hubschraubers Optimierungsbedarf gibt – bei den Nachtsichtbrillen der Besatzung zum Beispiel.

    Einen Mi-28N haben die russischen Streitkräfte in Syrien verloren. Die Maschine sei jedoch nicht abgeschossen worden, erklärte das Verteidigungsministerium. Außerdem setzten die irakischen Streitkräfte den russischen Kampfhubschrauber ein. Die Exportversion Mi-28NE flog Einsätze gegen IS-Terroristen bei der Rückeroberung irakischer Städte.

    Fachleute betonen indes, dass ein direkter Vergleich des neuen „Nachtjägers“ mit der aktuellen Version von Apache verfrüht wäre. Der russische Kampfhubschrauber müsse vorerst eine Reihe staatlicher Tests durchlaufen. Aber: „Bei der Bewaffnung war Apache den ersten Versionen des Mi-28 überlegen. Nach der Modernisierung, denke ich, wird die russische Maschine den Vorsprung jedoch aufholen“, sagt der Militärexperte und Fachjournalist Andrej Fomin.

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    Tags:
    Entwicklung, Vergleich, Einsatz, Waffen, Kampfhubschrauber Apache, Mi-28, Russland