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06:38 14 Oktober 2019
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    Ukrainische Soldaten während der Übungen des Polens, Litauens und der Ukraine (Archiv)

    Polnisch-ukrainische „Zukunftswaffe“: Schießt alles ab, was fliegt – wenn sie fliegt

    © AFP 2019 / PETRAS MALUKAS
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    Wieder einmal will die Ukraine den Armeen in aller Welt eine Zukunftswaffe offerieren, diesmal in Kooperation mit polnischen Rüstungsfirmen. Ein neues Flugabwehrsystem soll es werden – stark, mobil, gegen Luftziele aller Art. Auf den ersten Blick hat die angekündigte Rakete auch wirklich Power. Aber eben nur auf den ersten Blick.

    Große Reichweite, hoher Grad an Mobilität und die Fähigkeit, Flugzeuge, Hubschrauber, Drohnen, ja sogar Raketen zu bekämpfen – für ein mittelgroßes Flugabwehrsystem sind die angekündigten Parameter erstmal nicht schlecht, jedenfalls sind sie vergleichbar mit der russischen Flugabwehr Buk.

    Der polnische Technikhersteller WB Electronics hat Anfang dieses Monats erklärt, in Zusammenarbeit mit der Ukraine ein neues Flugabwehrsystem entwickeln zu wollen. Wie es heißen wird, wissen die Entwickler noch nicht. In drei Jahren soll es aber serienreif sein, da sind sie sich sicher.

    Das künftige Waffensystem soll überwiegend Hochwertobjekte schützen – gegen nahezu alles, was fliegt: ob Flugzeug, Hubschrauber, Lenkwaffe, Seeziel- oder Anti-Radar-Rakete. Zwischen 30 und 110 Kilometern Reichweite sollen je nach Zielsuchkopf möglich sein. Die Startrampen würden auf polnischen LKW-Chassis aufgebaut.

    Ukrainische Medien feiern das System als „Zukunftswaffe“. Dass es auf einer Rakete sowjetischer Bauart basieren wird, betonen die Journalisten nicht unbedingt.

    Zukunftswaffe ohne Zukunft

    „Die R-27-Rakete wurde ursprünglich als Luft-Luft-Rakete entwickelt, für den Start vom Flugzeug aus“, erklärt Wladimir Korowin vom Zentrum für verteidigungspolitische Studien am Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen. Das polnisch-ukrainische Vorhaben bezeichnet der Experte deshalb als „aussichtlos“.

    Solcherart Ankündigungen seien eher ein Armutszeugnis: „Sie zeigen, dass die Ukraine sich in einer ausweglosen Lage befindet, dass sie keine anderen Möglichkeiten hat, eine effektive Flugabwehr zu bekommen“, so der Analyst.

    Denn wichtige technische Details des neuen Systems sind ungelöst: „Die Rakete von Null auf Überschall zu beschleunigen, funktioniert nicht ohne Weiteres. Dafür muss ein Booster gebaut werden“, erklärt der Fachmann.

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    Zumal die Raketen, die die Ukraine jetzt noch im Bestand hat, längst veraltet sind und heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechen. Die R-27-Rakete wurde in den Siebzigerjahren in einem Moskauer Konstruktionsbüro entwickelt. Bestimmt war die Luft-Luft-Rakete für die Bewaffnung sowjetischer Abfangjäger.

    „Auch ukrainische Betriebe nahmen an der Entwicklung teil, stellten Bauteile und Komponenten her. Seither verfügen sie auch über bestimmte Baupläne der Rakete – und auch über einen bestimmten Bestand dieser Raketen. Sie können im Luftkampf auch noch eingesetzt werden, aber sicher nicht gegen moderne Kampfjets“, sagt Experte Korowin.

    Man könnte die Luft-Luft-Rakete auch so modifizieren, dass sie vom Boden aus startet. Die Frage ist, ob sich der Aufwand lohnt. Denn das Problem ist, dass die R-27 normalerweise vom Flugzeug startet – das heißt, bei einer Geschwindigkeit von mindestens 1.000 Stundenkilometern. „Das reicht aus, damit die Rakete durch das eigene Leitwerk stabilisiert wird. Wie sich der Flugkörper beim Bodenstart verhalten wird, weiß niemand“, sagt der Analyst.

    „Auch fehlen der Ukraine viele technische Details: über das Flugverhalten, über die Zielführung, über die Belastungsgrenzen. Ohne das Konstruktionsbüro in Moskau werden sie diese Informationen auch nicht bekommen. Es ist, als würden sie eine Gleichung mit sehr vielen Unbekannten lösen wollen“, sagt Korowin.

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    Eine Verzweiflungstat

    Die Flugabwehr der Ukraine ist heute in einem kläglichen Zustand, obwohl auf ihrem Gebiet zu Sowjetzeiten die stärksten Flugabwehrverbände Europas stationiert waren. In der Ukrainischen Sowjetrepublik gab es allein bis zu 3.000 Abfangjäger plus allerhand Flugabwehrsysteme: S-125, S-200, S-300, Buk und andere.

    Die meisten Jets und Raketen sind inzwischen entweder verschrottet oder verscherbelt worden. Geblieben ist nur eine Handvoll S-300-Systeme. Raketen, die dafür nötig sind, stellt die Ukraine nicht her. Offenbar setzt die Führung in Kiew die Hoffnung auf die Kooperation mit Polen. Allein: Man weiß aus Erfahrung, dass Vereinbarungen zwischen Polen und der Ukraine meist nur auf dem Papier Bestand haben.

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    Tags:
    Rakete, Flugabwehr-Lenkwaffen, Entwicklung, Waffen, Fla-Raketensystem Buk, S-300, R-27, Polen, Ukraine